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Reisebericht Pakistan 2. Teil


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Sa 15. April 2000 258. Tag

Dasu-Basha 80.53 Km T: 10944.9 Km

Wir assen ein wenig Porridge, bevor es losging. Die Strasse führte in einen Canyon hinein. Wir wurden eingeschlossen von den Bergen. Es war eine eigenartige Stimmung und es waren auch fast keine Leute sichtbar. Es war ein Genuss, da durchzufahren. Da wir keinen Laden sahen, fragten wir in einem Dorf, ob sie Gemüse hätten. Man bot uns zuerst einen Tee an. Wir realisierten, dass nun für uns gekocht wird. Das wollten wir eigentlich nicht, doch nun war es zu spät. Wir bedankten uns bei den freundlichen Leuten und fuhren weiter. 15 Km danach fuhren wir an mehreren Raststätten vorbei. Dort tranken wir Tee und assen nochmal eine Kleinigkeit. Ich hatte fast eine Schlägerei mit einem Fernsehteam, das uns aufnahm. Bei einer Polizeistation konnten wir campieren. Es war ein kleines Paradies und gefiel uns sehr gut. Wir kochten Milchreis und da wir dachten, die Leute möchten auch ein wenig davon essen, kochten wir mehr. Das war ein Fehler. Denn als wir es ihnen anboten, nahmen sie nichts an. Wir wären ihre Gäste, hiess es immer wieder. Da konnte man nichts machen. Thomas unterhielt dann die Polizeiwache mit der Gitarre und «Köl'schem» Dialekt. Ich hatte wieder einmal Durchfall.

So 16. April 2000 259. Tag

Basha-10 Km nach Chilas 54.35 Km T: 10999.3 Km

Die Landschaft, die wir durchfuhren, wurde zu einer richtigen Steinwüste. Es herrschte absolute Stille und es war ein enormes Gefühl, durch diese Gegend zu fahren. Man sah immer wieder was neues. Die Farben der Steine wechselten ständig, und man wusste nie, was einem wohl hinter der nächsten Kurve erwarten würde. Wir waren alle nicht so motiviert, um lange zu fahren. Schnell machten wir halt und tranken Tee. Ein wenig ausserhalb nach Chilas kochten wir Spaghetti und wurden dabei von 5 Pakistanischen Hirten mit einem mürrischen Gesicht beobachtet. Bei der nächsten Raststätte hielten wir. Wir schrieben unsere Tagebücher auf den neuesten Stand und tranken Tee. Ich hatte wieder starkes Durchfall und verschwand ständig hinter den Bäumen.

Mo 17. April 2000 260. Tag

Chilas-Jaglot 74.39 Km T: 11073.8 Km

Obwohl es wüstenähnlich war, gefiel uns die Gegend sehr gut. Wir standen früh auf, damit wir ein paar Km in der kühleren Morgenluft abstrampeln konnten. Um 10.00 Uhr hatten wir bereits 40 Km geschafft. Wir entschieden, im Hinterhof eines Restaurants anzuhalten und zu essen. Plötzlich erschien der Engländer mit der Entfield, den wir auf dem Touristcamp in Islamabad angetroffen hatten. Wir unterhielten uns über das Erlebte, und als dann noch die drei Rad fahrenden Neuseeländer auftauchten, war schon ein merkwürdiges Treffen. Wir blieben etwa 1 1/2 Stunden dort. Dann ging's weiter. In Tallechi wies ein Schild auf den Nanga Parbat, den Killer Berg - 8126 m hoch. Doch er sah nicht so hoch aus. Es war ein wenig enttäuschend, da er eher wie ein 4000 m Berg wirkte. Die Neuseeländer blieben im Rasthaus. Wir tranken noch gemeinsam Tee. Wir, also Tobias, Thomas und ich fuhren weiter nach Jaglot, das 16 Km entfernt war. Dort kauften wir zu Essen ein. Auf der Suche nach einer Bleibe fanden wir eine Mehlfabrik. Die Leute waren sehr freundlich. Sie servierten uns einen Begrüssungstee, dann schauten wir Fernsehen, und als wir kochen wollten, durften wir das unter keinen Umständen.


Nanga Parbat

Di 18. April 2000 261. Tag

Jaglot-Gilgit 45.31 Km T: 11119.1 Km

Thomas bekam eine Pastanmütze und einen Pullover von den Leuten als Geschenk. Nach einem kleinen Frühstück ging's los. Wir gingen die Etappe wirklich ohne Stress an, da es nur ein paar Km bis Gilgit sind. 20 Km vor Gilgit machten wir an einem schattigen Örtchen Halt und kochten Porige. Ein Radfahrer, der uns noch nicht begegnet war, fuhr an uns vorbei. Später erfuhren wir, dass es ein Australier war. Nach dem Essen trafen wir wieder die Neuseeländer. Mann, was da wieder für ein Verkehr herrscht! Tobias fragte sich, ob da schon Bikerwitze vorhanden sind. 10 Km vor Gilgit trafen wir eine Deutsche Radfahrerin in kurzen Hosen und unverschleiert an. Sie erzählte uns die neusten Klatsch- und Tratschgeschichten und wies uns darauf hin, wo sich die Touris treffen. Beim Medina Hotel trafen sich dann auch alle Biker wieder. Und die Infos werden hier ausgetauscht.


Poloturnier in Gilgit

Mi 19. - Sa 22. April 2000 262. - 265. Tag

Gilgit

Ja, es waren fast mehr Biker im Medina-Hotel als Backpacker. Die meisten mit dem Ziel, am 1. Mai über den Kunjerab-Pass zu fahren. Es war gut, ein paar Infos über Tibet zu erhalten. Nun, es sieht gar nicht so gut aus. Schlechte Strassen sind noch das geringste Übel. Da wären die ersten 1300 km, wo ich ein Katz und Maus- Spiel mit der Polizei spielen müsste. In den Hotels gebe es Spitzel, die einen verraten, und dazwischen wären noch drei Pässe über 5000m. Die Strecke wäre etwa 3000 km lang, und 30 Tage würden niemals reichen. Na, das sind keine guten News. Und ich begann abzuwägen, ob sich das lohnt oder nicht. Ich habe kein Zelt dabei, das ist auch noch so eine Sache, die ich brauchen würde, wenn ich in den Tibet käme. Nun, auch die News für die Freunde waren schlecht. Den Pass von China nach Kirgistan kann man angeblich auch nicht so einfach beradeln. Man müsse das Rad auf einen Jeep laden, der angeblich 500 $ kostet. Da bleibt das Herz des freien Radlers stehen und man fragt sich, was da für eine Mafia das Geld einsackt.

Da war auch noch die hintere Gepäckträgerstütze, die mir unterwegs gebrochen war. Ich liess mir zwei Eisenrohre nachbauen, die zwar einiges schwerer sind als die Alurohre, dafür jedoch auch länger halten sollten. Der Mechaniker fertigte die Stützen in 40 Minuten und das Ganze kostete gerade einmal 1$. Das sind noch Arbeitskosten!

Tobias sah sich das "Mountain Refuge" an. Das war eindeutig der bessere Platz zum Campen als Gilgit. So blieben wir noch zwei Tage dort und feierten an den Abenden unsere Fressparties.

So 23. April 2000 266. Tag

Gilgit-Jaglotgah 35.47 Km T: 11154.6 Km

Tobias brauchte noch ein paar neue Socken und liess seine alten, schweissigen Stinkdinger vor der Post stehen. Ich versandte einige Briefe, was ein wenig merkwürdig abging. Man holte die Marken in der Post ab und liess sie dann in einem anderen Gebäude, das voller Postsäcke war und sehr unordentlich aussah, von einem älteren Mann abstempeln. Nun, "Inschallah" - so kommen sie an. Ich hatte kein Wasser dabei und es war schon ziemlich heiss. Wir teilten uns die letzten Wassertropfen auf. Da Tobias der einzige war, der Wasser mitgenommen hatte, war das schwierig. Wir sahen einen Jeep vorbeifahren mit zwei Bikes und den beiden Schweden. Das Pärchen kaufte in Gilgit zwei chinesische Eingänger-Velos und wollte damit den Kunjerab-Pass hochradeln. Nun, es ist schon anstrengend mit einem 24-Gänger. Das Pärchen war dann das Thema des Vormittages. Tobias meinte, dass die Hollandbikes vor 50 Jahren schon bequemer waren als die neuen Chinabikes und dass es in nicht wundern würde, wenn das Pärchen das Unternehmen aufgeben würde. Wir gingen es heute ganz gemütlich an und tranken bei den Teeshops die Teekannen leer. Und als wir dann einen kleinen Campingplatz sahen, der ausgesprochen schön war, hielten wir zum Übernachten an. Das Wetter veränderte sich schnell und es gab dann für ein paar Minuten ein wenig Regen. Tobias ist ein verkannter Spitzenkoch, und so genossen wir den Kartoffelstock, den er uns bereitete. Es gab ein Kraut, das aussah wie Pfefferminze. Ich kam auf die Idee, einen Tee daraus zu machen. Und dieser Tee hatte eine gute Wirkung auf mich. Er machte mich absolut wach und ich fühlte mich fit wie schon lange nicht mehr.

