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Reisebericht Schweiz-Italien

Schweiz


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Mo 2. August 1999 1.Tag

Kloten-Winterthur-Wil-Gossau-St.Gallen 84.8 Km T:84.8 Km

Die letzten Tage vor der Reise waren nochmals mit viel Stress verbunden. Einen Tag vorher habe ich meine ganze Ausrüstung zusammengestellt, gepackt und gewogen. Bei der Kontrolle des Tachometers gab das gute Stück seinen Geist auf. Dabei hatten wir gute 12000 km gemeinsam durchgeradelt. So musste ich am ersten Tag noch einen Tacho besorgen und das an einem Montag. Zuerst jedoch verabschiedete ich mich von meinen Eltern, meinen Brüdern und Kollegen.

Um 12.00 Uhr ging es dann "endlich" los. Das war eine Freude, wieder eine Reise mit meinem lieb gewonnen Liegerad zu starten. Nun mussten wir das Tacho- Problem lösen. So fuhr ich nach Winterthur. Zum Glück war Markus von der "Fateba" (Die Firma die meine Longlady entwickelt hat) im Veloladen (normalerweise Montags geschlossen) so konnte er mir einen neuen Tacho installieren dabei stellte er fest das der eine Bidonhalter gebrochen war.

Um 14.20 ging es dann weiter nonstop bis nach Gossau von dort rief ich meinen Bruder Christian an. Da wir um 18.30 in Egersriet abgemacht hatten und es schon 18.15 war fuhr ich nur bis nach St.Gallen, wo ich meinen Bruder traf. Von dort fuhren wir in zu einem gemütlichen Restaurant. Nach dem Essen genehmigte ich mir ein Bad im 30° warmen Wasser. So ging der erste Tag doch noch gemütlich zu Ende.

Di 3.August.1999 2.Tag

St.Gallen-Rorschach-Buchs-Weite 84.60 Km T:169.5 Km

Nach dem Lauftraining fuhr mich Rita (meine Schwägerin) nach St.Gallen. Dort traf ich bei der Galifa Christian, der mir die harten Linsen besser anpasste. Nach dem Mittagessen ging's ca. 7 Km auf einer super Abfahrt runter nach Rorschach. mit 52.5 Km/h fuhr ich runter echt genial als wäre man ein Leichtflugzeug. Aber das war der Höhepunkt dieses Tages. Der Rest der Strecke war flach und langweilig; mit der Mundharmonika machte ich die Strecke erträglicher. In Weite kaufte ich beim "Sri Lankesen" noch ein paar Lebensmittel ein. Es gab Zwiebeln, Reis, Mango aus der Dose und 2 Fruchtgetränke. Damit beladen suchte ich die nächste Feuerstelle wo ich das Zeugs zusammenmischte, um daraus das beste zu machen (Die Hälfte warf ich weg, war zu ungeniessbar, da muss ich noch lernen).

Mi 4.August.1999 3.Tag

Weite-Sargans-Landquart-Klosters-Davos 75 Km T:244.5 Km

Die Nacht schlief ich sehr unruhig in meiner Hängematte. Bei jedem Geräusch erwachte ich (Es hatte unzählige Geräusche). Ich muss da noch meine Sinne schärfen. Müde fuhr ich danach nach Bad Ragaz, wo ich meinen früheren Optik- Lehrer Hr. Neukom traf. Hiermit einen Gruss an Hr. Neukom. Es ging stetig hinauf von 500m auf 1100m. In Klosters machte ich eine kleine Pause, ass ein Birchermüesli und schaute mir kurz das Dörfchen an. Nun lag noch ein Pass vor mir (1600m), den ich mühsam hoch kroch mit 7-8 Km/h. Unterwegs traf ich 2 hübsche Chinesinnen und 2 Engländer, die mit 2 Cabriolets eine Reise machten. Sie luden mich zum Picknick ein. Danke Leute! Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass es nicht so leicht ist, mit einem 32 Kg beladenen Liegerad einen Berg hinauf zu kriechen. Da kommen solche Picknicks gerade recht. Am Pass angelangt traf ich Liebrich. Wir tranken was und dann ging's zu der Ferienwohnung. Nach einer Dusche "das war ein Traum" gingen wir in ein 4 Sternchen Hotel zum Abendessen. Es wurde ein herrlicher Abend: Super Gespräche, ein gutes Essen; ja was will man noch mehr ? Danach ging's in ein Pub und dort traf ich drei Kollegen von Kloten (was für ein Zufall).

Do 5.August.1999 4.Tag

Davos-Tiefencastel-Thusis-Andeer 57.90 Km T:302.5 Km

Ich hatte mich durch die Sonne am Nacken verbrannt und es brannte wie verrückt. Da halfen auch div. Crèmen nicht viel. So schlief ich diese Nacht sehr unruhig. Am Morgen suchte ich Sporthalle auf, wo ich meine Runden lief. Danach fühlte ich mich, als würde ich bei jedem Schritt ein bisschen schweben. Nach der Verabschiedung und den dazu gehörenden Photos ging's dann weiter. Heute, das wusste ich jetzt schon, würde es nichts werden mit einem neuem Km-Tageshöchstand. Das war aber auch egal, da ich sowieso genug Zeit bis nach Locarno hatte. So ging's von 1500m runter auf 800m und dann wieder hoch auf 1000m. In Andeer im Camping übernachtete ich dann. Als es anfing zu stürmen, zeigte es sich von Vorteil, dass ich das Massenlager wählte.

Fr 6.August.1999 5.Tag

Andeer-San Bernardino Pass-Belinzona-Locarno 115.52 Km T:418 Km

Früh Morgens war ich hellwach. So ging's bereits um 8.30 dem Pass entgegen, von 1000m auf 2068m. Um 12.30 stand ich oben am Pass, ausser mir vor Glück und ohne Atem. Nach dem offiziellen Passphoto flitzte ich mit bis zu 70 Km/h den Pass hinunter. Ein Gefühl, als wäre man ein Vogel überfiel mich.

Am Abend traf ich in Locarno ein. Dort fand zurzeit das 52. internationale Filmfestival statt. Ich war schwer am überlegen, ob ich den Film um 23.00 anschauen sollte, ich entschied mich dann aber doch auf die Möglichkeit, am "Swisscom"- Stand gratis aufs Netz zu gehen. Ich bekam sogar noch eine internationale Telephonkarte im Wert von 10.- Fr. geschenkt. Danke!

An der Bar neben dem Stand lernte ich ein sehr nettes Pärchen kennen, das mich für den Rest des Abends einlud. Er war Ingenieur und ihm gehören ein paar Firmen in Indien, Pakistan und weiteren Ländern. Um ca. 22.45 Uhr fing es plötzlich an zu stürmen und strömender Regen ergoss sich über die Piazza Grande. Es folgte ein Feuerwerk an Blitzen und Donnern, wie ich es bisher noch nie in meinem Leben erlebt habe. Ich konnte gerade noch die „Long Lady“ in meine Überlebensdecke einhüllen. Diese Decke werde ich später noch einige male brauchen. Es ist ein wertvolles Ausrüstungsaccessoire. Nun; wo soll ich jetzt schlafen? Die Hängematte war nicht zu gebrauchen bei diesem Unwetter. Ach, wie beneidete ich die anderen Leute, die jetzt ein Dach über Ihren Köpfen hatten. Ich suchte wie ein armer Bettler die Strassen ab. Und ich wurde fündig: Ein dunkler, miefender Hauseingang war heute Nacht mein zu Hause. Auch so etwas gehört beim Reisen eben irgendwie dazu. Diese Nacht werde ich nicht so schnell vergessen. Die Stoppuhr meines Herzfrequenzmessers lief auch noch, und so piepste es alle 70 und 90 sec. ein oder zwei mal. Das Dumme war, dass der Herzfrequenzmesser irgendwo in den Taschen war und ich keine Lust hatte, dort rum zu wühlen.

Sa/So 7/8. August 1999 6/7 Tag

Ruhetage

Da ich nicht sonderlich gut schlief (kann man sich vielleicht vorstellen), versuchte ich mich wenigstens teilweise auszuruhen. Das gelang jedoch nicht, wie ich wollte. Zuerst wusste ich, das ich heute mein Lauftraining haben würde. So wurde zuerst ein Hotel mit Parkplatz gesucht. War kein Problem. Dort zog ich mich um und ging für ¾ h laufen, alles der Promenade entlang. Phantastisch, wenn nicht die stechenden Rückenschmerzen gewesen wären (woher die wohl kommen ?) Ich suchte mir danach am Ufer ein Plätzchen im Schatten, wo ich mich hinlegte. In meinem Traum war ich in einem Hühnerstall, wo eine fette Henne die ganze Zeit gackerte. Schweissgebadet erwachte ich und stellte fest, dass die Wirklichkeit nicht viel anders aussah. „Ich will doch nur ein wenig schlafen", dachte ich mir. So versuchte ich es woanders, aber kaum hatte ich die Seile für meine Hängematte ausgebreitet, rief ein junger Schnüffler, „Du willsch aber nöd dieni Wäscheleine da uf spanne !?!" (Eigentlich doch!) 3. Versuch. Ganz schnell nur cool bleiben, zwei Minuten, und die Hängematte hing. Niemand gesehen? Doch. Nun, jetzt war ich vor Ärger nicht mehr müde.

