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Reisebericht Iran 2. Teil


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Sa 1. Januar 2000 153. Tag

23. Tag Ramadan in Teheran

Neujahr

Mehdi, der Millionär aus Dizin, rief mich um 10.00 Uhr an. Wir entschlossen, einen Ausflug in die Berge zu machen, um dort ein Picknick zu halten. So trafen wir Mehdi. Er kam mit einer riesigen Limousine, und das sieht man im Iran äusserst selten. Wir fuhren auf eines seiner Grundstücke, das 2500 m2 gross ist. Ein Garten, in dem er eine neue Villa bauen will. Der Garten liegt ausserhalb Teherans. Da in der Stadt die Luftverschmutzung sehr gross ist, bevorzugen die Reichen es, ausserhalb oder in der Nähe der Berge zu wohnen, wo die Luft ein wenig besser ist. Nun, wir fuhren nach Shemshak und nach Dizin. Dort assen wir etwas kleines und fuhren am Abend wieder zurück. Wir machten ab, dass wir morgen nach Hamedan fahren. Das liegt nahe der irakischen Grenze und ist etwa 460 km südwestlich von Teheran gelegen. Wir verabschiedeten uns um 17.00 Uhr von Mehdi und gingen Pizza essen. Ich und Sami waren müde und gingen schon um 23.00 Uhr schlafen. Doch Toni ist verrückt, er hat eine 18 -jährige Freundin, mit der er fast jeden Abend telephoniert, von 22.00 - 6.00 Uhr. Und was wirklich verrückt ist, seine Freundin Sarah will, dass er in einer geheimen Sprache mit ihr spricht, damit absolut niemand etwas versteht, was sie miteinander sprechen. Ich finde das doch ziemlich kindisch und ausserdem nicht gut, dass man so lange telephoniert. Das ist etwas, was ich nicht verstehen kann.

So 2.Januar 2000 154. Tag

24. Tag Ramadan Teheran-Hamedan-Teheran 920 Km

Am Morgen um 3.00 Uhr war ich dann wütend auf Toni, da er absolut keine Rücksicht nahm auf unseren Schlaf. Er unterhielt sich sehr laut mit Sarah und lachte so blöde. Um 5.00 Uhr standen ich und Sami auf und sagten Toni, er soll jetzt aufhören zu telephonieren, da wir Mehdi um 6.00 Uhr auf der Schnellstrasse nach Hamedan treffen würden. Wir fuhren mit seiner Limousine mit bis zu 180 Km/h Richtung Hamedan. Unterwegs machten wir ein Picknick. In Hamedan gab es zwei historische Tafeln, die ein König hinterlassen hatte. Auf denen steht geschrieben, dass er den Gott, der alles erschaffen hat, ehrt. Die Tafeln waren aus Granitstein, die Zeichen in einer Nadelschrift eingemeisselt. Der Ort liegt am Fuss eines Berges und es gibt einen kleinen Fluss und einen Wasserfall. Wir stiegen den Berg hoch, von dem man eine ausgezeichnete Aussicht hat. Dann ging's zurück nach Teheran. Wir assen noch in einem Restaurant Reis und Yoghurt und kamen um 17.00 Uhr in Teheran an. Ich besorgte mir ein Schutzmaske, welche man so oft an den Leuten sieht. Ja, Teheran ist weltweit eine der Städte mit der höchsten Luftverschmutzung. Das kommt daher, dass es 2 Mio. Autos gibt, die meist sehr alt sind und natürlich keine Filter haben. Geschweige die Fabriken. Umweltschutz ist noch kein grosses Thema. Nun, Kathami hat in der Zeitung verkündet, dass sie einen 10 -jährigen Plan machten gegen die zunehmende Luftverschmutzung. Hoffentlich machen da nicht zu viele Menschen die hohle Hand und wirtschaften das zur Verfügung gestellte Geld in ihre eigenen Taschen.

 Mo 3. Januar 2000 155 Tag 

25. Tag Ramadan in Teheran 

Am Morgen rief ich der Schweizer Botschaft an. Man sagte, dass dort kein Paket wäre und sie zur südlich gelegenen Post gehen müssten, was ich so verstand, dass es für die ach so gestressten und absolut nicht hilfsbereiten Diplomaten fast unmöglich ist, mir meine Post auszuhändigen. Ich solle später am Nachmittag nochmals anrufen. Nun, eins ist mir klar: diese Botschaft verdient ihren Namen nicht. Das sind solche Idioten und so unfreundliche Typen. Auf der Iranischen Post empfing ich eine Neujahrskarte, und das stimmte mich dann ein wenig fröhlicher. Danach ging ich ins Internetcafe, wo ich 27 Mails bekam. Danke für all eure Mails. Ich habe mich sehr gefreut über so viel Nachrichten und darüber, dass so viele Leute hinter mir stehen und sich für das interessieren, was ich mache. Hätte ich nicht gedacht. Es schrieben Leute, die auch wie ich auf eine grosse Reise gehen oder noch in Planung sind. Leute, ich hoffe, dass auch ihr soviel Fun haben werdet wie ich habe. Nun lasst euch nicht erschrecken, wenn Leute sagen, dieses Land sei gefährlich oder dort seien nur schlechte Leute. Ich machte bis jetzt die Erfahrung das gerade in diesem Land die Leute am freundlichsten sind und einander helfen. Ich war den ganzen Tag im Internetcafe und schrieb. Die Botschaft hatte keine bessere Auskunft, als dass es möglich ist, dass ich noch zwei Wochen warten müsse. Und sie machten mir fast den Vorwurf, dass ich was auf ihre heilige Botschaft schicken liess. Auf so eine „Hilfe" kann ich wirklich verzichten. Das nächste mal versuche ich es mit der Deutsche Botschaft oder eventuell einer anderen Adresse. Die Schweizer sind von jetzt an für mich gestorben