Mo 24. April 2000 267. Tag

Jaglot-Aliabad 63.63 Km T: 11218.2

Nach einem kleinem Frühstück fuhren wir los. Die Gegend ist sehr wüstenähnlich, doch auch sehr abwechslungsreich. Der Rakaposchi tauchte vor uns auf und brachte uns zum Träumen. Es ist ein herrlicher Berg mit 7788m Höhe. In Minapin befindet sich der "Zeropoint", jener Ort, von dem aus man hochkraxelt. Wir machten es uns gemütlich und tranken Tee und bestaunten den Berg durch den Feldstecher. Dabei lernten wir einige Schweizer kennen, die mit dem Auto nach China und Tibet einreisen wollen und das nun schon seit langem planen. Wir machten ab, dass wir uns im Campingplatz in Aliabad treffen werden. Auf der Fahrt passierte es, dass mir auch noch Tobias ins Hinterrad fuhr. Das war heute schon der zweite Unfall, den wir bauten. Zuerst fuhr mir Thomas schon hinten rein. Danach war mein Schutzblech endgültig schrottreif und wir begruben es am Strassenrand. Und nun fiel auch noch Tobias über den Lenker. Wir hatten aber Glück, und es passierte nichts. Irgendwie waren wir heute zu stark auf die Berge konzentriert. In Aliabad machten wir uns einen gemütlichen Abend und Thomas unterhielt uns wieder auf der Gitarre und mit "Kölschem" Gesang.

Di 25. April 2000 268. Tag

Aliabad

Tobias und ich entschieden, eine kleine Wanderung zum Gletscher zu machen. So marschierten wir dem Wasserkanal entlang. Der Weg war ein Abenteuer für sich. Ein kleiner Weg links führte ein paar Hundert Meter runter, und es war erstaunlich, wie die Leute diesen Kanal angelegt hatten. Unterwegs machten wir ein kleines Picknick. Der Gletscher war nicht so besonders. Er war voller Geröll und überhaupt nicht weiss, wie wir uns das vorgestellt hatten.


Fort in Karimabad (Hunza Valley)

Mi 26. April - Mi 10. Mai 2000 269.- 283. Tag

Aliabad-Karimabad 6 Km T: 11224.2 Km

Leider trennten sich unsere Wege nun. Ich wollte noch länger in den Bergen bleiben und noch nicht den Kunjerab-Pass hochstressen. Ich bog hoch nach Karimabad. Und die beiden Jungs fuhren Richtung Passu. Es ging zwei Km hoch, das war sehr schweisstreibend. In Karimabad traf ich den ein wenig verrückten Griechen, der mir schon in Islamabad begegnet war. Das Hotel war schnell gefunden und ich verliebte mich sofort in diesen Ort.

Karimabad liegt auf 2300m und man bietet eine gute Sicht auf den Rakaposchi, Golden Paek und der Lady Finger. Es ist ein Ort, an dem man entspannen kann und ein paar gute Infos bekommt. Ich entschloss mich, hier länger zu bleiben. Und ich traf auch ein paar bekannte Gesichter wieder. Als der Pass öffnete, kamen Reisende aus China herüber, und so erfuhr man die News. Für mich wurde immer klarer, dass ich meine Route ändern werde. Ein paar Monate mehr in diesen traumhaften Bergen und dann runter nach Indien.

Ich machte auch ein paar kurze Tagesausflüge. Die sehr gut waren; ja, Karimabad war echt super.


Bergwelt in Pasu

Do 11. Mai 2000 284. Tag

Karimabad-Passu 50.94 Km T: 11275.2 Km

Die ersten Kilometer fielen mir wieder schwer. Nach zwei Wochen Ferien vom Radfahren muss man den Rhythmus wieder finden. Ein Jeep fuhr hinter mir und ich sah, dass jemand mich filmte. Dann fuhr der Jeep an mir vorbei und blieb nach einem Kilometer stehen. Er machte ein paar Aufnahmen und brauste dann weg. Das sind diejenigen, die ich ganz gerne habe. An einer Quelle traf ich dann zwei Pakistaner. Der eine bot mir "Natural Water" an aus seiner 1.5 Liter-Petflasche. Ich begriff zuerst gar nicht, was er eigentlich meinte. Doch am Geruch war klar zu erkennen, dass das in seiner Flasche kein Wasser war. Das Zeug schmeckte ganz gut. Er würde das selbst destillieren. In Passu traf ich dann ein paar Leute an, mit denen ich mich schon in Karimabad gut verstanden hatte. Wir entschieden uns die, nächsten paar Tage zu Trekken.

Fr 12. Mai 2000 285. Tag

Abenteuertrekk Passu

Mit den beiden Japanern und einem Slowenen war ich nun unterwegs. Wir entschieden, einen kleinen Trekk zu machen. Es gab zwei Hängebrücken und das war wirklich ein Erlebnis: Die Abstände zwischen den einzelnen Holzstücken variierte zwischen 50 und 100 cm, man musste sich konzentrieren. Das Gefühl war einmalig; man meinte, dass sich die Brücke bewegt, wenn man auf das Wasser schaute. Der Borit Lake lag dann noch auf dem Rückweg, und dort genossen wir noch ein paar Tassen guten "Mountainteas". Der ganze Trekk dauerte etwa 6 1/2 stunden und war einmalig.

Wir waren dann auch ganz schön erschöpft. Am Abend trafen wir noch ein portugieschisches Pärchen, das uns einen Trekkingweg erklärte, den wir morgen machen wollten.

Sa 13. Mai 2000 286. Tag

Batura Glacier-Trekk

Dieser Trekk war ebenfalls einmalig schön, da wir Kontakt mit Schäferinnen hatten. Sie kochten uns einen Milchtee und es gab Yakyjoghurt, das sehr gut schmeckte. Der Weg war anstrengend und am Ende machten wir auch noch einen Umweg von ein paar Kilometern.

So 14. Mai 2000 287. Tag

Passu-Sost-Dehi-Kuksel 106.13 Km T: 11381.4 Km

Um 7.00 Uhr fuhr ich von meinem Hotel los und traf noch auf die Portugiesen. So wurde es dann erst einmal 8.00 Uhr, bis ich Passu verliess. Es war herrlich, durch das Gebirge zu fahren. Und ich wunderte mich, dass es gar nicht so steil hochging, wie ich gedacht hatte. Zwischendurch machte ich Halt, um was zu essen oder um die Wasserflaschen aufzufüllen mit frischem Quellwasser, das herrlich schmeckte. In Sost gab es nichts Spezielles zum ansehen, und so fuhr ich weiter dem Pass entgegen. In Deli musste ich 4 $ bezahlen für den Kunjerab Nationalpark. Ob das Geld wirklich in den Nationalpark gesteckt wird? Ich liess mich dann ein paar Kilometer von Trucks ziehen, die Steine nach China transportieren. In Kuksel, einem Millitärposten auf 4100m Höhe, übernachtete ich dann. Die Leute waren ganz OK und sind es gewöhnt, dass sich die Radfahrer hier ausruhen.

     
Auf 4730m.ü.M der legendäre Khunjerab Pass

Mo 15. Mai 2000 288. Tag

Kuksel-Khunjerab Pass-sost-Passu 139.35 Km T: 11520.7 Km

Über Nacht gab es 5 cm Neuschnee. Das ergab ein herrliches Bild. Die Strasse war jedoch schnell schneefrei, sodass ich um 9.00 Uhr schon wieder unterwegs war. Nach zwei Stunden Gestrampel war ich auf der Passhöhe angelangt. Der höchste Punkt, den ich je mit dem Rad erreicht hatte! Auf dem Pass waren drei Soldaten, die sehr freundlich waren. So stand ich nun auf 4730 m Höhe. Ein unbeschreibliches Gefühl. Und die Abfahrt, die folgte, war einfach himmlisch. Ich traf einen Japaner, der auf seinem Motorrad hoch zum Pass fuhr und der nun seit neun Monaten unterwegs ist. Wir verabredeten uns in Passu, um gemeinsam zu Abend zu essen.


Dorfbewohner aus Karimabad

Di 16. Mai 2000 289. Tag

Passu-Karimabad 51.14 Km T: 11571.9 Km

Ich schlief mal wieder aus und nahm es am Morgen ganz gelassen. Ich machte mir zum Frühstück einen feinen Porridge mit Aprikosen. Ich hatte gestern Abend getrocknete Aprikosen eingekauft, die ich über Nacht im Wasser einweichte, und heute Morgen waren Sie zuckersüss und zart.