Um 19.00 Uhr traf ich dann die Kollegen, mit denen ich verabredet war (Vreni, Claudia, Sven) in Orselina, oberhalb von Locarno. Ich lag auf dem Rasen, als Sie eintrafen. Jetzt war ich schon sehr müde und war froh, dass ich mich duschen und rasieren konnte. So um 20 Uhr traf dann Hansueli, mein ältester Bruder, mit dem Motorrad ein. Sven (sorry, Sven, ich schreibe nur die Wahrheit) versuchte sich am Grill. Ich spare die Einzelheiten, doch entweder war die eine Seite verbrannt oder das Fleisch noch nicht durchgebraten. Entweder zu früh oder zu spät auf dem Tisch. Wir hatten unseren Spass, und eines ist klar: Sven, ich gebe Dir noch eine Chance. Vielleicht in 5 oder 10 Jahren, wenn wir uns wieder sehen. Kaputt, schlaff und erschöpft ging ich zu oder vielmehr kroch ich ins Bett.

Am Sonntag gingen wir gemütlich spazieren. Und ich bekam noch den Pass mit dem iranischen Visum. Am Abend hiess es kurz und schmerzlos „Goodbye, see you“.

Italien


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Mo 9.August 1999 8.Tag

Locarno-Intra-Novara 146.49 Km T:576.8 Km

Das Wetter wäre für Motorradfahrer nichts gewesen, doch als Radfahrer war es echt super: Ein wenig Schauer, was sehr angenehm war. So verliess ich die Schweiz nach 20 Km Fahrt. Es war ein Sprung, der mehr innerlich stattfand, eine Trennung von den gewohnten Dinge des Alltags. Mein Weg führte in eine für mich noch ungewisse Zukunft. Was wird mich all diese Jahre, die noch kommen, erwarten? Werde ich stark genug sein, allen diesen neuen Belastungen, ja Herausforderungen Stand zu halten? Werde ich auch bei einem Unfall das Richtige entscheiden? Wie werde ich mich in anderen Kulturen zurechtfinden? Viele Fragen, und die Antworten werden folgen.

Der Italienische Zöllner fragte ob ich was zu verzollen hätte. Nein. So war die Gepäckkontrolle beendet. Ich wollte gerne einen Ausreisestempel. Der Zöllner nahm meinen Pass, sah die Visa und sagte laut, während er den Kopf schüttelt: „Pakistan, Iran“.

Ein wenig weiter machte es "Baff", und die Luft des hinteren Reifens war raus. Nicht weit war eine Bedachung unter der ich den Schaden inspizierte. Nicht weiter schlimm. 20 Minuten später geht’s weiter.

In Novara durfte ich meine Lady bei einem Bauern unterstellen, während ich eine Stunde laufen ging. Heute wollte ich mir eine Pizza gönnen. So ging ich in die nächste Pizzeria, wo ich für 30.- SFr. zwei grosse Biere, eine sehr grosse Vegipizza und als Dessert einen Grappa bekam. Später suchte ich eine Wiese zum Schlafen (gar nicht so leicht, denn die Italiener verzäunen alles). Schlafen konnte ich nicht besonders gut, weil es viele Mücken gab.

Di 10.August 1999 9.Tag

Novara- Alessandria 103.63 Km T:680.5 Km

Irgendwo in einer Raststätte hielt ich mich mehrere Stunden auf. Ich rasierte mich, trank etwas und schrieb in mein Tagebuch. Ich war nicht so fit, da ich nicht so gut geschlafen hatte. Die Strasse war flach es war heiss. Und während zwanzig Kilometern hatte ich nur Gegenwind, so dass ich mit 15 Km/h herumkroch. Ich gab die Hoffnung auf, heute noch Genua zu erreichen. Ich war auch zu müde. Auf den Hügeln suchte ich mein Glück. Nach zwei Absagen fand ich dann eine Ruine, in der ich meine Hängematte errichtete. Die Italiener müssen hier sehr misstrauisch sein, vielerorts sah ich sogar einzelne Bäume umzäunt, wozu das gut sein soll blieb mir ein Rätsel. Auf jeden Fall macht es das wilde Campen sehr schwierig. Und genau das ist es, was ich so sehr liebe: Einfach in der Natur die Nacht zu verbringen. Abend ass ich ein wenig Müsli. War sehr gut. Und dann fing es wieder einmal an zu stürmen, blitzen und donnern.

Mi 11.August 1999 10.Tag

Alessandria- Genova- Ciàvari 114.03 Km T:794.6 Km

Nach dem Lauftraining bemerkte ich, dass meine Mütze fehlte. So kaufte ich mir im nächsten Ort eine neue. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich und gefiel mir sehr gut. Es ging rauf und runter und überall blühte es in diversen Farben. Um halb eins sah ich die partielle Sonnenfinsternis. Es war sehr eindrücklich; man merkte auch, dass es ein paar Grad kälter wurde. Wie gerne hätte ich das Auge der totalen Sonnenfinsternis gesehen! Ich machte mir später ein gemütliches Picknick mit Tomaten, Mozarella, Oliven und Brot. In Genua, einer typischen Hafenstadt ohne viel Charme, wurde ich von einem Typen auf einer Vespa angesprochen. Er war Reporter und wollte einen Artikel schreiben. So knipste er ein paar Photos, fragte nach Name und Alter etc. etc.. Ich kroch die Serpentinen hoch und flitzte sie danach wieder runter, immer dem Meer entlang. Die Strecke war super! Mit den Leuten fand ich mich noch nicht so zurecht. Einerseits sind sehr laut, geben sich dann aber wieder misstrauisch und distanziert. Vielleicht, so dachte ich, haben sie genug von den Touristen, die hier jetzt ihr Unwesen treiben. Die Nacht verbrachte ich im Aufenthaltsraum eines Campingplatzes, da es wieder einmal regnete.

Do 12.August 1999 11.Tag

Ciàvari- Passo di Bracco-Lerici 86.42 Km T:881.2 Km

Heute war das Wetter nicht ganz ideal, die Wolken hingen tief und schwarz. Und nach nur 5 Km ging’s hoch und immer höher, ich glaubte, es würde nie mehr aufhören. Ja, von null auf 615m ist sehr anstrengend. Und auf dem Pass war die Aussicht auch nicht so wie erwartet, da es vor gut einem Jahr einen Waldbrand gegeben hatte, so dass man nur vereinzelt Grünflächen sah. Die Abfahrt war dafür das Non plus ultra. Mit 52.5 km/h geht was ab! Ich habe mir angewöhnt, am Mittag eine Rast einzulegen, während der ich Tagebuch schreibe, esse oder schlafe. Im Supermarkt kaufte ich Tagliatelle, eine Sauce und Grappa. Das bereitete ich im Camping zu. Ich musste in der Garage übernachten, da es, na was wohl, regnete.


Pisa

Fr 13.August 1999 12.Tag

Lerici-Pisa- Livorno- Montenero 120.86 Km T:1002.2 Km

Um 6.00 Uhr stand ich auf, ging eine Stunde laufen und schwomm noch ein paar Runden im Meer. Das Wasser war echt super! Schön warm. Es war herrlich, so früh zu baden. Die Strasse war eben und so kam ich sehr gut vorwärts. Um 12.00 schlief ich dann im Schatten einer Palme und genoss das neue Leben in vollen Zügen. Herrlich, diese Wanderschaft. Die ersten 1000 Km („Hurra!!") sind geschafft.

Klar, dass ich das feiern wollte. So ging ich in ein feines Lokal, bestellte gemischten Salat, Pizza quattro Formaggi und einen roten "Toscaner" (Wein). Ich bekam einen grünen Salat ohne Sauce. Zwei Minuten später flog die Pizza an den Tisch. Das erste Lächeln verschwand in meinem Gesicht, als ich den Salat runter gewürgt hatte, denn nun war die Pizza nur noch lauwarm. Einen Bissen, und weil ich es nicht glauben konnte, noch einen von der anderen Ecke. Nun, man musste kein Gastrokritiker sein, um schmecken zu können, dass darauf ein Schmelzkäse der billigsten Sorte war. Pagare!!! 25.000 Lira! Zwei Minuten, und ich war Meilen entfernt. Die nächste Pizzeria war deutlich besser. Dort nahm ich eine Vegi Pizza zum Take away. Auf dem Parkplatz der Pizzeria ass ich dieses herrliche Mahl. Ich unterhielt mich, so gut es ging (auf Italienisch, Französisch) mit dem jungen Parkwächter. Der war ein lustiger Typ. Er hatte sieben Jahre in Sizilien verlebt und dort eine kleine Farm gehabt. Nun zieht er umher, verbringt ein paar Jahre dort, ein paar Jahre woanders. Diese Nacht, war klar, würde ich auf diesem Parkplatz verbringen.