Der grosse Bazar von Teheran

Di 4.Januar 2000 156. Tag

26. Tag Ramadan in Teheran

Am Morgen ging Sami arbeiten und Toni schlief, da er bis in den Morgen mit seiner Freundin Sarah telephoniert hatte. Ich machte mich auf den Weg zum Internetcafe. Mein Freund war sehr schnell und hatte die Berichte, die ich gestern geschrieben hatte, bereits korrigiert und zurück gemailt. So fügte ich sie in die Homepage ein. Ich rief die Botschaft an, die hies mich später nochmals anzurufen. So begab ich mich am Nachmittag zum City Park, wo ich ein wenig las. Dann suchte ich eine Telephonkabine. Die Leute gaben mir ihre Telephonkarte. Ich rief nochmals auf der Botschaft an und es hiess, dass ein Angestellter zur Post fahren müsse und eventuell viele Dokumente ausfüllen müsse wegen dem Zoll etcetera und ich solle in zwei Tagen nochmals anrufen, um zu sehen, was für mich angekommen war. Na ja, mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich ging dann zum grossen Bazar, wo ich mehrere Stunden umherirrte, es ist einfacher, in den Bazar rein zu kommen als wieder raus. Ein riesiges Labyrinth mit Gängen und Ständen! Man passiert -zig gleiche Teppichhändler oder einen Gang voller Stoffverkäufer. In den Gängen herrscht ein reges Getümmel. Boys schieben ihre Karren durch die Gänge und versperren so die Gassen. Motorräder und Autos und -zig Menschen stressen umher. Ein unvorstellbares Gewühl, wie in einem Binnenhaus. Mit dem Bus fuhr ich dann zum Zimmer, dort assen wir und spielten danach Karten. Am Abend war ich zu müde, um noch was zu machen.

Mi 5. Januar 2000 157. Tag

27. Tag Ramadan in Teheran

Am Morgen ging ich zusammen mit Sami in die Stadt. Ich sah eine einfach eingerichtete Glasschleiferei, die hauptsächlich mineralische Gläser verarbeitet auf ziemlich alten, ja fast selbst ausgetüftelt anmutenden Maschinen. Als ich das sah, dachte ich, die Abbildung dieser Gläser sei bestimmt nicht so gut. Sie verarbeiten auch sehr viel Phototropegläser ( diese werden bei UV-Licht dunkel wie eine Sonnenbrille). Es war auch sehr interessant, die Verkaufsstände zu sehen, wo man für ein paar Dollar Brillenfassungen aus Korea oder Italien bekommt, meistens einfache Nachahmungen. Was mich erstaunte, ist, dass die Originale - zum Beispiel Police-Sonnenbrillen - doppelt so teuer sind wie in der Schweiz. So eine Brille wird jedoch nur von den sehr reichen Nordteheranern gekauft. Ich sah am Abend auch noch Samis Freundin Pani, die beiden wollen demnächst heiraten. Später gingen wir dann noch zu den Evin Darakeh Mountains, wo wir ein Feuer und Picknick machten. Die Berge sind hier einfach ein Traum. Es ist auch sehr einfach, dorthin zu kommen. Von Samis und Tonis Kellergeschoss (das zunehmend dreckiger wird) hat man 30 min bis zu den Bergen.

Do 6. Januar 2000 158. Tag

28. Tag Ramadan in Teheran

Als ich aufwachte, rief ich als erstes auf der CH-Botschaft an. Sie sagten mir, dass es nicht einfach war, die Pakete vom Zoll zu bekommen. Man musste die Beamten sogar bestechen. Da es eine spezielle Genehmigung braucht, um Contactlinsen zu importieren. Nun, ich muss das Bestechungsgeld und 30 min des Beamten bezahlen. Natürlich hat dieser Beamte einen Schweizer Lohn. Was mit 120.-Fr. Pro Stunde honoriert wird. So ging ich zuerst mit Sami Dollar wechseln und dann zur Botschaft. Dort erhielt ich dann die drei Pakete gegen ein Lösegeld von 84.- Fr. Das wichtigste Gerät bekam ich dennoch nicht: Den Höhenmesser von Thomen. Nun, in Zukunft muss ich mir eine andere Art des Versands aussuchen. Vielleicht mit DHL, muss noch abklären, was gut sein könnte. Mit der Post ist das in diesen Ländern nicht so einfach. Die Botschaft hatte auch nicht grosses Interesse, Postannahmestelle für ihre Bürger zu spielen, da sie sooooo viel wichtigeres zu tun haben. Ich freute mich jedoch sehr, Post erhalten zu haben. Danke für die Einladung zur Party, die im November war - kam ein wenig spät an, sonst wäre ich pünktlich gewesen! Der Käse war jedoch nicht mehr geniessbar, doch die Schoggi war der Schlager, sodass wir Sami, Toni, die Schneider von nebenan und ich sie innert Kürze verschlangen. Den Rest des Abends spielten wir Schiffliversenken und Ciao Sepp.