Nach der Kontrolle des Rades, ob noch alle Schrauben dran sind, packte ich meine Sachen und fuhr dann los. Die Strecke kannte ich ja. Ich nahm es gemütlich und genoss diesen herrlichen Tag.

In Karimabad traf ich Andreas, einen Deutschen, der einmal in Australien Früchte pflückte und nun Überland zurück nach Hause fährt. Andreas reist seit dem Mauerfall. Er arbeitet jedes Jahr ein paar Monate als Pflücker, den Rest des Jahres reist er. Es ist schon extrem, wie viele interessante Menschen ich da in Pakistan immer wieder antreffe.

Zusammen mit Andreas begab ich mich ins Mountain Refuge. Dort gab’s einen grossen Garten, in dem ich meine Hängematte ausbreiten konnte. Die Leute sind super drauf. So wurde ich mit selbstgebranntem Schnaps begrüsst, der ganz herrlich schmeckte. Man sagte mir, dass die Ismaelis nicht so fanatisch religiös sind und mehr oder weniger alle trinken. Die Jugendlichen kiffen jedoch eher.

Mi 17. Mai 2000 290. Tag

Karimabad

Ja, weil mir Karimabad so gut gefiel, blieb ich noch einen Tag länger als geplant. Es gab sogar ein kleines Fest, da der Mt. Everest zum erstenmal von einem Pakistaner erklommen werden konnte.


Aga Khan

Do 18. Mai 2000 291. Tag

Karimabad-Gilgit 103.16 Km T: 11675.2 Km

Es fiel mir schwer, Karimabad zu verlasen, um runter in die Wärme zu fahren. Und es war schon hier ziemlich warm. Doch ich musste nach Islamabad, um das Visum zu verlängern. Ja, und ich schwitzte ganz schön bis nach Gilgit. Ich fuhr über zwei Hängebrücken und da war ich dann auch schon in Gilgit. Ich lernte einen Engländer kennen, der für die Aga Khan-Stiftung arbeitet und Lehrer weiterbildet. Er lud mich zum Tee ein. Seine Arbeit ist gar nicht so einfach, da es Leute gibt, die ihm eine Menge Steine in den Weg rollen. Und viele Leute wollen halt nicht, dass ihre Töchter zur Schule gehen.

Ich quartierte mich im Mountain Refuge ein, wo ich einen grossen Garten habe und sehr viel Ruhe.

Fr. 19. Mai 2000 292. Tag

Gilgit

Ich entschied, dass ich noch einen Tag in Gilgit verbringe und releaxte den ganzen Tag. Ich las ein gutes Buch. Am Abend traf ich dann den Engländer wieder, der als Lehrer arbeitet. Es war eine ganze Gruppe von freiwilligen Helfern mit ihm, die aus verschiedenen Länder kommen und für die Aga Khan- oder andere Organisationen arbeiten.

Sa 20. Mai 2000 293. Tag

Gilgit - Islamad

Mein Bus fuhr um 15.00 Uhr ab in Richtung Islamabad. Am nächsten Tag würde ich ankommen. Die Busfahrt war ganz interessant. Man fühlte sich jedoch wie in einem Schüttelbecher. Um 7.00 Uhr kam ich dann am nächsten Tag in Rawalpindi an.


Faisal Moschee

So 21.-31. Mai 2000 294.-304. Tag

Islamabad

Eigentlich dachte ich, dass ich nur schnell nach Islamabad komme und dann wieder in die kühlen Berge verschwinde. Doch es kam freilich anders heraus: Nun, es wurde gerade gestreikt, angeblich schon seit 3 Tagen. Und zwar ging es darum, dass die Läden demnächst eine neue Steuer bezahlen müssen. Zurzeit ist das noch nicht so. Na ja, am Montag lief dann wieder alles wie üblich. Beim Sekretariat hiess es, ich müsse eine Woche warten. Ich beantragte eine Bewilligung für drei Monate, doch der Beamte meinte, es wären maximal zwei möglich. So hiess es nun halt warten. Nun, in der Zwischenzeit schrieb ich Berichte im Internet und an den Abenden genoss ich es im Touristcamp. Ich traf sehr sympathische Leute und wir kochten an den Abenden am Lagerfeuer. Ich staune immer wieder, was ich für super Leute treffe. Da ist die Carmen, die mit dem VW-Bus nach Indien fährt und zwar ganz alleine durch islamische Länder. Und der Engländer, der ein Wikingerboot baut und damit um die Welt fahren will. Er hat schon angefangen, das Boot zu bauen.

Am Samstag ging ich zum Sekretariat, um das Schreiben abzuholen, das mir erlaubt, eine Verlängerung zu machen. Dabei stellte ich fest, dass sie mir nur einen Monat gaben. Nach ein paar Minuten Diskussion mit dem Beamten hiess es, ich müsse nochmals einen Antrag stellen und dann am Montag nochmals vorbeikommen.

Am Montag bekam ich dann die zwei Monate Verlängerung für Pakistan. Mit dem Brief fuhr ich zur Passkontrolle, wo ich denn Pass abgeben musste bis am Nachmittag. Um 14.00 Uhr hatte ich die Verlängerung, und nun war der Papierkram erledigt. Also: So schnell wie möglich wieder nach Norden zu den kühleren Bergen.

Do. 1.Juni 2000 305. Tag

Islamabad-Besham (VW Bus)

Nun ging's doch tatsächlich weiter. Doch diesmal nicht alleine, sondern mit Carmen und ihrem VW Bus und Werner, dem Deutschen mit den roten Rastalocken. Ja, das war mal ein anderes Gefühl, gefahren zu werden. Doch für längere Zeit, das war mir klar, wäre dieses Transportmittel nichts für mich. Dazu liebe ich die frische Luft und das gemütliche Tempo zu sehr. Nach ein paar Stunden Fahrt kamen wir in Besham an. Besham liegt in Kohistan, dem Gebiet, das noch vor nicht allzu langer Zeit als „Triple Area" eingestuft wurde. Ein Gebiet, das also nicht als das sicherste gilt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit Rad hier durchfuhr. Ein zweites Mal möchte ich nicht durch Kohistan fahren. Nun, wir sahen uns um. Im ersten Hotel wollten sie 1800 Rupien (Rp), das sind etwa 33.- Fr, pro Nacht im Doppelzimmer. Das war nicht so unser Budget. Im zweiten handelten wir, und der Preis fror schliesslich ein bei 200 Rp (3.70 Fr.). Als wir uns dann jedoch ein wenig umschauten, fanden wir beim Krankenhaus einen super Campingplatz. Wir fragten das Krankenhauspersonal, ob wir übernachten dürfen. Die Sache war geregelt. Wir (Werner und ich ) stellten die Hängematte auf und Carmen schlief in ihrem gemütlichen VW Bus. Am Abend nahm ich ein Bad im kühlen Bergbach. Später wurden wir auf eine Tasse Tee eingeladen. Der Gastgeber war ein Gentleman, wie er im Buche steht. Als wir schlafen gehen wollten, stellten wir fest, dass Werners Hängematte verschwunden war. Eine Aufregung herrschte, doch der Gentleman kam mit der Taschenlampe herüber, und nach kurzem Suchen fand sich die Hängematte wieder. Nun, wir vermuteten, dass die Kinder uns einen Streich spielen wollten. In der Nacht stürmte es heftig und es war ziemlich kalt. Doch es passierten keine Zwischenfälle mehr.

Fr. 2. Juni 2000 306. Tag

Besham-Gilgit (VW Bus)

Am Morgen war Werner fast durchgefroren. Er hat keinen Schlafsack, und eine Decke war zu wenig. Wir warteten, bis auch Carmenaufwachte. Carmen ist morgens meistens schlecht gelaunt, wie sie uns selbst gestand. An dem muss sie noch ein wenig arbeiten. Doch wenn man ihr ein wenig Zeit lässt, geht's schon. Wir kauften uns Gepäck ein und tranken einen Chai (Tee). Dann ging die lange Fahrt nach Gilgit los. Mir war es langweilig, darum versuchte ich, mich mit einem Buch zu beschäftigen. Auf der Fahrt mussten wir mehrmals anhalten, da der Kühler des alten Busses überhitzte und einen kleine Pause brauchte. Bei einem dieser Stopps vergass Werner seine Sandalen beim Wasserlassen. So kam es, dass er halt barfuss durch Gilgit lief. Ich amüsierte mich köstlich dabei, den grossen Werner mit seinen roten Rastalocken barfuss durch Gilgit trotten zu sehen. Wer hätte gedacht, dass ich zwei Monate später selber die meiste Zeit barfuss gehen würde. In Gilgit campierten wir im Garten des Mountain Refuge.