Hafen von Elba

Sa 14.August 1999 13.Tag

Montenero- Cécina- Piombino- Elba 108.77 Km T:1111 Km

Um 6.30 Uhr stand ich auf, machte die Lady klar und fuhr nach Süden. Die ersten 35 Km vergingen wie im Flug, doch dann hatte ich mich in Cécina so extrem verfahren, dass ich mehrmals die gleiche Strasse passierte. Ich dachte schon, dass ich nicht mehr aus Cécina heraus finde. Die meisten Wege führten auf die Schnellstrasse Aurellia SS1 wo es 1. verboten ist mit dem Rad zu fahren und 2. sowieso nicht spannend. Aus noch ungeklärten Gründen schaffte ich es dann doch noch. 15 Km weiter verfuhr ich mich schon wieder. Diesmal führte die Strasse direkt zum Strand, und dort wollte ich nicht hin. Bei Km 1066 knallte es und die Bescherung war, dass der Pneu im Eimer war. Der Schlauch hatte ein Loch, das ich ohne weiteres reparieren konnte. Pombino ist eine hässliche Hafenstadt. Ich begab mich darum sofort zum nächsten Ticketschalter, wo ich für 23'000 Lira eine Fahrkarte nach Elba bekam. Nach einer guten Stunde Überfahrt war ich dann in Elba angekommen. Dort informierte ich mich über das Nachtleben und die Campingplätze im Tourist Info. Lacarno wäre super, hiess es. Und nachdem ich Schweissgebadet die 300 Meter hoch und wieder runter gefahren war, musste ich erfahren, dass auf keinem Campingplatz auf Elba die Möglichkeit bestand, zu Übernachten mit einer simplen Hängematte. Das war jedoch kein Problem für mich. Ich übernachtete einfach wild und Duschen und Rasieren konnte ich in den vielen Campings, ohne weiter aufzufallen.

So 15.August 1999 14.Tag

Ruhetag auf Elba

Ich fuhr, nachdem man mich aus dem Garten eines Hauses verjagt hatte, nach Marina di Campo. Das hiess 250 m hoch und wieder runter. Beim Camping La Force zog ich meine Laufhosen und Schuhe an, ging zum Besitzer und fragte, ob es möglich wäre, meine Lady für eine Stunde hier zu lassen. Zuerst hiess es, "Si Si, No Problema", und dann, als er sah, dass ich nicht bei ihm die Nacht verbracht hatte, war es plötzlich nicht mehr möglich. Wie hilfsbereit doch gewisse Leute sein können! So parkte ich mein Rad vor einer Pizzeria. Als ich meine Dehnübungen nach dem Laufen machte, beobachtete mich ein kleiner, beleibter Italiener. Ich dachte mir nichts dabei. So beendete ich die Übungen und machte meine Kleider- Waschartikel bereit. So schlenderte ich zum nächsten Camping, gut getarnt, mit Rucksack, Handtuch, Sonnenbrille und einem Buch in der Hand. Zuerst kaufte ich ein Yoghurt, ging damit Richtung Dusche, und als ich mich umsah, war der kleine dicke Italiener hinter mir, so wechselte ich langsam die Richtung. Beim Vorbeigehen sagte der Italiener so etwas wie „Hau ab“. Na ja, es gibt auf Elba viele Duschmöglichkeiten. So ass ich zuerst und versuchte es beim nächsten, der 300 m entfernt war. Dort konnte ich ungestört duschen, es gab sogar warmes Wasser. Bei der Pizzeria traf ich einen Kolumbianer, der sehr freundlich war. Er wäre vor kurzem auf Elba gekommen und mache Musik bei einem grösseren Restaurant. Er zeigte mir eine Badestelle, an der kein Tourist war und wo die Gicht super war. Es war herrlich, dort zu baden. Am Abend kochte ich mir Tagliatelle mit Tomatensauce. Einfach und gut. An einem Kiosk fand ich in der Genua Zeitung "Il Selco XIX" auf Seite 12 ein Bild und einen kurzen Artikel über mein Vorhaben. Der Journalist war nicht gerade aufmerksam. Er schrieb von einem neuartigen Dreirad, das einem gewissen 23 jährigen Marcus Kirusi auf seiner Weltreise zum Transport dient, und die Reise habe in Genua angefangen. So viele inhaltliche Fehler, da kann man nicht von glaubwürdigem Journalismus sprechen. In einem Pub lernte ich zwei sehr sympathische deutsche Mädchen kennen. Wir waren sehr früh in dem Pub, so dass wir die einzigen waren, das änderte sich aber sehr schnell. Zuletzt, gegen Mitternacht, war das Lokal proppevoll. Es spielte die gleiche Band, die ich zuvor schon in Lacarno gesehen hatte! Um zwei Uhr suchte ich mir dann einen Platz zum schlafen. Ich fand auf einem Parkplatz und zwei schöne Bäume. Dort errichtete ich meine Hängematte.

Mo 16. August 1999 15.Tag

Marina di Campo-Piombino-Gavorrano 73.64 Km T:1222.1 Km

Ein Deutscher Hund schnüffelte mich wach. War fast mühsahm, „ja mei was machscht denn du da!?!" fragte sein Besitzer. Es war nicht einfach, ihm klar zu machen, dass es nicht anders ging als hier draussen zu nächtigen da mich die Camps ablehnten und die Hotels Luxuspreise haben. Elba war für mich eher enttäuschend; zu touristisch, nichts spannendes, keine speziell schönen Häuser, nicht so freundliche, ja sogar eher genervte Elbanesen. Ja, ich fand sogar eher, dass es sich hier nur um das Eine dreht: Möglichst viel Geld zu machen. So war ich froh, um 12.00 Uhr wieder in Piombino zu sein. Unterwegs hatte ich einen sehr starken Gegenwind. Der blies mir so fest in die Augen, dass ich meine Kontaktlinsen herausnehmen musste. Dabei passierte es, dass mir die eine Linse davongeblasen wurde. Ich suchte zwar eine Viertelstunde die Strasse ab, doch es war einfach vergeblich. Später rief ich mit der Gratiskarte, die ich in Locarno bekommen hatte, meinem Bruder ins Geschäft an, damit er mir neue Linsen nach Rom senden könnte. Die Nacht verbrachte ich gemeinsam mit 35 Hunden bei einem jungen Bauern. Sein Nachbar erlaubte es mir nicht, bei seinen Bäumen ein Lager zu errichten. Doch der Junge war toll. Danke nochmals.

Di 17. August 1999 16.Tag

Gavorrano- Scansano- Manciano 80.66 Km T:1302.8 Km

Richtung Crosseto traf ich einen Urlaubsbiker, der mir einen super Tipp gab, wie ich ein paar km sparen könnte. Bei einer Gemüse- und Früchtefarm hielt ich. Die Besitzer waren sehr freundlich und gaben mir umsonst Melonenschnitze. Die Strasse führte ständig rauf und runter, von 0 auf 560 m und wieder auf 160 auf 460 m und so weiter, rauf und runter. Am Mittag war es dann so heiss, dass ich eine Pause einlegen musste. So schlief ich 1 h unter einem Baum. Zwei km von Manciono traf ich die nettesten Italiener auf der bisherigen Reise. Und das ging so: Ich wusste, Campingplätze gab es erst 40 Km weiter. Würde doch nur der Bauernhof seine Türen für mich öffnen! Bei einem Agrotourismushof fragte ich, ob ich hier eine Nacht bleiben dürfe. 20 Minuten später hatte ich die Hängematte installiert und mich umgezogen für das Lauftraining. Da kamen die Töchter der Bäuerin und brachten mir Wasser und eine Flasche Bier. Nach dem Training duschte ich mich mit einem Schlauch ab. Das Abendessen bestand aus Käse, Brot und Grappa. Ich wurde noch auf ein Glas Wein, von einem Pärchen aus Salzburg, eingeladen. Danach war ich todmüde.

Mi 18. August 1999 17. Tag

Manciano- Pitigliano-Rongligione 98.18 Km T:1401.1 Km

Beim Verabschieden gab mir die Bäuerin ihre Visitenkarte und ein wenig Geld, mit dem Wunsch, dass ich ihr von Unterwegs aus schreibe. Ich war total Paff, dass es sowas noch gibt. Und es ist ganz klar, dass ich dieser netten Familie auch tatsächlich schreiben werde.