Fr 7. Januar 2000 159. Tag

29. Tag Ramadan in Teheran

Den ganzen Tag blieben wir im Kellergeschoss - keiner von uns hatte Bock, raus zu gehen. Wir verbrachten den Tag mit Spielen. Am Abend gingen wir in die Darband Berge. Ich war jedoch sehr müde und fühlte mich wie 60 Jahre alt. So entschieden wir, in einen Coffee-Shop zu gehen. Und dort trafen wir eine Gruppe Deutscher, die für zwei Wochen im Iran ist. Sie sind voller Vorurteile gegen das Land und die Leute. Ich versuchte, ihnen so gut es ging ihre Vorurteile auszureden. Es ist fast ein arrogantes Auftreten, das wir Europäer haben. Meinen wir doch, viel besser zu sein, meinen dass wir, weil die Frauen gleichberechtigt sind, ein besseres Leben haben und so weiter. Nein, Leute, das finde ich nicht!!! Klar, viele Sachen sind hier noch ganz anderes. Die Familie ist noch ein festes Glied, das in allem, aber auch wirklich in allem, zusammenhält. (Ausnahmen gibt es natürlich auch). Es ist klar, dass es immer jemanden gibt, der eben in gewissen Punkten nachgibt. Nicht immer der Mann!!! Das möchte ich hier der westlichen Welt mal klarmachen. PS.: Auch ich hatte starke Vorurteile. Nun, wenn ihr hierher kommt, nehmt Euch Zeit, mit den Leuten zu sprechen und lernt sie kennen!


Darakeh und Darband Mountain

Sa 8. Januar 2000 160. Tag

Der Ramadan ist zu Ende jetzt dürfen wir wieder ….. In Teheran

Wie der Titel schon sagt, jetzt dürfen wir wieder rauchen, trinken und mit unseren Frauen schlafen. Der enthaltsame Monat ist um. Und es war auch ein super Tag. Ich ging mit Sami zum Evin Darakeh Mountain. Toni hat wieder die ganze Nacht mit Sarah telephoniert, und war somit zu müde, um mitzukommen.

Mo 10. Januar 2000 162. Tag

Teheran

Auf dem Weg zum Internetcafe sah ich eine Bücherei, die englische Bücher verkauft. Ich ging hinein und sah mir die Bücher an. Es waren Lehrbücher für die englische Sprache. Die meisten waren Kurzgeschichten wie z.B. Gullivers Reisen, Robinson Crusoe, In 80 Tagen um die Welt, etc. Bücher mit 100 Seiten. Ich nahm 6 Bücher und ging zur Kasse. Als ich sah, dass die Bücher so günstig waren, nahm ich nochmals 6 Stück. Ich bezahlte für 12 Bücher nicht einmal 4$. Und das Gute ist, wenn ich sie gelesen habe, kann ich sie weitergeben, so dass ein anderer auch was davon hat. Im Internetcafe schrieb ich noch ein paar Texte und mailte sie meinem Freund. Um 15.30 Uhr rief ich die armenischen Mädchen an. Sami konnte ich leider nicht erreichen; wie sich später herausstellte, war er am Geld besorgen für die Flucht nach Pakistan. Ich ging also alleine zu den Mädchen. Wir entschieden, nicht in die Berge zu gehen, da es dort zu gefährlich ist. Wenn die Polizei uns fragt, wieso ich mit den Mädchen rede, könnte das für die Mädchen grosse Probleme geben, vielleicht sogar für mich. Nun, so blieb ich im Haus der Mädchen und unterhielt mich grossartig mit ihnen. War schön, wieder mal nach langer Zeit offen mit Mädchen zu sprechen, die eine andere Welt (Amerika) gesehen hatten. Am Abend waren Sie eingeladen bei einem Verwandten, den das eine Mädchen schon seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Sie nahmen mich mit. Es war eine junge Familie und das erste, was ich gefragt wurde, als ich Platz nahm, war, ob ich ein Glas Whisky möchte. Es gab ein reichliches Mahl mit Spieschen, wie ich sie noch nie zuvor gegessen habe. Später schauten wir das Hochzeitsvideo an. Ich sah jedoch nicht so viel, da ich mich ausgiebig mit Christine unterhielt. Um 1.30 Uhr löste sich die Gesellschaft auf. Der Gastgeber fuhr mich dann zum Kellergeschoss. Dort weckte ich Sami auf, der mich ein wenig böse und verschlafen aussah. Sorry Sami.