Sa. 3.- 8. Juni 2000 307.- 312. Tag

Erholsame Tage in Gilgit

Am Samstag kam dann Urs, ein Schweizer, der mit dem eigenen Minibus unterwegs in Gilgit ist. Die Zeit in Gilgit verbrachten wir mit Lesen und Relaxen. Wir sahen mehrere Polo-Trainingsspiele, die ziemlich spektakulär waren.

Fr. 9. Juni 2000 313. Tag

Gilgit- Sangri La Lacke

In Gilgit lernten wir Simon, einen Engländer, kennen. Wir entschieden, gemeinsam nach Skardu zu fahren. So waren wir nun zu viert im VW Bus. Wir wechselten ab und zu die Plätze. Nach einer langen Fahrt waren wir etwa 35 Km von Skardu entfernt. Vor uns war der Sangri La Erholungs Resort. Wir konnten draussen vor einem Restaurant campieren. Als Abendessen gönnten wir uns Reis mit diversem Gemüse, das uns herrlich schmeckte. Der Ort war ruhig und besinnlich.


Am Shangri La Lacke, Skardu

Sa. 10. Juni 2000 314. Tag

Shangri La Lacke- Skardu- Namika

Früh morgens fing es an zu regnen, und da wir (Werner und ich ) keinen Schutz vor dem Regen hatten, hiess es früh aufstehen. Im Restaurant fanden wir Unterschlupf. Als dann endlich alle auf waren, fuhren wir los. Es gab eine Steigung, bei der wir den Bus hochschieben mussten. Dabei verlor dieser seinen Auspuff. In Skardu kauften wir uns eine Blache ein. Dann ging's zu einem See. Der Weg dorthin war bis zur Hälfte der Strecke befahrbar mit dem Bus. Die restlichen drei Km gingen wir zu Fuss. Der Sapara See war an einer herrlichen Lage, umgeben von hohen Bergen. Auf einem Traktor fuhren wir zurück zum Bus. Die Fahrt ging weiter in eines der unzähligen Valleys. An einer bewaldeten Stelle nahe des Flusses stellten wir unser Camp auf. Wir montierten Plastikblachen über die Hängematten die uns vor Regen schützen sollten. Eine grandiose Sache. Wir kochten Gemüsesuppe und gingen hundemüde zu Bett.


Mädchen aus Skardu

So. 11. Juni 2000 315. Tag

Namika- Gilgit

Am Morgen wurden wir umzingelt von dutzenden Dorfkindern. Wir kochten die Resten des Abends auf und brachen das Camp ab. Fast ohne Stopp fuhren wir zurück nach Gilgit, wo wir in der Dunkelheit ankamen.

Mo. 12.- Sa.17. Juni 2000 316.- 321. Tag

Gilgit

In dieser Zeit genoss ich mal, ein wenig zu lesen und zu studieren. Der Garten des Mountain Refuge war ein ausgezeichneter Ort dafür. Ich traf Simone, einen Italiener, der sich ein Jahr zuvor ein Pferd gekauft hatte und der am 7. Juli mit seinem Pferd zum Polo-Turnier reiten wird. Wir unterhielten uns prächtig und Simone wusste sehr gut Bescheid über Nordpakistan.

So 18. Juni 2000 322. Tag

Gilgit- Sher Quila 36.18 Km T:11711.7

Ein heisser und staubiger Tag erwartete mich. Noch müde erhob ich mich aus der Hängematte. Das Zusammenpacken war Routine geworden und ging schnell. 33 Tage ist es nun her, seit ich das letzte Mal auf dem Bike war. So, also höchste Zeit, wieder in die Pedalen zu treten. Dennoch habe ich genügend Zeit. Das Polo-Turnier auf dem Shandur-Pass fängt erst am 7. Juli 2000 an, und bis zum Polofeld sind es etwa 200 km. Nach dem starken Kaffe des Italieners ging’s dann los. Ich kaufte mir zwei Peshewar-Sandalen, da die chinesischen bereits nach zwei Tagen im Eimer waren. Die Strasse wurde eine steinige Angelegenheit. Mehr als 10 Km/h konnte ich keinesfalls fahren, da sonst die Speichen von der Holperei brechen würden. Um 12.00 Uhr war es so heiss, dass ich kurzerhand entschied, ein Bad im eiskalten Fluss zu nehmen. Die Strecke gefiel mir ausserordentlich, sodass sich die Strapazen schon gelohnt haben. In Sher Quila überquerte ich die Brücke und fuhr zur Schule. Dort konnte ich im Schulhof übernachten.

Mo 19. Juni 2000 323. Tag

Sher Quila- Gakuch 42.89 Km T: 11754.6 Km

Die Schulkinder liefen mir noch bis zum Dorfende schreiend nach. Super Leute hier. Ich wurde mehrmals zum Tee eingeladen und selbst die Kinder brachten mir Aprikosen. 10 Km nach Gakuch machte ich Halt. Ich campierte wild im Wäldchen nahe des Flusses. Ich kochte mir Milchreis mit Aprikosen und ging früh zu Bett.

Di 20. Juni 2000 324. Tag

Gakuch- Solfa 29.95 Km T: 11784.7 Km

Ich überquerte die Hängebrücke, die zum Ishkoman Valley führt. Da ich genügend Zeit habe, dachte ich mir, dass sich ein Abstecher lohnen würde. Herrliche grüne Felder, soweit das Auge reicht. Bei zwei Bergbauern fragte ich nach frischem Wasser. Sie brachten gleich noch Salztee und Aprikosen mit. 8 km oder 1 Stunde weiter überquerte ich die zweite Hängebrücke. An einem grünen, gemütlichen Feld machte ich Halt, wusch meine Füsse und ass die Aprikosen. In Chatorkhand wollte ich übernachten. Da der Hotelbesitzer jedoch einen unerhörten Preis dafür verlangte, dass ich draussen schlief, ging ich weiter. Ich kaufte noch ein paar Lebensmittel ein, für die ich alle Läden abklappern musste, bis ich die wenigen Dinge zusammen hatte. Unterwegs pflückte ich Aprikosen vom Baum und ein paar km später machte ich Halt zum Kochen. Natürlich ging es nicht lange, bis eine beträchtliche Anzahl Leute um mich versammelt waren. Ich kochte Gemüse mit Zwiebeln und Ei. Die Leute brachten mir Tee und ich wurde eingeladen, die Nacht hier zu bleiben. Die Leute waren echt genial und sehr freundlich. Es gab ein gutes Brot und wieder richtig währschaftes Essen. Sie luden mich ein, wenn ich von Ishkoman zurück komme, wieder bei ihnen zu übernachten.

Mi 21. Juni 2000 325. Tag

Solfa- Ishkoman 19.04 Km T: 11803.8 Km Das Wetter verschlechterte sich am Abend, sodass ich die Plastikblache aufspannte. So war ich sehr gut vor dem Regen geschützt und wurde morgens nicht gestört von den Kindern. Nach dem Frühstück gab mir Mashroof die Addresse eines Schuldirektors in Ishkoman, wo ich übernachten könne. Und wenn ich zurück komme, solle ich ihn unbedingt wieder Besuchen. Das war Ehrensache. Bevor ich losfur, kontrollierte ich alle Schrauben und schmierte die Kette neu. Der hintere Reifen sieht bereits jetzt übel aus. Hoffentlich macht er es noch bis nach Chitral. Der Weg nach Ishkoman war steinig und steil, mehrmals musste ich darum absteigen und das Rad hochschieben. Keine leichte Übung. Na ja, alles ist möglich, wenn man will. Für die 19 Km brauchte ich 2 Stunden und 20 Minuten. Der Schuldirektor war ein strenger, religiöser Mensch der sehr negativ über die westliche Welt dachte. Ich kann es Ihm nicht übel nehmen. Es stimmt ja auch, dass man im Supermarkt Alkohol einkaufen kann. Dass man denn Alkohol auch in kleinen Mengen geniessen kann und nicht nur in Unmengen reinschüttet, ist den Leuten aber nicht so klar. Nun, es stimmt ja auch, dass es viele Drogensüchtige gibt (Nach Schätzungen gibt es in der Schweiz rund 200'000 Personen mit hoch riskantem Alkoholkonsum und rund 30'000 Heroinabhängige) und dass die Rate der Drogentoten um 16% gestiegen ist in Zürich, also rund 120 Drogentote jährlich in Zürich. Doch deswegen ist nicht die ganze Schweiz drogensüchtig. Es stimmt ja auch, dass die Schweiz ein sehr reiches Land ist. Dennoch ist nicht jeder Millionär und viele Leute haben ein wirklich hartes Leben in der Schweiz. Ja, solche Vorurteile sehe ich immer wieder und ich versuche, die Vorurteile der Leute zu nehmen und Ihnen auch eine andere wahre Seite zu zeigen. Na, mir ist auch klar, dass in der Schweiz viele Leute Vorurteile über dieses Land hier hegen. Selbst in meiner Familie hatte man Bedenken bezüglich Iran und dem muslimischen Pakistan.