Pitigliano ist eine phantastische alte Etruskerstadt, schön an einem Hügel gelegen, umgeben von einer grosen, schützenden Mauer. Die Stadt sieht aus wie eine Wüstenstadt, da sie aus Sandsteinmauern errichtet wurde. Es war herrlich, durch die kleinen Gassen zu schreiten In Viterbo kaufte ich mir 2 Kassetten von „The Doors" und „Dire Straits". Mit super Sound auf dem Kopfhörer fuhr ich dann weiter. Musik ist für mich sehr wichtig, es ist die Energie, die mich zum Laufen bringt und mir in schweren Stunden Erleichterung verschafft. 20 Km weiter übersah mich ein älterer kurzsichtiger Italiener. Er fuhr mich an. Direkt ins Hinterrad, das dadurch ein Riesenachter hatte. Er hat sich nicht einmal entschuldigt, sondern war nur besorgt, dass er durch mich Zeit verlieren könnte. So fuhr er 300 m zu seinem Gemüseladen und liess mich einfach alleine stehen. Verärgert über dieses Benehmen sammelte ich die Sachen auf und ging zum Gemüseladen. Dort war er mit dem ausladen seines Wagens beschäftigt. Ich dachte, wenn ich ihm dabei helfe, würden wir die Sache auch schneller erledigt haben. So war das Auto innert 5 Minuten leer. Er schickte mich dann 500 m weiter zum Fahrradhändler, wo wir uns dann auch trafen. Er musste denn Mechaniker überzeugen, dass es sehr dringend wäre, mir zu helfen. Der Fachmann zentrierte das Rad sogleich und setzte es wieder ein. Ich war nicht ganz zufrieden und zentrierte das Rad dann selber noch vollständig aus. Der Alte war zu dieser Zeit schon längst abgehauen, ohne nur ein einziges Wort der Entschuldigung. So ein Benehmen finde ich zum k…..!!! In einer Pizzeria trank ich ein Bier über den Schock. Und draussen interessierten sich die Leute für mein Rad. Also ging ich hin und unterhielt mich mit ihnen. Es stellte sich heraus, dass unter ihnen der Besitzer der Pizzeria war, der sich wie ein kleines Kind freute. Noch nie hätte er ein solches Rad gesehen und sowas gäbe es in Italien nicht zu kaufen, meinte er. Er lud mich zu einem Kaffee ein. Und als ich fragte, ob ich eine Nacht auf dem Parkplatz übernachten dürfe, war das für ihn keine Frage. Ich ass noch zu Abend in dieser Pizzeria und unterhielt mich ausführlich mit dem Besitzer und seinen Gästen. So wurde es trotz allen Problemen, gegen die ich heute gekämpft hatte, ein gediegener Abschluss des Tages.

Do. 19.August 1999 18.Tag


Rom

Ronglione- Bracciano- Rom 82 Km Tot.:1483.10 Km

Chruesi bei den Römern

Nach einem feinen Cappuccino, zubereitet in einer Maschine, die aussah wie ein Teil einer Dampflok, mit vielen verschiedenen Hebeln, fuhr ich Richtung Rom. Dire Straits gab mir den Takt an und so flitzte ich nur so drauflos. Mit km/h- Zahlen zwischen 25 und 32 fuhr ich die geraden Strecken, und mit bis 61 Km/h ging’s superschnell die Hänge runter. Ich fuhr eine Stunde, machte eine kleine Pause, um die Kassette zu wechseln und die Fahrt ging weiter. Um 13.00 war ich bei den Römern, und um 15.00 Uhr beim Camping di Roma. Nach einer Katzenwäsche (kurzes abspritzen) ging’s wieder ins Zentrum, wo ich nach 2 h ein Internetcafe fand, das auch tatsächlich geöffnet war. Es gibt wahrhaft genug Internetcafes in Rom, doch von August bis September sind die meisten Geschäfte geschlossen wegen den Ferien. Ich löste für 100.- Fr. 16 h surfen. Ich rief meine Mailbox auf und war überrascht, wie viele Leute da geschrieben hatten. So schrieb ich ein paar Briefe und machte mich daran, die Erlebnisse der vergangenen Tage einzutippen. Es wäre wohl besser, wenn ich einen kleinen, taschenrechnerartigen Computer hätte, mit dem ich auf Word direkt meine Tagebucheintragungen schreiben könnte. Den Rechner könnte ich dann im Internetcafe an den Computer zu hängen. So würde ich viel Zeit sparen. Vielleicht gibt’s da irgendwann mal eine Möglichkeit. Ich eröffnete eine neue Seite auf meiner Homepage: „Pannen" und verlinkte Sie mit den anderen. Zudem sah ich einen Fehler, den ich beheben konnte. Den Hauptfehler, der im Zusammenhang mit der Startseite steht, konnte ich aber noch nicht herausfinden. Ich hoffe, die von Tripod können weiterhelfen. Ich blieb bis 23.00 Uhr vor dem Server, dann schloss das Cafe seine Tore. Der erste Bus zum Camping hatte eine Panne und mit dem zweiten fuhr ich zu weit, so dass ich den letzen Anschluss verpasste und 5 km zu Fuss zurücklegen durfte. Ich nehme das nächste mal besser das Rad. Weniger trouble.

Fr. 20.August 1999 19.Tag

Ruhe, Besorgungs- und Kulturtage bei den Römern

Ich schlief aus und ging dann mit der Lady ins Zentrum. Ich hatte absolut keine Lust, mir die Gemäuer dieser Stadt heute anzuschauen. Lieber ging ich ins Netz und bastelte weiter an der Homepage. Ich schrieb an den Berichten weiter und verfasste ein paar Briefe. Am Abend ass ich ein Müsli und unterhielt mich mit dem „Team Oberländer", bestehend aus zwei Cousins, die zusammen mit dem Rad nach Rom fuhren. Fast den gleichen Weg wie ich, aber ganz andere Erfahrungen. Ich sah, dass man, wenn man zu zweit ist, mehr Blödsinn miteinander macht und sich gegenseitig auch motivieren kann. Dazu muss man aber, wie das Oberländer Team, gut zueinander passen. Es wurde ein lustiger Abend und es war schade, dass sie morgen bereits im Zug nach Berlin sitzen werden.

Sa 21.August 1999 20.Tag

Ich wollte wieder mal laufen. Gestern war ich zu müde und vorgestern zu faul. So lief ich heute eine Stunde. Unterwegs lernte ich einen römischen Jogger kennen, wir drehten gemeinsam unsere Runden und unterhielten uns über Familie und Sport. Er wollte mich zum Café einladen. Da ich jedoch noch 25 Minuten laufen wollte, musste ich dankend ablehnen. Waschtag war angesagt. Leider. Das Team Oberländer fuhr nach Hause und gibt den Müttern Ihre Wäsche. Will nicht auch eine Mama hier in Rom meine Kleider waschen? Na ja, die nächsten Jahre werde ich vielleicht schneller. Heute brachte ich 1 h. Die spanische Mama schaffte doppelt soviel Wäsche in der Hälfte der Zeit, und ich denke, es glänzte auch ein wenig mehr bei ihr. Irgendwie muss das Magie sein. Kennt jemand die Zauberformel? Nach dem Waschen, was hab ich da wohl gemacht ? Ja logisch ich war im Internetcafe und tippte, damit Ihr was zum lachen oder träumen habt oder aber einfach nur, um mit mir zusammen diese Reise zu bestehen. Ich, das kann ich euch sagen, geniesse diese für mich sehr grosse Abenteuer in jedem Augenblick. Und ich weiss, es war der richtige Zeitpunkt für dieses Unternehmen. So, jetzt gehe ich ins Camp und koche was. Habe vor Stunden das letzte mal was gegessen.