Di 11. Januar 2000 163. Tag

Teheran-Shiraaz 1000 Km

Ich schlief mal aus, und den Rest des Tages lass ich 3 Bücher. Um 16.00 Uhr gingen wir Richtung Busterminal, dabei sah ich ein kleines, 3-rädriges Auto. Als ich ein Photo machen wollte, kam der Besitzer und stellte das Auto anders, damit ich ein noch schöneres Bild machen könne. Der Mann war der Konstrukteur des Minijeeps; er lud mich auf eine Probefahrt ein. Das war sehr erstaunlich, denn der Wendekreis-Radius war immens klein. So fuhren wir auf dem Fussgängerstreifen und machten eine 360 Grad Wendung. Er fuhr wie ein Irrsinniger. Eins sage ich euch: Den Elchtest hat er bestanden. Halb schwindlig stieg ich aus dem Gefährt aus und war froh, dass nichts passiert war. Der Mann war sehr nett und lud uns zum Tee ein. Sami rauchte als einziger und der Mann sprach mit Sami, der darauf die restlichen Zigaretten wegwarf und schwor, nicht mehr zu rauchen. Ich drücke Dir die Daumen. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, aufzuhören. Und Sami wird in nächster Zeit reichlich Stress haben, wenn er es bis nach Pakistan schafft. Wie leicht fängt man da wieder an zu rauchen. Auf dem Weg zum Taxi, das uns zum Busterminal bringen würde, erinnerte ich mich daran, dass ich noch kein Photo von Toni hatte. Sami ging zurück zum Kellergeschoss und brachte auch noch Toni mit. So gingen wir alle zusammen zum Busterminal. Mein Bus stand schon bereit, und so war der Abschied kurz. Ich hoffe, dass ich meine neuen Freunde in Pakistan antreffen werde, wenn nicht, hoffe ich sie irgend eines Tages wieder zu sehen, denn ich hatte wahrlich eine grossartige Zeit mit ihnen, die ich nicht vergessen werde. Im Bus war eine ältere Frau, die allen Passagieren auf den Wecker ging. Sie machte laute Geräusche und bettelte herum. Ich habe nur Mitleid mit diesen Leuten. Es wäre schön, wenn es eine Welt gäbe ohne Armut. Ein Paradies für alle, doch das werde ich wahrscheinlich nicht auf dieser Welt finden. Oder hat jemand eine Idee, wo ich diesen Ort finden kann ?

Mi 12. Januar 2000 164. Tag

Shiraaz

Die Fahrt ging etwa 15 Stunden. So, dass ich um 9.00 Uhr morgens ankam. Ich besorgte mir Blumen und machte mich auf den Weg zu Mohammeds Haus. Ich erinnere mich, dass ich sagte, dass ich in 2 Wochen wieder komme. Nun ist das fast einen Monat her. Mohammed war froh, mich wider zu sehen. Ich sagte ihm, dass ich mein Iran-Visum verlängern müsse, da es am 19. Januar abläuft. So gingen wir zur Behörde. Ich musste 10.000 Rials bezahlen, mit der Quittung ging ich zum Büro zurück. Dort hiess es, ich bräuchte eine Passkopie und 2 Photos. So gingen wir die Passkopie besorgen für 600 Rials. Photos hatte ich in Mashad gemacht. 2500 Rials waren für den Beamten. Ich füllte ein Papier aus und gab an, ich wolle noch 2 Monate im Iran bleiben. Der Beamte sagte uns, wir sollten morgen wieder kommen. Ich hoffe, dass ich mindestens einen Monat bekomme, so kann ich noch zum Persischen Golf runter fahren, wo es 30 Grad warm ist. Den Rest des Tages packte ich mein Rad und ich traf noch Ali. Mit ihm ging ich zu einem Internetcafe dort fügte ich die Texte in die Homepage und schrieb ein paar Malis. Dann traf ich Mohammed und wir spielten Karten. Am Abend gingen wir noch Pizza essen und so war dieser Tag gelaufen. 

Do 13. Januar 2000 165. Tag

Shiraaz-Kehrame 96.5 Km T: 6628.5 Km

Ich schlief bis 9.00 Uhr aus. Dann machte ich mich auf denn Weg, um meinen Pass zu holen. Ich bekam eine Verlängerung, jedoch nur bis zum 1. Februar 2000, so muss ich mich also auf dem direktesten Weg nach Pakistan begeben. Meine Route sieht so aus, dass ich nach Kerman, Bam, Zahedan und dann in Mirjawe nach Pakistan einreise. Man warnte mich viele male von dem wilden Baluchistan; ich werde in Kerman sehen, wie die Lage aussieht. Natürlich werde ich keine unnötigen Risiken eingehen. Die Gefahr besteht darin, dass der Iran beschlossen hat, gegen die Einfuhr von Drogen zu kämpfen. Die Drogen kommen alle vom Nachbarn aus Afghanistan. Vor ein paar Monaten hat man Touristen entführt, da die Polizei einen Drogenboss gefangen genommen hatte. Man erpresste damit die Regierung, um den Boss frei zu bekommen. Man entführte die Touristen mit Maschinengewehren aus dem Hotel heraus. Die Regierung liess den Boss dann frei und die Banditen hielten ihr Versprechen und liessen die Touristen laufen. Die Polizei fand später die Kidnapper und es gab einen Strassenfight in Kerman. Dabei wehrten sich die Entführer Bazukkas verbissen, doch die Polizei überwältigte sie und alle einschliesslich des Bosses kamen ums Leben. Es gab noch einen weiteren Vorfall in Bam, wo es eine Schlacht gab, dabei kamen 30 Polizisten um. Die Drogenschmuggler besitzen die besseren Waffen und haben natürlich auch mehr Geld zur Verfügung als die Ordnungshüter. Der Krieg gegen die Drogen ist ein ernst zu nehmendes Problem, das international bekämpft werden sollte, gibt es doch in Europa wesentlich mehr Drogenabhängige als in Iran. Ich bin davon überzeugt dass sich in Deutschland mehr Süchtige befinden als im Iran. (Ich nahm das Beispiel Deutschland, da es etwa gleich viele Einwohner hat wie der Iran). So sollte es im Interesse aller Nationen sein, dass man gegen Rauschgift kämpft. Ich hoffe, dass sich Afghanistan wirtschaftlich erholt, um somit nicht mehr vom Drogenexport leben zu müssen, der zurzeit die höchste Einnahmequelle ist. Um 12.00 Uhr war ich dann wieder auf dem Rad. Ja, Leute, ich war ein wenig faul gewesen in letzter Zeit und ich denke, dass ich dabei ein wenig zunahm. Also wird es wieder Zeit, was für den Körper zu tun. So trat ich in die Pedalen. Nun, die Gegend ist wüstenähnlich und wenig abwechslungsreich. Als die Sonne unterging, erreichte ich ein kleines Dorf namens Kermane. Ich fragte Leute, ob es eine Moschee gebe, in der ich schlafen könnte. Das gab es nicht. Doch man lud mein Rad auf einen Pick-up und fuhr mich zu einer Kaserne. Dort wurde ich zuerst von allen umzingelt, dann wurde ich vor ein Haus geführt. Die Leute suchten denn Schlüssel - das dauerte ein wenig, bis man die Person fand die den Schlüssel hatte. In der Zeit erfuhr ich, dass hier drei Engländer mit dem Rad vorbeigekommen waren. Leider erfuhr ich nicht, wann. Der Raum, in dem ich bleiben durfte, war sehr gemütlich. Wie im Hotel - hatte sogar einen Fernseher, den ich jedoch nicht benützte. Ich ging relativ früh ins Bett da ich sehr müde war.