Do 22. Juni. 2000 326. Tag

Ishkoman

Ich fand Pfefferminze und liess mir Tee daraus machen. Die Leute kennen das hier nicht. Sie essen die Pfefferminze als Beilage zu Reis. Doch als Tee ist sie ihnen unbekannt. Die Lehrer gingen nachmittags fischen. Ich sah zu, wie sie etwa 2 Kg Fische mit Ihren Netzen aus dem Fluss zogen. Sie würden das jeden Tag machen. Die Fische essen Sie in Öl gebraten als Frühstück, zusammen mit Chapati (Fladenbrot).

Fr 23. Juni 2000 327. Tag

Ishkoman- Treck in die Berge

Mit ein paar Keksen, einem Pullover und einer Wasserflasche marschierte ich los. Bald wurde ich eingeladen auf einen Tee, Aprikosen und zu einem Spiegelei. Es kam eine Stelle, an der ich eine Brücke überqueren sollte. Leider war die Brücke zerstört. So ging ich weiter bis zum nächsten Dorf, wo ich mich in einem Labyrinth und von Dornen umgeben wiederfand. Ein Junge half mir, den Weg zu finden. Die Gegend ist ausgesprochen grün und die Menschen können sich glücklich schätzen, hier zu leben. Ob sie das auch wissen ? Nach mehreren Stunden Marsch war ich müde. Ich war in einem Dorf, wo nur leere Häuser mich begrüssten. Ich suchte nach einer Unterkunft, da die Nächte doch sehr kalt sein würden. Ich entschied, zurück zu gehen. Nach weiteren 30 Minuten fand ich eine Familie: Ein älterer Mann mit zwei Frauen und einem Baby gewährten mir das Nachtlager.

Sa 24. Juni 2000 328. Tag

Zurück nach Ishkoman

Die Nacht verbrachte ich auf dem Heuboden, wo es ziemlich kalt war. Früh wurde ich geweckt vom Alten. Zum Frühstück gab es das gute Brot und Butter. Der Yaktee mundete ausgezeichnet. Meine Füsse schmerzten noch ein wenig, doch schon bald lief ich im schnellen Marsch den Berg runter. Da die Schule über das Wochenende geschlossen hat, konnte ich bei einem Lehrer übernachten. Der verwöhnte mich in seinem Haus wie einen König. Man servierte mir Früchte und währschafte Kost. Ich fühlte mich geborgen und war glücklich.

So 25. Juni 2000 329. Tag.

Ishkoman

Da es mir so gut gefiel, blieb ich noch einen Tag länger. Es war ein Tag, den ich sehr genoss und an dem mal wirklich richtig faulenzen konnte.

Mo 26. Juni 2000 330. Tag

Ishkoman- Sholfa 19 Km T: 11823 Km

Beim Nachpumpen platzte das Ventil des hinteren Schlauches. Wieder ein Schlauch weniger. Der Weg zur Schule war mühsam zu befahren, doch mit Schieben und hochheben ging’s – langsam – weiter. Die eine meiner beiden am Velo montierten Fahnen ist mir abgebrochen. In der Schule reparierte ich sie mit Hilfe eines Holz-Zwischwenstücks. Danach verabschiedete ich mich von meinen Freunden und fuhr los. Nach ein paar Km Fahrt hatte ich einen Platten. Toll: Überall hat es diese Dornen. Nach zwei Stunden Fahrt erreichte ich das Haus „Mashroof's", wo ich herzlich begrüsst wurde und man mich aufnahm.

Di 27. Juni 2000 331. Tag

Sholfa- Gupis 55.79 Km T: 11878.8 Km

Mashroof gab mir die Adressen von zwei Bekannten, die ich besuchen sollte. Doch bevor ich abdüsen konnte, war da noch ein platter Reifen am Vorderrad, den ich reparieren musste. Ja, der Reifen vorne ist nun auch schon ziemlich am Ende, aber es ist immer noch der erste. Kurz vor Gakuch machte ich eine Pause, um Aprikosen zu essen. Nach einer langen, strapazenreichen Fahrt kam ich in Gupis an. Dort suchte ich den Lehrer Aman auf. Einer von Mashroofs Verwandten. Der Lehrer Aman war ein Pantoffelheld. Und seine Frau war ein Hausdrache. Ich sprach nicht viel mit ihm, da wir nicht viel gemeinsam hatten. Ich schlief in meiner Hängematte im Garten.

Mi 28. Juni 2000 332. Tag

Gupis- Noh 12 Km T: 11890 Km

Ich hatte eine schlechte Nacht. Konnte fast nicht schlafen und hatte danach wenig Motivation, Rad zu fahren. So fuhr ich langsam los. Ein paar Km nach Gupis überquerte ich die Hängebrücke, die starke Ähnlichkeit mit der Golden Gate Bridge hatte. Die Strasse wurde asphaltiert. Das hiess zwei Km Superstrasse, doch dann der Alptraum. Dennoch; ich bin wirklich stolz auf die Longlady. Die Bergtauglichkeit hat dieses Radmehr als unter Beweis gestellt. Ich fuhr heute nicht weit. War zu müde. Und einen schönen Garten machte ich Halt, um zu lesen und zu relaxen. Am Abend fragte ich den nächsten Bauern, ob ich in seinem Garten campen könne. Er lud mich ein und brachte Tee und Abendessen. Die Gastfreundschaft ist gewaltig. Echt super, diese Leute.

Do 29. Juni 2000 333. Tag

Noh- Gindai 38.09 Km T: 11928.1 Km

Nach Brot und Tee zentrierte ich das Hinterrad neu. Um 9.30 Uhr fuhr ich weiter. Es ist Schade, dass sie hier eine neue Strasse bauen, da das Valley somit viel von seinem Charme verliert. Das Yasin Valley gefällt mir nicht so wie das Ishkoman Valley. Ich suchte den zweiten Verwandten von Mashroof auf. Doch der war weder im Geschäft noch zu Hause. So fuhr ich Richtung Gupis zurück. Auf der Rückfahrt hatte ich mehrere platte Schläuche zu beklagen. Jemand nahm mich mit auf eine Tasse Tee. Ich habe nun drei Schläuche, bei denen das Ventil undicht ist. Reparieren unmöglich. Nun muss ich schauen, dass ich Schläuche von zu Hause bestellen kann. Da es nun sehr spät war, wurde ich für die Nacht eingeladen. Der Mann war etwa 29 -jährig und verheiratet mit drei Kindern. Zwei Mädchen und ein Knabe. Er war Polospieler, arbeitet jetzt aber und hat keine Zeit mehr für Polo.

Fr. 30. Juni 2000 334. Tag

Gindai- Thingai 36.43 Km T: 11964.53 Km

5.30 Uhr. Zeit zum aufstehen, frühstücken und weiterfahren. Ich staune immer wieder, dass das Essen bei den Leuten so gut ist. Es ist eine Schande, dass man dieses Essen nicht in den Gaststätten bekommt. Dort gibt’s nur öliges Zeug oder westliches, überteuertes Essen. Nach einer Stunde Fahrt erreichte ich die Hängebrücke bei Gupis. 10 Km später erreichte ich den Khalti Lake, wo ich eine kurze Teepause machte. Der hintere Reifen sieht immer schlimmer aus. Überall fehlen Fetzen, und er sieht schon beträchtlich schlimmer aus als der vordere Reifen. Die Bremsklötze sind auch durch. Ja, die Strecke ist hart und das Material wird aufs Härteste getestet. Trotzdem bin ich stolz auf das Rad und kann jedem empfehlen, mit dem Lieger los zu düsen. Wieder musste ich mein Vehikel oft schieben, was sehr anstrengend war. In Thingai sah ich ein schönes Steinhaus, das im Garten zwei Obstbäume hatte. Ich fragte die Leute, ob ich die Nacht im Garten campieren könne. Schnell wurde ich eingeladen. Ich montierte die Hängematte und wusch meine Kleider. Mir gefällt das Leben des Zigeuners richtig gut. Es ist ein einfaches Leben, und ich merke, dass ich immer weniger zum Leben brauche. Was habe ich da schon Zeug weg gegeben, das ich nicht mehr brauche! Ja, die Reise hat mich schon ganz verändert. Fast ein Jahr unterwegs und schon so viel erlebt. Dabei dauert die Reise noch Jahre. Doch ich sehe es gar nicht mehr als eine Reise, sondern mehr als ein Leben, ein geniessen der Zeit, die ich habe und vollkommen nützen kann. Ich bin der Meister meiner eigenen Zeit, kann bestimmen, was ich mit ihr anfangen will. Ich bin kein Sklave mehr, der sich für ein Häufchen verlogenes Glück 40 - 50 Stunden pro Woche abrackert. Und der am Wochenende zu müde ist, Zeit für sich zu geniessen. Ich bin wirklich froh, dass ich diesen kleinen Schritt gemacht habe und mich von der Heimat, Arbeit und dem Geld gelöst habe.