So 22.August 1999 21.Tag

Heute hatte ich ein volles Programm: Zuerst sah ich mir die Dalì- Ausstellung an. Die war echt super. Dann drehte ich eine kurze Runde beim Pantheon, und als ich vor dessen Eingang im Schatten meine Tomaten/ Mozzarella- Sandwiches essen wollte, wurde ich von zwei weiss gekleideten Aufpassern zum Teufel gejagt. Nach diesem Erlebnis und den allzu vielen Touris begab ich mich in den Erholungspark, wo ich mir im Biopark (wieder einmal das magische Wort „BIO"!) „Zoo" die Tiere in ihrem Gefängnis anstarrte. Später folgte das Kolosseum; sehr eindrücklich! Ich schaute es mir jedoch nur von aussen an. Dort unterhielt ich mich noch lange mit einem Iraner, der mir von seinem Land vorschwärmte. Als Gastgeschenk übergab er mir eine 500 Rials- Note. Im "Cineporto", einem Unterhaltungsort, an dem im Freien Kinovorführungen stattfinden, konnte ich gratis aufs Internet. Den Film habe ich nicht gesehen, da er absolut nicht nach meinem Geschmack war. Dafür hatten Sie eine Pizzeria, die sagenhaft war. Als ich zum Camp zurückfuhr, waren die Strassen überfüllt; es war sehr mühsam, sich durch den Verkehr zu schlängeln. Der Grund für den ganzen Verkehr war ein Fussballmatch, der gerade zu Ende war. Ach ja, das Radfahren würde in Rom eigentlich Spass machen, doch es gibt leider zu viele Pflastersteinstrassen und Schlaglöcher. Und vielerorts wird auch noch gebaut. Der Verkehr ist gar nicht mal ein Problem, da es sehr breite Strassen gibt, auf denen zurzeit nicht viel Betrieb ist (Ferienzeit). Jedenfalls fahre ich viel lieber mit dem Rad als mit dem Bus. Ich habe vom Camp ins Centrum 30 Minuten per Rad. Mit dem Bus habe ich in etwa 60 bis 90 Minuten, je nachdem wie lange ich noch warten muss. Nun, als ich um 00.30 Uhr im Camp ankam, machte ich noch die Bekanntschaft von drei Jungs aus Holland, die auch eine Rundreise per Rad machen. Wir tranken ein paar Biere und unterhielten uns über die Erlebnisse. Sie fuhren via Frankreich, Corsica und Sizilien nach Rom. Nun am 28. August fliegen Sie wieder nach Hause.

Mo 23. August 1999 22.Tag

Nach dem Training und Mittagessen ging ich in die Stadt, fuhr ein wenig herum, sah mir ein paar Gemäuer an und traf um 20.30 Uhr die 3 Jungs aus Holland wieder. Wir gingen in ein Jazzkonzert, und, das kann ich euch sagen, das war ein Bombenhit! Man bezahlte 8'000 Lira (rund 8.-Fr.) und ging in einen riesigen Park, der von einer sehr schönen Villa umgeben war. Der Weg war mit Kerzen beleuchtet und es gab mehrere Brunnen. Die Bäume waren rot beleuchtet, und als wir dann die Bühne sahen, die im ausseren Kreis einer grösseren Parkfläche aufgebaut war, wusste ich, dass es einen phantastischen Abend geben würde. In der Tat die Band war ein Hit, und als der Titel „ich liebe meine Mama" gespielt wurde, wusste ich, dass es so was wahrscheinlich nur in Italien gibt. Die Atmosphäre kann man gar nicht beschreiben, es war einfach, und das müsst Ihr mir glauben, ein Megasuper Hit. Ich fuhr dann um 2.00 Uhr ins Camp und sah dabei nur noch ein paar Prostituierte sich die Füsse plattstehen. Die taffen Jungs liefen den Weg ins Camp zurück „12 Km"! Bravo.


Rom

Di 24.August 1999 23.Tag

Um 8.00 stand ich auf und ging zur Post. Ich wollte sehen ob das Packchen schon da ist. Negativ. Im Camp kontrollierte ich die Ausrüstung, alles war noch O.K. Nachmittags begab ich mich nochmals in die Stadt und sah mir noch ein paar alte Steine an. Der Abend wurde ein Trinkgelage mit den Holländern: Echt super, wir kochten Teigwaren und buken Pommes-Frites und die Jungs grillierten Fleisch.

Mi 25.August 1999 24.Tag

Nach dem Training unternahm ich einen weiteren Anlauf bei der italienischen Post. Auch diesmal nichts. Im Internet sah ich mir nochmals die letzten Mails an und fuhr dann einfach nur so in der Stadt herum. Dabei fand ich einen sehr schonen Innenhof mit einmaligen Büsten alter Römer. Ca. 10 km vom Zentrum befinden sich Katakomben. Ein Mönch erklärte, was es damit auf sich hat: "Die Katakomben sind ein Friedhof, der sich auf mehreren Ebenen des Erdreiches befindet, die mit diversen Gängen verbunden sind. Wenn man die Lange aller Gänge zusammenzählen wurde, käme man auf eine Distanz von 600 km. Einige Gräber sind noch gar nicht geöffnet. Würde man sie offnen, konnte man die Gebeine sehen." Die Führung ging jedoch nicht in die Bereiche der Gebeine. Da viele Gräber geöffnet wurden (Plünderungen) zerfielen die Knochen mit der Zeit, so dass man jetzt die offenen Gräber sieht.

Am Abend hatte ich einen Termin beim Coiffeur. Er stutzte mir auch gleich die Barthaare, und das alles für 15.-Fr.

Am letzten Abend mit den Holländern also war ein Fest angesagt. Wir lernten auch noch ein Pärchen aus Krakau (Polen) kennen, das mit einem Van Italien entdeckt. 

Do 26.August 1999 25.Tag

Rom-Velletri-Terracina 119.5 Km T:1793.2 Km

Der Abschied von den Holländer fiel schwer, da wir zusammen eine super Zeit hatten. Daran muss ich mich noch gewöhnen: Zur Zeit ist es sehr schwer, sich von Freunden zu trennen. Doch jeder Abschied bedeutet auch ein neues, unbekanntes Abenteuer! Der letzte Versuch bei der Post und wieder keine Nachricht. So gab ich der Post die Adresse von Brindisi an. Mal sehen, ob das klappt.

Die Strasse nach Napoli fand ich erstaunlich schnell, ich dachte, es wäre ein Labyrinth, aus Rom zu kommen, doch es ist absolut einfach. Nach 20 Km sah ich die letzte Mauer der Stadt. Ciao Roma! Zuerst ging‘s rauf auf 500 m und dann runter auf Meereshöhe; voll Speed. Danach folgten 60 km gerade Strecke. mit 30 km/h im Schnitt raste ich Napoli entgegen. Dies, das kann ich Euch sagen, ist ein voll geiles Gefühl. 1 Stunde fuhr ich und danach machte ich 10 min Pause (Dehn-Übungen, "besoin naturel“ und Kassettenwechsel).

Heute sah ich viele Brande entlang der Strasse. Ich nehme an, dass die Leute Zigarettenstummel aus dem Auto werfen. An einer Stelle löschte sogar die Feuerwehr einen Brand, der das Feld eines Bauern bedrohte. Um 20.00 Uhr kam ich in Terracina an. Im "Coop" kaufte ich Salat, Tomaten, Mozzarella, Paprika, Zwetschgen und eine Flasche Lambrusco (ein süsser, sektartiger Wein mit etwa 10% alc.) Am Ausgang wurde ich umzingelt von Zigeunern. Doch sah ich vermutlich so erschöpft aus, dass sie mich in Ruhe liessen (oder roch ich etwa so penetrant ?) Voll beladen fuhr ich zum 1. Camp. Dieser Gauner wollte 65.-Fr. für eine Nacht. Das 2. Camp war auf einmal voll besetzt, als ich sagte, ich hatte eine Hängematte. Ich hatte mich schon über die Touristenorte in Elba geärgert. Nicht schon wieder dieser Scheiss! Beim 3. Camp sagte ich, dass ich ein Zelt hatte. Es war ein echt super Empfang: Die Leute waren herzlich und die Mamas bemutterten mich wie ihr eigenes Kind. Super! Nach einem Bad bei Mondschein und einer kalten Dusche, kochte ich Reis und machte Salat. Der Abend war super, ich konnte nach so langer Zeit sogar wieder einmal Billard spielen. Ich verlor nur ganz knapp, und das nur, weil ich zuviel Lambrusco getrunken hatte. Danach war ich der Hahn im Korb. Umringt von 6 schonen Italienerinnen, die alles wissen wollten, flirtete ich noch ein wenig. Heute fühlte ich mich wie ein König!