Fr 14. Januar 2000 165. Tag

Kerame-Estahbanat 103.3 Km T:6731.9

Um 7.00 Uhr war ich auf den Beinen. Als ich was einkaufen gehen wollte, folgten mir die Leute. Als ich dann bezahlen wollte, übernahm einer der Männer die Rechnung. Einer der Männer führte mich auf die Strasse, die nach Neiritz geht. Sagte er wenigstens. Auf meiner Karte waren grosse Seen eingezeichnet, die innert 25 Km folgen sollten. Die ersten 10 Km waren asphaltiert. Danach 35 Km nur Schotter die schlechteste Strasse seit Beginn meiner Reise. Von Seen war nichts zu sehen, stattdessen ging es den Berg hoch. Mit dem kleinsten Gang schaffte ich es gerade, jedoch nur mit allerhöchster Anstrengung. Die Steigung schätzte ich auf über 20 %. Ich sah ein, dass dieser Weg zwar nach Neiritz führt, doch war es nicht der Weg, den ich eigentlich fahren wollte. So kann das halt manchmal gehen. In Estahbanat fragte ich wieder, ob es in der Moschee möglich wäre, zu schlafen. Doch auch hier sind sie nicht auf Reisende vorbereitet. Man brachte mich zum einzigen Hotel, das es hier gibt. Als man sah, dass ich ein Europäer bin, kostete die Nacht 20$. So fuhr ich weiter. In einer Seitenstrasse sah ich ein Haus, das einen riesigen Garten hatte mit mehreren Bäumen darin. Ich dachte, dass ich ja die Leute fragen könne, ob es möglich wäre, im Garten zu schlafen. Es waren zwei dickere Leute, die in der Küche waren und mich sehr freundlich empfingen. Ich bekam Tee und Brot. Es kamen und gingen ständig Leute ein und aus. So dachte ich, dass es sich vielleicht um ein Restaurant handelt. Später stellte ich die Hängematte auf. Ich stellte fest, dass sie an mehreren Stellen sehr hart war. Ich denke, dass sich ein Schimmel bildete, nachdem ich die Hängematte einmal nass versorgt hatte. Ich werde sie demnächst mal waschen müssen und hoffe, dass die Verhärtung weg geht. Es kam später ein Mann, der hier eine Gasleitung baut und eigentlich in Esfahan lebt. Dieser Mann konnte ein wenig englisch. Er lud mich ein, im Haus zu übernachten. Die Leute waren sehr freundlich und nach dem Abendessen spielten wir Pingpong (Tischtennis). Ach ja ich vergass noch: Heute sah ich mein erstes Kamel auf einem Toyota Pick-up vorbeiflitzen.

Sa 15. Januar 2000 167. Tag

Estahbanat-Neiritz-Quatrumye-40 km danach in der Wüste 133 Km T: 6865.5 Km

Am Morgen wachte ich auf, da zwei Männer ihr morgendliches Gebet sangen. Ich fragte sie, ob sie das jeden Morgen machen und wann sie aufstehen dafür. Die Antwort war ersten ja und zweitens dass es von der Sonne abhängt; von 2-5 Uhr Morgens, je nach Jahreszeit und je nachdem,. wann die Sonne aufgeht. Es gab ein Linsensuppe zum Morgenessen, dann packte ich meine Sachen und kontrollierte noch schnell das Rad - dann ging’s los. Die Leute gaben mir noch Früchte mit auf den Weg. Es ging entlang einem Tal, die Berge hoch und dann in einer 17 Km Abfahrt runter nach Neiritz. Ich hatte meine Jacke nicht angezogen und fror ganz schön. Das hatte eine Nachwirkung, und zwar dass ich eine halbe Stunde lang schlotterte in einer Sandwich Bar. Die Leute machten sogar den Ofen an. Das war mir eine Lehre, dass ich die nächste Abfahrt was warmes anziehe. Neiritz liegt in einem Tal, umgeben von Bergen. So war es natürlich, dass ich nach der Abfahrt 15 Km, also 1 1/4 Stunden wieder den Berg hoch kroch auf der anderen Seite. Doch darauf folgte wieder eine herrlich lange Abfahrt nach Quatrumye. Das ist ein sehr kleines Dorf. Dort kam ich um 15.00 Uhr an und wurde von einer riesigen Schar umzingelt, als ich eine Cola trank. Ich sah, dass auf meiner Karte das nächste Dorf 25 Km entfernt liegt. Tatsächlich aber gab es die nächsten 110 Km auf dieser Strasse nichts mehr ausser Wüste und Steine. Das wusste ich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und so kam es, dass ich eine Stunde fuhr und nichts sah. Es war nun 16.10 Uhr, und ich entschied, noch eine Stunde zu fahren und Ausschau nach einer Hütte oder etwas ähnlichem zu halten. So fuhr ich bis 17.10 Uhr, mit dem Ergebnis, dass ich nichts fand. Es gab nun zwei Möglichkeiten. Erstens einen Wagen zu stoppen und mitzufahren oder zweitens unter einer der vielen Brücken zu schlafen. Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. So fuhr ich von der Strasse runter unter eine der Brücken. Nun war ich 40 Km von der nächsten Siedlung entfernt. Dachte ich. Zum Glück habe ich alles, was es braucht, um in der Wüste zu überleben. So richtete ich mit dem letzten Sonnenlicht ein sehr komfortables Lager ein. Ich machte ein Windschutz mit dem Rad und fing an, Teigwaren und Porridge zu kochen. Als die Sonne unterging, sah ich die Sterne hell leuchten. Das war herrlich. Weniger herrlich war, dass ich Durchfall hatte und ständig in die kalte Nacht hinausgehen musste, um mein Business zu verrichten. Die Nacht war kalt, doch mein Lager war sehr gut, sodass ich dort nicht fror.