Sa 1. Juli 2000 335. Tag

Thingai- Rawat 17 Km T: 11981.74 Km

Am Morgen fing es an zu regnen. So kroch ich aus dem Schlafsack raus und machte es mir unter der Veranda bequem, wo ich ein wenig weiterschlief. Danach fuhr ich etwa eine Stunde, dann machte ich Halt an einem kleinem Wäldchen nahe am Fluss. Ich kochte Tee und ass ein paar Aprikosen. Ich wurde umringt von neugierigen Kindern, die mir jedoch Waldbeeren brachten. Ich nahm es wirklich gemütlich und so hielt ich nach ein paar weiteren Km Fahrt Rast in einem Garten. Die Leute luden mich auf einen Tee ein und servierten mir Brot, Butter und Lassi (Yoghurtgetränk ). Im Garten spannte ich die Hängematte auf und schrieb Tagebuch.

So 2. Juli 2000 336. Tag

Rawat- Phander Lake 10.14 Km 11991.9 Km

Um 5.30 Uhr stand ich auf. Doch nach dem Ruf der Natur kroch ich wieder in den Schlafsack. Um 7.00 Uhr gab’s ein herrliches Frühstück. Die Strasse wurde heute sehr steil und ich musste ein paar Km stossen. Am Phander Lake machte ich Halt. Ich campierte wild, baute eine Feuerstelle und sammelte Holz. Am Abend kochte ich auf dem Feuer Milchreis. Das schmeckte super.

Mo 3. Juli 2000 337. Tag

Phander Lake- Teru 20.3 Km T: 12012.2 Km

Ich hatte keinen Stress: Nur noch 50 Km und 1000 Höhenmeter bis zum Shandur Pass, und das Polo-Festival fängt erst am 7. Juli 2000 an. So fuhr ich also gemütlich und genüsslich weiter, immer höher. In Teru waren die Leute nicht so freundlich. Mehr aufs Geld fixiert. Dennoch konnte ich in einem Garten schlafen und scherzte mit den Kindern herum.

Di 4. Juli 2000 338. Tag

Teru- Langar Hochebene 20.9 Km T: 12033.2 Km

Die Nacht war ganz schön kalt. Morgens brachte mir jemand Tee, Brot und Spiegelei. Als Ich das Camp abbrach, sah ich einen Reiter näher kommen. Ich wusste, dass ich ihn sehen würde auf dem Weg hoch, doch dass er nun schon hier ist, erstaunte mich dann doch noch. Die Rede ist vom Italiener Simone, den ich in Gilgit das erste mal gesehen hatte. Ich war froh, ihn zu sehen, und wir entschlossen uns, zusammen die letzte Etappe zu machen. Das Tempo war gemächlicher. Wir machten mehrere Pausen, um Tee und Kaffe zu trinken. In der Langar-Hochebene machten wir unser Nachtlager. Wir bekamen Brot und Tee von Strassenarbeitern und kochten dann Reis als Abendessen.

Mi 5. Juli 2000 339. Tag

Langar Hochebene- Shandur Pass 3734m 8.5 Km T: 12041.9

Um 7.00 Uhr stand ich auf und machte frisches Feuer an, um Tee zu kochen. Um 10.00 Uhr hatten wir alles eingepackt und los ging’s. Die ersten zwei Km musste ich schieben, die waren die schwersten Km auf der ganzen Strecke. Danach wurde es flacher und nach weiter paar Km erreichten wir den Pass. Das Gilgit Polizei Polo Team lud uns zum Essen ein. Es war schon einiges los. Es gab Restaurants und sogar einen richtigen Bazar. Und dann hatte ich ein freudiges Wiedersehen mit Claudius Sixtus, einem Deutschen, den ich in Esfahan im Iran vor etwa sechs Monaten zum letzten Mal gesehen hatte. Wir feierten meinen 26. Geburtstag in einem Tee-Zelt und assen zur Feier eine süsse Melone.


Polo Turnier auf dem Shandur Pass auf 3734 m.ü.M

Do 6.- So 9. Juli 2000 340.- 343. Tag

Shandur Pass 3734m- Laspur 17.3 Km T: 12059.2 Km

Spannende Tage auf dem Shandur Pass. Ich traf viele Bekannte Gesichter wieder, die von weit angereist kamen, um das Spektakel zu sehen. Es gab Gerüchte, dass Afghanen kämen, um ihr traditionelles Pferdespiel mit dem Schafskopf zu vollführen. Leider war’s halt nur ein Gerücht. Das Polo Match war spannend, und das, obwohl Chitral alle drei Begegnungen gewonnen hat. Die Chitralies hatten harte Gegner. Mir gefielen auch die Paragleiter, die bei der Landung nicht immer den Polorasen trafen. Am 9. Juli war das letzte Game. Nach dem Match war eine Hektik, denn alle wollten so schnell wie möglich wieder runter nach Gilgit oder Chitral. Ich wartete, bis sich die Lage beruhigte und fuhr dann um 16.00 Uhr ab. Ich campierte wild am Strassenrand.

Mo 10. Juli 2000 344. Tag

Laspur- Archin 6.5 Km T: 12065.7 Km

Ich ass ein Spiegelei und ein Chapati beim ersten Restaurant. In Archin suchte ich nach Milchpulver, dabei lernte ich einen Jungen kennen, der in Karachi arbeitet und der mich einlud, bei ihm zu übernachten. Ich hatte Zeit und so nahm ich die Einladung an. Er zeigte mir sein Dorf und ich war erstaunt, wie viele Wassermühlen sie in diesem kleinen Dorf haben. Stolz war er auf das Polofeld. Jede Woche spielt die Polizei einmal Polo in Archin.

Di 11.- Fr 14. Juli 2000 345.- 348. Tag

Archin- Mastuj 21.4 Km T: 12087.2 Km

Die Gegend auf dieser Seite des Passes ist nicht so grün. Es ist wüstenählicher und war schon bald sehr heiss. Ich hatte drei „Platten" am vorderen Rad. Wird wirklich Zeit, dass die Strassen mal besser werden. In Mastuj nahm mich ein aufdringlicher Junge mit in sein Hotel. Er wollte zuerst 300 Rp. Ich sagte ihm, ich bezahle 20 Rp, wenn ich im Garten auf der Hängematte schlafe. Der Vater war einverstanden. Da war noch Bernard, ein Franzose, der mir sehr gut gefiel und mich dazu brachte, mich noch etwas zu verändern und den Mut dazu zu haben, das zu machen, was ich schon einige Zeit zuvor machen wollte. Nämlich in einer Robe und Barfuss umherzugehen. Wir hatten super Gespräche über Religion und Weltanschauung. Und es war nur wegen dem Franzosen, dass ich so lange in Mastuj blieb. Er hat sein Leben vor 7 Jahren, als er 19 -jährig war, verändert. Seither ist er auf der Suche und auf dem Weg.

Sa 15. Juli 2000 349. Tag

Mastuj- Reshun 56.1 Km T: 12143.3 Km

Nach drei Stunden Fahrt erreichte ich Buni. Dort wurde die Schotterstrasse zu einer guten Asphaltstrasse. Das war ein anderes Fahren. Wieder mal 20 Km/h und ein leises Schnurren der Kette. So gefällt mir das Radfahren schon besser. In Reshun sah ich an der Stalltür eines Hauses „WELCOME" draufgekritzelt. Ich hatte schon sehr gute Erfahrungen gemacht und bis jetzt waren mir an diesen Orten, wo „Welcome" stand, immer nette Leute begegnet. So auch hier. Ich wurde herzlich eingeladen, konnte im Garten meine Hängematte errichten und hatte ein gutes Gespräch mit dem Jungen.

So 16. Juli 2000 350. Tag

Reshun- Chitral 61.6 Km T: 12205 Km

Ich ersetzte die alten Bremsklötze durch neue. Ich fuhr rassig nach Chitral rein und traf dort einen Journalisten aus Riga, Lettland. Das war der erste Lette, den ich nun kenne. Er erzählte mir, was er für einen Stress hatte auf der Polizeistation, wo er sich registrieren lassen musste. Die Polizisten kannten Lettland nicht und Lettland war nun auch nicht auf Ihrer Liste. So nahmen sie an, dass dieser Lette seinen Städtepass vorweist und sie sagten ihm, er solle ihnen nun endlich sagen, aus welchem Land er tatsächlich sei. Ich sandte ein Mail nach Hause, da ich nun dringend Schläuche fürs Hinterrad brauche. Ich habe nur noch zwei Schläuche, die ich brauchen kann. Die anderen sind alle beim Ventil undicht. Ich wusste nicht, ob dieses Mail auch ankommt, da es kein Internet-Cafe war, in dem ich mich befand. Es war nur ein Programm, auf dem man Mails versenden konnte. Am Fluss fand ich ein kleines Wäldchen und neben einem Polopferd machte ich eine Pause. Die Polizei lud mich ein, bei ihnen die Nacht zu verbleiben. So brachte ich das Rad in den Schuppen, wo jemand darauf aufpasste. Barfuss ging ich dann auf Erkundungstrip. Ich traf wieder den Letten und zusammen spazierten wir in der Gegend herum. Die Nacht schlief ich dann im Schuppen.