Napoli

Fr. 27.August 1999 26.Tag

Terracina-Gaeta-vor Napoli 112,83 Km T:1906.1

Am Morgen hatte ich einen fürchterlichen Kater. Zuviel Bier und noch mehr Wein. Der erste Akt des Morgens war, den Rest des Weines auskippen. War nicht mehr viel. Eigentlich wollte ich 6 x 1 Km innert 5 min laufen, doch meine Muskeln sagten was anderes. So ging ich statt dessen 30 min schwimmen. Das Familiencamp wollte kein Geld für die Übernachtung. Ich sende dafür die besten Grüsse! Wenn ihr einmal in Terracina seid, geht nicht ins Tauchcamp und nicht ins 2. Camp, sondern geht zum 3. Camp. Nach dem Abschiedsphoto fuhr ich um 11.00 Uhr los. Um 12.00 war ich bereits 25 Km weiter in Gatea, wo ich in einem Ristorante das Tagebuch auf den neuesten Stand brachte. Die Strasse war genial. Kaum grosse Steigungen und ein makelloser Belag. So fuhr ich bis 38 Km/h. Ich habe mir angewohnt, 1x pro Woche nichts zu essen. Das geht ganz gut, und wenn man Sport macht, bekommt man nach einer gewissen Zeit (ungefähr nach 2 Stunden) einen Reservekick. Das ist ein Gefühl, als wäre man voller Power. Wenn man dann noch gute Musik hort (Jean Michel Jarre, Oxigen) und der Tacho auf 35Km/h steht, glaubt man abzuheben. Am Abend fand ich einen Luxus- Campingplatz. In der Nahe gibt es viele Vulkane. So wird im ganzen Camping Vulkanwasser in allen Leitungen verteilt. Das Wasser war richtig heiss. Es gab sogar ein Bassin mit diesem Wasser, einen 25m- Swimmingpool, eine Tennisanlage und eine Sauna. Das alles für 20.-Fr. Als ich meine Hängematte aufgestellt hatte, machte ich mich bereit für das Lauftraining, das ich am Morgen ausgelassen hatte. Den Kilometer rannte ich in 4 min 20 sec. Zu guter Letzt machte ich 1 Stunde Kraftübungen und Falltraining. Mein T-Shirt war danach so nass, dass ich es auswringen konnte. Nachdem ich noch ein paar Kleider wusch, war ich wirklich fix und fertig, doch ich war glücklich. Das war wirklich einer meiner meiner besten Tage.

Sa 28.August 1999 27.Tag

vor Napoli-Pompeij 63,71 Km T:1969.9 Km

Ich nutzte die Gelegenheit, 30min im Bassin zu schwimmen und danach das Vulkanwasserbassin zur Entspannung der Muskeln zu geniessen. Da ich gestern viel Bewegung hatte, wollte ich heute einen entspannten Tag einlegen. Daraus wurde nicht viel! Die Strasse war eine echte Katastrophe nur Kopfsteinpflaster von der Übelsten Sorte, mit 5cm Abstanden verlegt und mit tausenden von Lochern. Ich fühlte mich wie in einem Schütelbecher. Und das nicht nur 10 km, NEIN, ganze 50 km voller Pflaster. Ich konnte nur mit 13Km/h fahren, und das bei einer flachen Strecke. In Pozzuoli besuchte ich das Amphitheater. Es war nicht so speziell, doch das war egal, da ich keinen Eintritt bezahlen musste. In Napoli suchte ich drei Stunden vergebens nach einem geöffneten Internetcafe. Und von Napoli Richtung Pompeij herrschte ein fürchterliches Verkehrschaos. Hatte ich gestern die ständige Huperei der Auto- und Vespafahrer genossen, so wurde dies heute zum Ärgernis. Da es schon dunkel war und ich noch gut 30min brauchte bis zum nächsten Camp, holte ich meine Trillerpfeife heraus. Ich versuchte, durch ständiges Pfeifen wie ein Verkehrspolizist den Verkehr in den Griff zu bekommen. Das wirkte! Es gab viele erstaunte Gesichter und einen, der innerlich lachte und für den das die Rache für die ständige Huperei war. In Pompeij angekommen, schlief ich gleich ein.


Blick auf den Vesuv

So 29.August 1999 28.Tag

Besuch des Vesuvs

Noch müde, schalte ich mich aus dem Schlafsack heraus, ging schnell duschen und kaufte noch ein wenig Food für ein Picknick ein. An der Bushaltestelle wartete ich ganze 70 min auf den Bus. Mann, bin ich froh, mit dem Rad zu Reisen und nicht ständig abhängig zu sein von den Fahrplanen. Es war herrlich, wieder mal auf einer Hohe von 1200m zu sein. Und wenn man sich Mühe gab, sehr grosse Mühe, konnte man all die Touristen weg- denken. Es gab ein paar gute Überhangende Stellen, an denen ich ein paar Kletterübungen machte. Das war schon, wieder andere Muskeln zu benutzen und ein wenig Adrenalin in den Adern zu spuren. Nach dem Lauftraining belohnte ich mich mit einer Pizza Margerita. Ich lernte dann noch 4 Jungs und 1 Madchen aus Milano kennen. Wir verabredeten uns, morgen die Ausgrabungen von Pompeij zu besichtigen. Am Abend regnete es in Strömen. So schlief ich neben dem WC auf dem Boden. Das geht ja noch, doch im Camp gab es Hunde. Einer war ein kleiner junger, verspielter, der meine Hand als seinen Spielknochen betrachtete. Und nachdem ich ihn zum 20. mal gegen die Wand hin geschubst und mich im Schlafsack verkrochen hatte, attackierte er meinen Hals. So konnte ich die Nacht nicht wirklich durchschlafen.

Mo 30.August 1999 29.Tag

Besuch der antiken Stadt Pompeij

Eigentlich dachte ich, dass ich in zwei Stunden die Stadt gesehen habe und dann weiterfahren könnte, doch Pompeij ist eine so riesige Stadt, dass ich nicht einmal nach sieben Stunden herumlaufen alles gesehen. Doch das was ich sah, war einfach genial. Das war wirklich eine luxuriöse Stadt gewesen. Die Leute hatten allen Schnickschnack. Und wenn ich diese Stadt mit der neuen Stadt vergleiche, ist ganz klar, dass die alte viel schöner war. Zwischendurch regnete es eine Stunde in Strömen. Ich musste dabei an meinen Schlafsack und den Rucksack denken, die nun völlig durchnässt sein würden. Im Rucksack befinden sich auch noch der Walkman und ein Radio. Als ich im Camp war, sah ich, dass der Schaden nicht so schlimm war, der Schlafsack war zum Glück schnell wieder trocken, sodass ich heute Abend doch noch in der Hängematte und im Schlafsack schlafen konnte


Blick auf Amalfi

Di 31.August 1999 30.Tag

Pompeij-Amalfi-Belizzi 77.14 Km T:2047 Km

Am Morgen ging ich schnell für eine Stunde laufen. Ich kam diesmal 300m weiter als beim letzten Lauf. Um 12.00 Uhr fuhr ich dann ab. Die ersten 15 km ging es bergauf von Meereshöhe auf 800m, es war aber nicht so eine steile Steigung - ich konnte stellenweise 12km/h fahren. Die Landschaft war hier einfach eindrücklich und es hatte überhaupt keinen Verkehr. Eigentlich wollte ich die Küstenstrasse nehmen, doch irgendwie habe ich mich verfahren. Was nicht weiter schlimm war, da ich später erfuhr, dass die Küstenstrasse stark befahren war. Was für eine Belohnung, als ich dann mit 55km/h die Serpentinen runter düste. Es gab ein Dörfchen, das meine Aufmerksamkeit erregte. Und zwar waren die Fassaden der meisten Hauser mit antiken, modernen, abstrakten Malereien versehen. Ein verrückteres Bild nach dem anderen. Stellenweise sah man Plastiken mit Stahl, Marmor und anderen Elementen. Die Leute mussten wohl sehr grosse Kunstliebhaber sein. Oder wollten Sie einfach den Nachbarn übertreffen? Es gab viele natürlichen Grotten und schöne Schluchten und das Meer war in Sichtweite. In Amalfi, einem herzigen, aber teuren Touristenort, blieb ich ein wenig und sah mir die superteuren Yachten an. Muss ein tolles Vergnügen sein, mit so einem Boot ein wenig dem Strand entlang zu fahren. In einem kleinen Restaurant bekam ich einen Liter Wein für 5.-Fr. Ein Glas gönnte ich mir vor Ort, wo ich auch Tagebucheintragungen machte. 15 km nach Salerno gab es Camps - ich wollte hier nicht im Freien übernachten, da mir in der Nähe der Grossstädte zu viele Zigeuner und Diebe herumlungern. Als ich nach fünf Minuten warten, bis die Autos mich vorbeiliessen, beim Camp auf der anderen Strassenseite war, schüttelte der Besitzer nur den Kopf und schickte mich ins nächste Camp. Wieder fünf Minuten warten. Wieso hat er nicht, als ich auf der anderen Seite war, sagen können, dass er voll besetzt sei!?! Er wollte wohl zusehen, wie ich über die Strasse komme und zurück. „Du kleiner Sadist,“ dachte ich mir und fuhr zum anderen Camp. Dort wurde ich ganz väterlich empfangen, sodass der Ärger vergessen war. Im Camp traf ich Lena und Paris, ein Pärchen aus Australien. Lena ist seit einem Jahr in Europa und hat in England als Aupair gearbeitet. Paris ist seit zwei Monaten hier und will den schrecklich kalten Winter in England verbringen. Seit zwei Monaten fahren sie nun mit einem 200-fränkigen Bike aus dem Supermarkt in Europa herum. Sie waren in der Schweiz, in Frankreich und nun in Italien. Lena ist 25, Paris 24 alt. Die beiden waren mir sehr sympathisch, und so entschlossen wir, nach dem Essen und dem restlichen Wein, dass wir bis zur nächsten Küste zusammen fahren würden.