So 16. Januar 2000 168. Tag

Von der Wüste nach Sirjan per Pick-up ca 90 Km

Ich stand müde und geschlagen auf. Ich hatte komischerweise Rückenschmerzen. Ich fühlte mich alt. Es regnete; ich konnte es fast nicht glauben! So montierte ich meine Regenausrüstung und fuhr los. Innert 18 Minuten wurde ich zweimal angehalten. Die Leute des ersten Trucks waren sehr nett und wollten mich mit nehmen. Da er jedoch Mist geladen hatte, lehnte ich dankend ab. Der zweite Pick-up nahm mich dann bis nach Sirjan mit. Ich war sehr froh, da später sogar Schnee fiel. Auf der ganzen Strecke sah man die Wüste und Berge. Der Mann, der mich mitnahm, erklärte, dass die Berge reich an Rohstoffen sind. So findet man hier Gold und ähnliche edle Erze. In Sirjan fuhr ich dann direkt zum nächsten Restaurant, wo ich eine Portion Reis ass. Es regnete unaufhörlich und es fing dann zu meiner Überraschung noch an zu schneien. Ich ging raus und fragte die Leuten: „Wo bin ich? Im Iran oder in der Schweiz?“ Ich kaufte ein Schreibheft und fing an, ein neues Reisebuch zu gestalten. Mein erstes war in der Phototasche und die hat nun ein anderer. Schade. Ich hatte keine Bilder oder fast gar nichts von der Schweiz, Italien, Griechenland und der Türkei. Schade. Doch ich hatte viele Bilder vom Iran gesammelt und war froh, dass ich wieder ein Heft hatte, das ich anderen Leuten zeigen konnte. Dieses Heft werde ich noch abwechslungsreicher gestalten. So schnipselte ich die ganze Zeit im Restaurant herum. Um 14.00 Uhr machte das Restaurant zu. Ich konnte bleiben, die Leute luden mich ein, die Nacht hier zu bleiben. Es waren drei junge Leute um die 30 herum. Der eine sah aus wie ein iranischer Sänger, den man oft auf Bildern sieht. Ein anderer hatte eine schwarzen Blick; er flüsterte immerzu mit dem anderen. Und da war noch der Küchenjunge, der ein schiefes Gesicht hatte (an die Optiker, schaute aus wie Otto, der Plastikkopf, an dem wir die Brillen an der LAP anpassen mussten). Ein Auge lag gut 7mm tiefer als das andere. Die Ohren waren versetzt und er schaute ganz kurios aus. Als Sie schlossen, ging ich mit ihnen in den ersten Stock in einen kleinen Raum. Dort rauchten die beiden erstgenannten Herren Opium. Sie fragten mich die ganze Zeit, ob ich rauchen wolle, doch ich lehnte ab. Dazu habe ich die Bilder im Kopf von Freunden, die um einen Fünfer betteln auf der Gasse. Nein, das möchte ich mir nicht antun. Als es Zeit wurde zum Schlafen machte ich mein Lager auf dem Boden ausserhalb des Raumes, da es im Raum schrecklich nach Opium roch. Ich hatte den ganzen Tag Rückenschmerzen. Als ich 20 Liegestützen machte, verschwanden die Schmerzen.