Mo 17. Juli 2000 351. Tag

Chitral- Gang 39.1 Km T: 12244.2 Km

Ich schlief sehr schlecht. Erstens war ich sehr aufgeregt und zweitens waren zu viele Moskitos unterwegs. Nach dem Frühstück bei der Polizei ging ich zur Registration Office. Die Leute staunten, als ich barfuss rein kam. Als ich dann das Formular ausfüllte, sorgte ich noch für grössere Aufregung. Ich gab als Beruf „Reisender" an und als Adresse in Chitral gab ich die Polizei an. Das verstanden sie nicht gerade. Um 9.00 Uhr war dann der „Bürokrieg" erledigt und ich fuhr zum ersten Mal mit einer Robe Rad. Meine westlichen Kleider verschenkte ich einem Afghanen. Mit Sicherheitsnadeln befestigte ich die Robe an den Enden, sodass sie nicht raufweht im Fahrtwind. Nach ein paar Km Fahrt hatte ich wieder einen Platten, dabei habe ich sogar den Hinterreifen gewechselt. Der alte war voll zerstört. Und nun schon wieder ein Loch. Die Schläuche gehen mir nun langsam aus. Hoffentlich bekam mein Bruder das Mail. Das sah bei diesem Computergeschäft nicht so viel versprechend aus. Auf dem Weg zum Kailasch Valley hatte ich Probleme mit den Kindern, die Steine warfen und mir nachrannten. So entschied ich, die Route zu ändern und fuhr Richtung Lowari Pass. In Fahrt gekommen, wurde ich von einem Einheimischen eingeladen in seinem Garten zu schlafen. Der Mann war sehr nett und versorgte mich ausgezeichnet.


Steinstrasse zum Lowari Pass 

Di 18. Juli 2000 352. Tag

Gang- 10 Km vor dem Lowari Pass auf 2700m 43.4 Km T: 12288.1 Km

Zum Frühstück gab’s Spiegelei mit gerösteten Zwiebeln. Das schmeckte ausgezeichnet. In Dorsch trank ich Tee und Mangojus. 10 Km weiter erreichte ich den Fuss des Lowari Passes. Von nun an ging’s hoch. Die Strasse war gut asphaltiert. Doch die Steigungen waren enorm. Bis auf einer Höhe von 2250m war die Strasse asphaltiert dann kam eine Steinpiste, die sehr schwer zu befahren war. Hier auf diesem Pass herrscht viel Verkehr und das war nicht immer so angenehm. Ich musste viel schieben. Und dann fing’s noch an zu regnen, und zwar in Strömen. Ich war voll im Regen. Unter einem Baum suchte ich Schutz. Nach ein paar Minuten kam ein Laster, den ich anhielt. Der nahm mich mit einen Km weit bis zum nächsten Chai shop. Dort verbrachte ich die Nacht. Am Feuer liess ich die Robe trocknen.

Mi 19. Juli 2000 353. Tag

Vor dem Pass- Seri 58.8 Km T: 12346.9 Km

Den ersten Platten hatte ich nach ein paar Km. Bis ich auf dem Pass war, hatte ich den zweiten Platten repariert. Auf dem Lowari Pass (3200m) traf ich zwei Holländer, die ihr Bike mit dem Jeep hochfahren liessen. Ich genoss den Pass und war erleichtert, den Gipfel erreicht zu haben. Doch die Abfahrt konnte ich nicht geniessen. Immer wieder hatte ich einen Platten; bis am Abend waren es zehn! Die Ursache fand ich am nächsten Tag heraus. In Serei hatte jemand Erbarmen mit mir und nahm mich mit zu sich nach Hause. Der Mann hatte zwei Frauen und 6 Kinder. Nächstes Jahr, so sagte er, Inshallah habe er vier Frauen. Der Mann war Mediziner. Na ja, der Titel „Tabletten- und Spritzendoktor" wäre besser geeignet gewesen.

Do 20. Juli 2000 354. Tag

Seri Ruhetag

Der Mann lud mich ein, noch einen Tag länger zu bleiben. Das war eine gute Idee, so konnte ich den Platten reparieren und mir Zeit lassen, um die Ursache der vielen Platten herausfinden: Das Felgenband hatte sich ein wenig verschoben, und so drückte das Metall an den Schlauch. Mit der Reibung und dem Druck gab es Löcher. So klebte ich Isolationsklebeband um die Felge zum Schutz der Schläuche. Dann lief ich barfuss 4 Km zum Medical Shop. Dort sah ich mich im Bazar um und kaufte ein Stück Stoff für eine zweite Robe, die einen dünneren Stoff hat und somit bei der heissen Temperatur angenehmer zu tragen ist.

Fr 21. Juli 2000 355. Tag

Seri- Nassafa 75.8 Km T: 12422.8 Km

Die Gegend gefällt mir sehr gut, doch die Kinder sind schlimm. Kein Respekt, und so wurde ich ein paarmal beworfen. Ich hielt an und verwüstete einen Zwiebelstand, an dem mich die Kinder bewarfen. Ich warf die Zwiebelsäcke 10m runter ins Tal und zertrümmerte Zwiebeln mit einem Stein. Nun, nicht das ihr denkt, dass ich das immer so mache, doch nach der x-ten Zwiebel, die mir nachgeschossen wurde, war ich einfach stinksauer. In einem Dorf wurde ich erneut beworfen. Wieder hielt ich an, ging zum Zwiebelstand. Dort waren mehrere ältere Leute. Ich begrüsste die Leute freundlich, nahm ein paar Zwiebeln und bewarf den Jungen, der mich zuvor beworfen hatte. Die älteren Leute sagten kein Wort sondern arbeiteten einfach weiter. Ich unterhielt mich mit einem etwa 35-Jährigen über die Verhältnisse mit den Steine oder Zwiebeln werfenden Kindern. Ich bin der Ansicht, dass die respektlosen Kindern zu noch schlimmeren Erwachsenen werden, die man gar nicht mehr kontrollieren kann. Er meinte nur – auf die Asiatische Art –, die würden sich ändern, wenn Sie erwachsen werden. Nun, ich hoffe, dass ich Unrecht habe und dass die Kinder sich zu besseren Erwachsenen verändern. Tatsache ist, dass die Kinder in den Bergen freundlicher waren und ich hatte das Gefühl, sie waren auch gebildeter. Mir fiel auf, dass Coca-Cola das einheimische „Shezan" (Mango Getränk) schon fast vom Markt verdrängt hat. Sehr schade, wenn dieses erfrischende Getränk verschwinden würde. Doch ich denke, das ist nur eine Frage der Zeit, da jetzt schon in manchen Orten ausschliesslich die Produkte des amerikanischen Getränkeherstellers verkauft werden. In Nassafa fand ich einen Platz zum übernachten – im Government Resthouse. Hier im Fachland, wo es mehrheitlich Suni's gibt, ist es schwerer, eine Übernachtung zu finden. Die Leute sind ablehnender.

Sa 22. Juli 2000 356. Tag

Nassafa- Bat Khela 27 Km T : 12449.8 Km

Wieder einmal hatte ich Probleme mit dem Magen. Ich musste die ganze Nacht aufs Klo. Früh morgens wurde ich vom Regen geweckt. Schnell brach ich das Camp ab. Um 8.00 Uhr war der Regen dann vorbei. Ja, das war ein kurzer, aber sehr heftiger Regen gewesen. Ich fuhr dann los und kam bis Bat Kehla, wo es wieder anfing zu regnen. Da es so aussah, als würde es länger dauern, liess ich eine Filmrolle entwickeln. Und da es nach einer Stunde noch immer nicht aufgehört hatte, liess ich von dem entwickelten Film noch Kopien anfertigen. Und dann regnete es noch immer. So schrieb ich Tagebuch und sortierte ein paar Sachen aus. Und noch immer regnete es. Ja, und so unterhielt ich mich mit einigen Verrückten. Einer glaubte, ich wäre ein Geheimagent. Da ich ohne Schuhe und in einer Robe und mit einem Kreuz um den Hals herumlaufe, war ich für ihn verdächtig. Was meine Mission sei. Ja, ich wäre auf der Suche nach dem magischen Ring von Dschingis Khan. Er möchte wissen, ob ich einen Pass und ein gültiges Visum habe. –Ja, einen Pass habe ich, und auch ein Visum, sonst wäre ich nicht in Pakistan. Er wollte meinen Pass sehen. –Ja, denkst Du, ich zeige da jedem herumlaufenden Paranoiden meinen Pass? Dann sah er meine Photos. Er will diese also sehen. –Nun, mein Freund, diese Bilder sind mein privates Eigentum, und ich erlaube Dir nicht, diese anzusehen. Und so weiter und so fort. Das ging etwa eine Stunde so. Dann hatte ich genug und verabschiedete mich von dem Verrückten, allzu neugierigen Typen. Da es immer noch regnete und es schon beinahe 18.00 Uhr war, blieb ich in Bat Khela hängen. Ich nahm ein Hotelzimmer und besichtigte die Stadt ein wenig. Da ich immer noch Magenprobleme hatte, war ich auch oft auf dem Klo. Die Nacht war darum ein einziger Gang zum Klo und zurück.