Mi 1.September 1999 31.Tag

Belizzi-Eboli-Vietri di Potenza 93.09 Km T:2140.50 Km

Gemütlich, sehr gemütlich, fuhren wir los. Bei einem Cafe bekam ich, als ich nach Wasser fragte 3 Liter kühles Mineralwasser und 1.5 Liter Wasser, das noch gefroren war, ohne das er Geld annehmen wollte. Also, die Leute hier im Süden sind einiges freundlicher und aufgeschlossener als im Norden. (Sorry Vreni, wenn ich das so sagen muss). Vielleicht habt Ihr andere Erfahrungen gemacht, doch mir sind die Leute im Süden freundlicher erschienen. Die ersten 20 km waren flach, doch dann sah man die Hügelkette, die uns die nächsten paar hundert Kilometer begleiten würden. In einem gemütlichen Restaurant assen wir dann Teigwaren; jeder etwas anderes. Ich hatte Spaghetti, Lena Ravioli mit Riccotta Käse und Paris Tagliatelle. Dazu tranken wir den Hauswein des Wirten. Normalerweise schliefen Lena und Paris im Hotel und auf Campingplätzen - so war das eine neue Erfahrung für sie, als ich bei einer Farm den Bauern fragte, ob wir in seinem Garten unser Nachtlager aufstellen dürften. Lena und Paris waren geschafft; normalerweise fuhren sie nur 40 bis 50 Km. So organisierte ich im nächsten Dorf, das drei Kilometer den Berg hoch entfernt lag, das nötige Lebensmittelpaket. Lena ging als erste tauchen, Paris und ich beobachteten noch ein paar Satelliten und Sterne, ja wir sahen sogar Sternschnuppen.

Do 2.September 1999 32.Tag

Vietri di Potenza-Potenza 65.88 Km T:2206.4 Km

Um 08.00 hatten wir alles gepackt. Die Bauernfamilie lud uns auf einen wirklich starken Cafe ein, das war ein Koffeinschub. Als wir losfahren wollten, wurden wir von einem Unwetter heimgesucht. Schnell stellten wir unsere Räder unter ein Vordach und warteten zusammen mit den Bauern, bis der Regen aufhörte. Der Regen floss in Strömen und reinigte die Strassen. 10.00 Uhr, der Regen hatte aufgehört und blauer Himmel kam zum Vorschein. Dahinter war die Sonne zu sehen und es wurde auch wieder wärmer, sodass wir unsere Pullover ausziehen konnten. Ach, war ich froh, dass es nicht in der Nacht so stark regnete. Das wäre ein schöner Schlamassel gewesen. Zuerst ging es acht km nur runter. Echt schön, und dann hiess es sich ein wenig anstrengen, hoch auf 820m. Heute waren wir alle sehr faul. Ich war mir ein ganz anderes Tempo gewöhnt, und so strengte es mich sehr an, so langsam zu fahren. Als ich einmal ein wenig schneller den Berg hochfuhr, musste ich 20 Minuten auf die beiden Turteltauben warten. Wenn es hoch ging, hatte ich einen Schnitt von 14Km/h, da es kein starkes Gefälle hatte. Ich schätzte es auf 7-10% Steigung. Die beiden fuhren mit 6-7Km/h. So wartete ich jedesmal und machte Dehn-Übungen. Das war ganz OK, jedoch könnte ich nicht immer so langsam fahren. Um 15.00 Uhr trafen wir in Potenza ein. Dort suchten wir den ersten grossen Supermarkt auf. Mit vollen Taschen suchten wir ein gemütliches Plätzchen für ein Picknick. Ein Passant sprach uns an. Ich weiss eigentlich nicht, was er wollte, es hörte sich so an, als wäre es ungesund, auf dem Rasen zu liegen nach einem Regen. Als wir zu den Rädern zurückkehrten, hatte Paris’ Rad einen Platten. Es war nicht der erste beim hinteren Rad. Für mich war der Fall klar. Das Abdeckband zwischen Schlauch und Speichen bestand aus einem einfachen Packband, mit dem man normalerweise grössere Päckchen verschnürt. (In der Optik werden Sie für die Nylorbrillen verwendet, um das Glas aus der Rille zu bekommen). Ich habe noch nie gesehen, dass solche Packbänder als Abdeckband benutzt werden. Und als dann beim Aufpumpen auch noch die Pumpe kaputt ging, war klar: Jetzt müssen wir ein Fahrradgeschäft finden. Als wir die Sachen dann endlich hatten, war es bereits dunkel und wir mussten uns beeilen, um eine Unterkunft zu finden. Ein wenig ausserhalb des Zentrums fanden wir im Garten eines Einfamilienhauses ein gemütliches Plätzchen. Kurz zuvor hatten wir jedoch noch eine kleine Panne; Lena schaltete falsch, als es ein wenig aufwärts ging. Dabei hing die Kette so fest, dass wir sie nicht lösen konnten. Wir entschieden, das Morgen anzuschauen. Die Familie, bei der wir übernachteten, war sehr nett. Sie gab uns Tomaten, Früchte, Schokoladenriegel und als wertvollstes Wasser. Nachdem ich Spaghetti gekocht hatte, gingen wir alle früh und erschöpft zu Bett. Die beiden schliefen im Zelt, und ich machte es mir am Boden (mangels Bäumen) bequem.

Fr 3.September 1999 33.Tag

Potenza-Tricarico-Grasano 72.02 Km T:2279.3

In der Nacht war es sehr kalt und als der Morgen anbrach, sah ich den ersten Tau. Wir machten ein paar Servicearbeiten am Bike. Ich reinigte die Kette und kontrollierte alle Schrauben. Um 10.30 Uhr fuhren wir aus Potenza weg. An diesem Tag hatte Paris zwei Platten und Lena einen am hinter Rad, ich hatte zum Glück keinen. Am Abend schliefen wir bei zwei Indern, die einem Bauernhof betreuten, der 52 Kühe hatte. Das Haus war 130 Jahre alt und es wurde sicher seit Jahren nichts mehr gemacht. Überall war eine dicke Schicht von Staub und Spinnweben. Es miefte und ich wollte lieber draussen schlafen als im oberen Raum. Doch schlussendlich schlief ich dann doch in diesem Haus (Ruine). Doch zuerst machte ich mein Lauftraining. Und am Abend gab es dann Teigwaren. Lena ist nicht die beste Köchin. Sie schaffte es, die Spaghetti zu lange zu kochen, so waren sie recht pampig. Doch das muss ein Reisender überstehen und ich hatte zu grossen Hunger, um zu verzichten. Wir bekamen dann noch 1.5 Liter Milch und duschten im Melkraum. Das Ganze war recht einfach gemacht. Und ich wunderte mich, dass die beiden Inder so einfach leben konnten. Sie schliefen in einem kleinen Raum und hatten fast keine Möbel. Wenn ich dort mehrere Jahre leben würde, hätte ich das Ganze gemütlicher eingerichtet! Um 10.30 gingen die müden Biker dann ins Bett.

Sa 4.September 1999 34.Tag

Grasano-Marina di Ginosa 82.8 Km T:2362.2

Wir unterhielten uns noch am Morgen mit einem Tierarzt, der zwei Wochen in Australien war. In der nächsten Stadt organisierte ich die Früchte, und Paris und Lena riefen Ihre Eltern in Australien an. Für Paris war es die erste längere Reise, und so waren seine Eltern sehr besorgt um ihn. Lena hatte Heimweh und wollte im Dezember wieder zurück nach Australien. Sie vermisste Ihre Freunde und Eltern. Sie hat eine interessante Mutter, die mit 52 Jahren noch als Backpackerin in Südamerika herumreist und ein Jahr in Kanada arbeitet. Ihre Eltern sind geschieden - angeblich ist die Scheidungsrate in Australien auch enorm hoch. Paris‘ Vater ist Journalist und arbeitet unter der Woche in einer anderen Stadt. Er kommt nur am Wochenende nach Hause. Auch irgendwie merkwürdig. Paris liebt das Meer wie ich die Berge. Er ist in einer Surferfamilie aufgewachsen und sein Bruder ist professioneller Surfer, der den Wellen und Rennen nachreist. Paris wurde auch angefragt, doch für ihn war die Uni wichtiger als das Surfen. Seine Familie hat drei Häuser an verschiedenen Stränden. Und ein Surftag sieht folgendermassen für ihn aus: 06.00 Uhr aufstehen und zum Beach gehen. 10.00 kurzes, halbstündiges Morgenessen. Bis 12.00 im Wasser, dann 30min. Mittagessen. Durchsurfen bis Sonnenuntergang. In Ginosa machten wir ein kleines Picknick und unterhielten uns mit den Einheimischen. Und ganz langsam kamen wir irgendwie in Mare di Ginosa an. Wir konnten für 6.50Fr. die Nacht campen.