Mo 17. Januar 2000 169. Tag

Sirjan-Hane ye Sorh 60.9 Km T: 6934.7 Km

Ich fing an, das Wasser zu filtern, jedoch miefte das Wasser danach so sehr, dass ich keine Lust hatte, es zu trinken. Ich hatte, als ich den Filter das letzte mal benützte, nicht an der Luft getrocknet und so fing das Wasser an zu faulen. Nun habe ich einen miefigen Geruch. Ich reinigte das Keramikelement und liess den Filter an der Luft trocknen. Im Zentrum von Sirjan sah ich viele Leute versammelt. Es gab einen Trauermarsch zum Gedenken an den Krieg zwischen Iran und Irak. In jeder Stadt wird heute darum getrauert, so viele Menschen kamen damals ums Leben. Es regnete auch heute ein wenig. Dennoch wollte ich weiter reisen. Diesen Entschluss bereute ich später, als ich komplett nass war und fror. Die Strasse ging nämlich ständig aufwärts in die Berge. Dort lag 10cm Neuschnee. Ich kam 55 Km weit und entschloss mich, nun ein Auto anzuhalten, das mich eventuell mitnehmen könnte. Das erste Auto, das hielt, hatte keinen Platz. Darauf kam ein Polizeiwagen. Auf die Frage, wie es mir geht, sagte ich, nicht besonders gut. Sie gaben mir zu verstehen, dass nach 3 Km „Rettung“ zu erwarten sei: Die Polizeistation. Dort waren sie sehr hilfsbereit. Ich zog trockene Kleider an und liess die nassen Sachen trocknen. Dann trank ich Tee und war wieder glücklich. Ich las noch ein Buch. In 80 Tagen um die Welt. Dabei hatte dieses Buch (Raubkopie) ein paar Seiten zuwenig. Es gab wegen dem schlechten Wetter einen Unfall: Ein Truck stellte sich quer, und es gab einen Stau von 15 Km Länge. Der eine der Polizisten war ein sehr guter Zeichner und dadurch war eine Verständigung möglich, die sehr amüsant war.


Kerman

Di 18. Januar 2000 170. Tag

Hane ye Sorh-Kerman 148.3 Km T: 7083.1 Km

Da ich laute Stimmen von Jugendlichen, die eine Schneeballschlacht machten, hörte, wachte ich sehr früh auf. Die Polizisten machten ein Frühstück aus Käse und Brot. Einfach und gut. Dann ging’s los. Zuerst ein paar Km hoch. Ich musste sehr aufpassen, da es gut 20 cm Neuschnee hatte. Darunter lag Eis. Bei der Abfahrt überholte ich die Lastwagen. Es war sehr anstrengend und ich kam nur langsam vorwärts. Ein paar Mal rutschte ich auf dem Eis aus und fiel hin. Dann sah ich einen Truck, der vom Eis ins Rutschen und neben die Strasse geraten war. Der Motor lief noch, doch war niemand beim Truck. Die Strasse wurde immer schmutziger, je weiter ich kam. Ich war von einer braunen Brühe umgeben, die auf meine Kleider spritzte. Ich überholte viele Trucks und Pw's. Als ich dann weiter unten mein Rad abstellte, um mich ein wenig mit Schnee zu säubern, stellte ich fest, dass ich meine Laufschuhe und das Seideninled verloren hatte. Ich fuhr also den Berg wieder hoch, doch ich fand die vermissten Sachen nicht mehr. Meine Verlustrate ist eindeutig zu hoch. Nun habe ich so viel schon verloren. Es schmerzt immer wieder, wenn man was verliert, besonders wenn man nicht so viel hat. Doch mit der Zeit lernt man, ohne die Dinge auszukommen. Ich weiss auch, dass sich das ersetzen lässt. Nun, nicht immer einfach, gute Laufschuhe zu finden. Ich denke, dass ich warten muss bis Pakistan. In der nächsten Stadt wollte ich ein gemütliches Mittagessen machen. Doch die Leute liessen mich nicht in Ruhe. Das kann schon manchmal nerven, doch ich verstehe, dass ich für die Leute eine Attraktion bin. Ein lebendiger Zoo. So fühle ich mich teilweise. Besonders nervend sind die Motorradfahrer, die Km hinter einem herfahren. Es gab ein paar schöne Abfahrten heute, die ich wirklich genoss. Ich konnte mit bis zu 70 Km/h runterflitzen. In Kerman kaufte ich im Supermarkt was kleines ein. Ich fand sogar dunkles Brot. Dann suchte ich ein Guest House. Doch die Polizei von Kerman lässt keine Touristen in diesen Absteigen übernachten. So ging ich erst mal Pizza essen. Danach kam ich zu einem Hotel, das normalerweise 20-40$ die Nacht kostet. Ich sprach mit dem Manager, der ein gutes Herz hatte und mich zum Einheimischentarif übernachten liess. 5$ die Nacht ist ganz OK für dieses Hotel. Ich wusch meine Kleider und meinen Schlafsack und schaute noch ein wenig TV. So ging meine erste Nacht in Kerman zu Ende.

Mi 19. Januar 2000 171. Tag

Kerman

Auf der Suche nach einem Internetcafe fand ich einen Internetprovider, der in den nächsten Wochen seinen Service startet. Das Internet ist hier ganz neu und alles ist noch im Test. Ich fragte meine Mails ab, doch für ein paar Briefe brauchte ich eine Stunde. Der junge Geschäftsmann, der diesen Service anbietet, hat dieses Business eröffnet, mit zwei Freunden, die alle im Alter um 25 Jahre sind. Der Junge war sehr nett und verlangte nichts für die Benutzung des Computers. Später suchte ich ein Computergeschäft auf, wo ich die Berichte Tippen konnte. Um 14.00 Uhr machte das Geschäft Mittagspause für zwei Stunden. So ging ich ins Hotel zurück, wo ich mein Fahrrad wieder einmal wusch. Ich schmierte die Kette und tauschte die vorderen Bremsklötze mit den hinteren aus. Dann ging ich zurück zum Computergeschäft, wo ich die Berichte fertig schrieb. Zwei Jungs sprachen mich an. Sie seien Studenten, die einmal Touristenguides werden wollen. Ich solle doch morgen mit ihnen zur Schule kommen. So machte ich morgen früh mit den Jungs im Hotel ab. Den Abend verbrachte ich dann mit fernsehen und lesen. Die Fernsehkanäle bringen lauter Müll. Zweitklassige Seifenopern.