So 23. Juli 2000 357. Tag

Bat Khela- Mardan- Nowshera 86.3 Km T : 12536.1 Km

Nach mehreren Portionen Griesspudding verliess ich den Ort der Verrückten. Der Verkehr war schrecklich. Die kümmern sich nicht um die anderen Verkehrsteilnehmer, ja, auf der Strasse herrscht Krieg und man spürt die negative Energie. Am Abend bin ich immer sehr schlecht aufgelegt, und es ist wirklich schwer, sich zu entladen und mit positiven Eindrücken zu motivieren. Das Umfeld ist herrlich. Grossartige Berglandschaft, und ich überquerte einen Pass, bevor es dann endgültig aus den Bergen raus ging. In Mardan fand ich ein Internet Café, wo ich meinem Bruder ein zweites e-mail sandte. Da ich nicht sicher war, ob er die Bestellung auch bekommen hatte. Ich sah aber, dass es geklappt hatte und er die Sachen schon bestellt hatte. Die Leute waren super nett und brachten mir Bananen, Tee und ein Brötchen zum essen, während ich das Netz benützte. Die Strasse war ein wenig ruhiger bis nach Nowshera. In Nowshera ging ich in einen Supermarkt, wo mich einer ansprach. Er fragte die üblichen Sachen. Dann gestand er, dass er mich zuerst gar nicht ansprechen wollte (na, wieder so ein Penner, keine Schuhe und ein einfaches Gewand) bis er das Kreuz um meinen Hals sah. Ja, er wäre auch Christ und so lud er mich ein. Wir gingen zuerst zu seinem Bruder, der Priester und Dämonenaustreiber war. Der erzählte mir, dass vor ein paar Jahren ein Deutscher mit einem Rad hierher gekommen war. Er trug eine Robe, lief barfuss hatte ein Kreuz um den Hals, lange Haare und einen Bart. Ich war platt. Ausser den langen Haaren und dass ich aus der Schweiz kam, hätte er eine Beschreibung von mir machen können. Sowas! Nun, der Priester erzählte mir von seinem Leben und wie er die Dämonen von vielen Leuten ausgetrieben hatte. Ein sehr sympathischer und freundlicher Mann. Am Abend fuhren wir mit dem Rad zu seinem Bruder, wo ich übernachten konnte.

Mo 24. Juli 2000 358. Tag

Nowshera- Habin Abdal 70.6 Km T: 12608.9 Km

Die Leute waren sehr grosszügig. Und ich musste nach mehreren Verneinungen der Frau die Erlaubnis geben, mir einen Stoff zu besorgen, um ein zweites Gewand zu nähen. Nach einer halben Stunde kam sie mit einem braunen, wollenen Stoff zurück. So hatte ich nun ein zweites Gewand. Ich zog es an und verabschiedete mich bei meiner neuen Familie. Ich fuhr zum Haus des Paters. Dort gab ich ihm meine Adresse. Zusammen beteten wir, und er lies noch ein Bild machen. Dann fuhr ich los. Es war nun schon sehr heiss, und ich schwitzte enorm. Der Magen war wieder gut. Um 12.00 Uhr machte ich eine zweistündige Pause. Ich trank fünf Shezan's und schlief ein wenig. Die Strasse hier möchte ich nicht mehr fahren. Zu viele verrückte Selbstmörder, die mit ihrem rücksichtslosen Stil nur noch andere zu Grabe fahren. Ein Junge wollte ein Spielchen spielen. Er verfolgte mich, überholte und wurde langsamer, um mich wieder vorzulassen. Das Spiel fand er offenbar schlicht genial. Na ja, ich war nicht sehr angetan davon. Dafür war der Verkehr schon schlimm genug. So dachte ich mir: „Du willst spielen. Aber nun spielen wir ein anderes Spiel." So verfolgte ich ihn. Das passte ihm nicht. Er hielt an. Ich auch. Er kam auf mich zu und wollte, dass ich verschwinde. Ich verschränkte meine Arme und sah ihm direkt und mit einem starren Blick in die Augen. Er griff an meinen Arm und versuchte, mich weg zu bewegen. Beim dritten Mal versuchte ich, ihn zu packen. Dann stieg er wieder auf sein Rad. Ich sah ihm an, dass er keine Lust mehr hatte zu spielen. Er fuhr nun 25 Km pro Stunde und merkte, dass ich einfach schneller bin. So hielt er an. Nun sah ich seine Angst in seinen Augen. Doch ich wollte ihm eine Lehre erteilen, die er so schnell nicht vergisst. So verfolgte ich ihn bis nach Hause. Und ich bin mir sicher, dass der Junge eine Zeit lang keinen mehr verfolgen wird. Ich hatte jedoch kein Glück, diese Nacht einen Ort zum übernachten zu finden. In dem Ort, wo ich war, nahm kein einziger mich auf. So fuhr ich weiter. Kein freundlicher Ort, dachte ich mir. Die würden nicht mal Mohammed, ihren Propheten, reinlassen. So schlief ich in einem Truckerstopp. Ich ass zwei Chapatis mit einer Mangomarmelade, die ich von der Familie, bei der ich letzte Nacht geschlafen hatte, geschenkt bekommen hatte. Dazu trank ich Tee. Ich unterhielt mich während dem Essen mit dem Besitzer, der ganz OK schien. Ich bezahlte und steckte das Geld in eine Seitentasche. Später entdeckte ich, dass jemand das Geld nahm, als ich kurz auf dem Klo war. Ich sagte es dem Besitzer, der mir den Betrag wieder gab, der fehlte. Nun, ich versuchte zu schlafen. Ich versuchte es bis 2 Uhr. Ja, müde war ich, doch die Angestellten kannten keine Rücksicht. So lief die Musik in gnadenloser Lautstärke und die Leute sprachen in enormer Lautstärke. So stand ich auf und setzte mich neben die Angestellten. Ich schaute Sie 10 Minuten lang reglos an. Dann stand ich auf. Und einen Schweizer wütend zu sehen ist nichts angenehmes. Ich verjagte Sie. Alle ausser einen. Der war ein zäher Hund. Ich dachte mir, der wird bloss aufpassen und ruhig sein. Doch der wollte nicht ruhig sein. Er schaltete das Radio wieder ein und fing um 2.30 morgens an, den Boden zu fegen. JETZT reich es. Wenn du nicht sofort ruhig bist, hole ich meine Kalaschnikow heraus und werde diesen Ort ...... 3.00 Uhr, na endlich Ruhe. Danke für Ihr Verständnis.

Di 25. Juli 2000 359. Tag

Habin Abdal- Islamabad 62 Km T: 12671.2 Km

Das war eine wahrlich kurze Nacht. Und grinsend kamen die Übeltäter morgens an meinen Tisch. Ja ja, da seid ihr nun schadenfroh. Ich ass das Gleiche wie zu abend. Das Rad kontrollierte ich, zentrierte die Speichen neu und reinigte und ölte die Kette. Dann wusch ich mich von Kopf bis Fuss. Und nun war es Zeit zu gehen. Tschüss Kinder. Das nächste Mal ein wenig leiser. Ihr wisst ja, die Schweizer sind fast genauso wie die Talibans. Na ja, stimmt doch irgendwie ja auch. Jede Familie hat hier eine Feuerwaffe zu Hause. Und die Waffenindustrie der Schweizer ist weltbekannt. Ich hatte ein stündiges Gespräch mit einem Pakistaner, der über Religion was wissen wollte. Die restlichen 50 Km nach Islamabad fuhr ich ohne Halt. Es war wie ein nach Hause kommen. Zurück in Islamabad. Und Freunde waren ja auch schon hier. Claudius und Lilian und viele kamen noch ein paar Tage später.

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