So 5.September 1999 35.Tag

Ruhetag

Heute machten wir nicht viel. Ich lief meine Km, wusch meine Kleider, las ein wenig und faulenzte. Heute hatte ich sechs Glaces gegessen - die sind hier in Italien echt spitze. Lena fand, ich übertreibe. Ich dachte, wäre toll, die 10 zu erreichen, liess es aber dann doch bei 6. Wir sprachen seit Potenza davon, dass wir eine Pizza essen gehen sollten, doch wenn wir wollten, waren Pizzaioli am Strand am flirten. So assen wir immer was anderes. Die Italiener lieben es, am Abend spazieren zu gehen. So sperrt di Polizia die Strasse ab, damit alle spazieren können ohne überfahren zu werden. Irgendwie war das was Neues, besonders für Australier.

Mo 6.September 1999 36.Tag

Marina di Ginosa-Brindisi 113.81 Km T:2476.1 Km

Lena und Paris schliefen noch, als ich bereits alles gepackt hatte. So kochte ich noch schnell Wasser für einen Kaffe. Als die beiden dann müde aus ihren Betten krochen, gab’s was Gutes zu essen. Melonen. Wir tauschten noch schnell die Email Adressen aus und dann hiess es goodbye und bis in Australien. Ich bin ja schon auf dem Weg. Ach, diese Abschiede! Um 11.00 Uhr fuhr ich los. Meine Gedanke war, so schnell wie möglich in Brindisi sein, die Post aufzusuchen und dann mit der Fähre am Abend Richtung Igomenitsa düsen. Ich war sehr schnell in Brindisi: Mit einem Durchschnitt von 23.5Km/h war ich nach 4 Stunden 51min 29 sec. am Ziel. Doch der Heilige Märtyrer San Teoolona vermasselte meinen Plan! (Danke!): Der Schutzpatron von Brindisi hatte heute seinen Tag. So war für 3 Tage Feiertage in Brindisi. So suchte ich die Jugi auf. Luigi, der eine Mitarbeiter war im Begriff, rennen zu gehen. Ich fragte, ob er Lust hätte, mit mir zu rennen. So checkte ich ein, zog mich um und lief mit Luigi, der alle 15 min Dehnpause machte, 1 Stunde lang durch Brindisi. P S: Brindisi ist keine gute Stadt für Läufer. Luigi erzählte mir die Geschichte eines Amerikaners, der 1982 in die Jugi kam. Der Amerikaner war schon lange unterwegs. Eines Tages kam er alleine in Brindisi an. Man dachte sich nicht viel von ihm, halt ein Neuer, nicht mehr und nicht weniger. Man sah ihn mit den Leuten sprechen. Eines Tages war er alleine in seinem Zimmer er schloss die Türe hinter sich zu, befestigte einen Strick an der Decke, nahm einen Stuhl, stellte sich darauf legte den Strick um seinen Hals zog ihn langsam fest. Vermutlich überlegte er es sich noch einemal, fällte seine letzte Entscheidung und sprang. Es war ein kurzer und entscheidender Sprung. Stunden später fand man die Türe verschlossen vor, zuerst machte man sich keine grossen Gedanken. Man klopfte ein paar mal an die Türe. Als nach Minuten keine Antwort kam, holte man den zweiten Schlüssel. Alle standen für wenige Sekunden vor der offenen Tür. Es herrschte für ein paar Sekunden Stille. Der Tote hing seelenruhig am Strang. Niemand hätte das erwartet. Wieso hatte er das gemacht? Ich hätte es gerne herausgefunden. Doch später dachte ich nicht mehr daran und vergass es. Luigi arbeitet seit 1992 in dieser Jugi. Einmal schliefen 2 Mädchen in einem Zimmer. Um 03.00 Uhr Morgens gab es einen Riesenkrach, die Mädchen liefen in Nachthemd aus der Jugi heraus in Zentrum. 2 Tage später kamen Sie im Nachthemd mit der Polizei zurück, um Ihre Sachen zu holen. Sie sprachen davon, dass jemand sie berührt hatte und dass die Türen auf und zu gingen. Ich schlief jedoch ohne Probleme. Auch blieben die Türen geschlossen. Als Abendessen gab es Reis und Brot, echt einfach und gut. Ausser mir waren 5 Mädchen aus Australien, ein Typ aus Australien, ein Türke, und ein ex Alkoholiker und Fixer da. Seine Geschichte ist interessant. Er ist auf Achse, da seine „Alte“ sich mit Drogen vollpumpte, um sich danach aus dem Fenster zu stürzten. Nun ist sie im Spital, das zweijährige Kind bei der Tante. Die Wohnung wurde geräumt und nun ist er in Brindisi und wartet auf den Termin für den Anwalt wegen dem Erziehungsrecht. Man sieht ihm seine Vergangenheit an. Mager, schiefe Zähne, sieht nur noch mit einem Auge und auch nur noch 50 Prozent. Für die Nähe benutzt er eine einfache 5.-Fr.-Lupe. Sein Becken wurde operiert. Ich möchte wirklich nicht in seiner Haut stecken! Das einzige, auf das er wirklich stolz ist, ist sein Sohn.


Fähre Richtung Griechenland

Di 7.September 1999 37.Tag

Warten auf die Fähre!

Auf der Post war mein Paket (natürlich) nie angekommen; ich gab die Adresse von Istanbul an. Eigentlich denke ich, es nützt vermutlich nicht mehr viel. Mit den letzten 4'000 Lira (4.-Fr.) ging ich zum Markt. Zuerst schaute ich mir alle Stände und Preise an. Dann schlug ich zu: Ich handelte und bekam dann 3 Bananen, 5 Birnen, 500g Trauben, 2 Tomaten, 3 Brötchen und 150g Mozzarella. Ich fand das gar nicht mal so schlecht. Der Markt gefiel mir ganz gut. Ich beobachtete die Leute und die Gesichter der Handelnden. Das war für mich sehr interessant. Danach buchte ich die Fähre für 45.-Fr. Ich bezahlte mit der Visa. Die Agentur schickte mich zur Polizei, wo ich die Postkarte stempelte. Und nun hiess es vier Stunden ohne Geld warten. Ich ging dem Hafen entlang und sah eine Riesenyacht. Am Mast wehte eine deutsche Fahne und ein Mann machte Reparaturarbeiten. Ich sprach ihn auf deutsch an. Er wäre kein Deutscher, er komme von der Ukraine und mache hier die Instandsetzung der Yacht. Er warte auf Instrumente und auf die restliche Crew. Normalerweise würde er ganz grosse Schiffe steuern. Das wäre nur ein kleiner Auftrag. Er sei in der UdSSR 6 Jahre in Ausbildung gewesen. Es war sehr interessant, mit ihm über die See zu sprechen, er lud mich ein, die Yacht anzusehen. Es war ein herrlicher Anblick, diesen ganzen Luxus anzusehen. Es gab ein grosses Wohnzimmer mit einer immensen Couch. Die Küche war mit allem möglichen ausgestattet: Mikrowelle, Elektroherd, Kühlschrank, etc., etc. und alles war natürlich nur mit den teuersten und exklusivsten Materialien ausgekleidet. Das Schlafzimmer war das schönste von allen Zimmern. Mit Fernsehen, Video und Satelliten ausgestattet und einem samtweichen Bett. Es war fast deprimierend, so viel Luxus zu sehen. Doch bin ich eigentlich mit meinen kleinen Dingen und der "Long Lady" ganz zufrieden. Später nahm ich mir die Zeit, endlich mit dem Fahrtenbuch anzufangen. So zeichnete ich die gefahrene Route auf und klebte ein paar Postkarten und Prospekte hinein. Ein Franzose sprach mich an. Er warte seit drei Tagen auf sein Geld und die Post wüsste von nichts. Ich sagte, er soll es mal bei Western Union probieren, könnte sein, dass die Überweisung dort wäre. Nach 10 Minuten kam er glücklich zurück und wir lachten darüber, dass er drei Tage vergebens in Brindisi die Post verflucht hatte. Er lud mich auf ein Bier ein, was ich gerne annahm, da ich absolut pleite war. Um 19.30 checkte ich bei der Fähre ein. Ass ein paar Sandwiches und traf dann fünf Berliner Jungs, jeder ein Überlebenskünstler für sich. Sie waren Musiker und setzten sich mit verschiedenen Projekten auseinander.

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