Do 20. Januar 2000 172. Tag

Kerman

Um 7.30 Uhr traf ich die beiden Jungs im Hotel. Wir fuhren mit dem Taxi in die Schule, wo ich die Attraktion war. Es war sehr schön; ich fühlte mich wie ein Star. Es kam sogar der Schulpräsident, der wollte, dass ich mit fünf Mädchen spreche, die nun 45 Tage lang abgesondert in der Schule leben und Englisch lernen. Es ist ihr 10. Tag und sie sollte ein Interview führen mit mir, damit ich sehen könnte, wie weit sie schon sind mit ihrem Englisch. Die Mädchen stellten mir allerlei Fragen und ich war sehr überrascht über Ihr gutes Englisch. Die jüngste war 19 Jahre alt und die älteste 26 Jahre. Nach 30 Minuten kam dann die Lehrerin. Sie war in England aufgewachsen. Ihr Vater ist Iraner. Es gefällt ihr sehr gut hier und sie hat einen guten Job als Lehrerin. Später wechselte ich Dollar in Rials um und liess meine Schuhe reparieren. Ja, das Futter war gerissen und so ging ich zu einen der vielen Schuhmacher, die auf der Strasse ihr Geschäft haben. Innert ein paar Minuten hatte er das Futter am Leder angeklebt und danach das Futter festgenäht. Und das alles für einen halben Dollar. Das gibt zu denken. Zu Hause wird nichts mehr repariert, alles wird nur noch weggeschmissen. Klar, die Leute haben hier auch nicht soviel Geld, dass sie es sich leisten könnten, neue Sachen zu kaufen. 

Fr 21. Januar 2000 173. Tag

Kerman-Neibid 97.2 Km T: 7183.1 Km

Als ich das Wasser gefiltert hatte, schmeckte es immer noch miefig obwohl ich den Filter gereinigt und trocknen gelassen hatte. Ich muss mir was einfallen lassen mit dem Filter, sonst habe ich Probleme in Indien. Unterwegs traf ich eine Familie, die mich zum Tee einlud. Sie würden 30 Km weiter ein Picknick machen und ich wäre herzlichst eingeladen. Ich sagte Ihnen, dass ich zuerst den heiligen Schrein in Mahan anschauen möchte, danach jedoch wäre eine kleine Pause ganz angenehm. So fuhr die Familie schon voraus. Der Schrein war in einem Garten gelegen. Ein wahrlich herrlicher Platz. Später traf ich die Familie wieder und ich unterhielt mich mit ihnen ein paar Stunden lang. Die Gegend hier ist eintönig. Wären die Berge nicht, hätte ich mein Rad schon längst auf einen Bus verladen. Neibid, ein Rastplatz mit einem Restaurant, einem Imbiss-Shop und einer Moschee, war mein Nachtlager. Ich war die Attraktion an diesem Ort. Na ja, viel kann ich nicht berichten von diesem Ort. Die Nacht verbrachte ich in der Moschee.

Sa 22. Januar 2000 174. Tag

Neibid-Bam 135.2 Km T: 7318.3 Km

Die Fahrt von Neibid nach Bam war einfach genial. Es ging stetig ein wenig abwärts; 1-2 %. Dazu hatte ich starken Rückenwind. So kam es, dass ich die 100 Km nach Bam in 3 Stunden schaffte. Bam ist eine Oase inmitten einer trostlosen Wüste. Es wimmelt nur so von Dattelpalmen. Ich fuhr noch ein wenig herum, sah mir die Festung an. Die Festung ist eine wahre Sandburg, gebaut mit Sand und Stroh. Man hat das Gefühl, es würde im nächsten Moment alles einstürzen. Doch die Festung steht seit hunderten von Jahren. Ich suchte dann ein Gasthaus, wo ich mich entschied, für ein paar Tage zu bleiben. Der Sohn des Besitzers brachte mich zu einem Fotogeschäft, wo ich einen Film entwickeln lies. Ich war erstaunt über die Qualität der Bilder, da die Kamera nun wirklich nicht viel wert ist.


Burg von Bam

So 23.- Di 25. Januar 2000 175.-177. Tag

Ruhetage in Bam

In diesen Tagen gönnte ich mir Ruhe. Ich schaute mir die Festung nochmals an. Kaufte einen Ersatzreifen für das Hinterrad und informierte mich über Pakistan. Es kamen auch ein paar Backpacker. Unter anderem Daniel, ein Schweizer, der nun ein halbes Jahr unterwegs ist und nun auf dem Weg in die Heimat ist. Wir entschieden uns, zusammen mit June, einem Koreaner, nach Kerman zu fahren, wo ich mein Visum verlängern lassen wollte.

Mi 26. Januar 2000 178. Tag

Bam-Kerman 226 Km

Der Bus brauchte 3 Stunden von Bam nach Kerman und kostete gerade einmal einen halben Dollar. In Kerman gingen wir zuerst einmal essen. Dann suchten wir Husein auf, den ich vom letzten mal her kannte und der ein Reisebüro besitzt. Ich sagte ihm, dass wir ein günstiges Hotel suchen und ich mein Visum verlängern lassen möchte. Er offerierte uns als erstes einmal Tee. Dann fragte er uns, ob wir Interesse hätten, am Abend eine traditionelle Sportart anzusehen. Wir sagten zu, dass wir uns um 19.00 Uhr bei ihm treffen würden. Dann brachte er uns zum Hotel, in ich zuvor schon einmal gewesen war. Wir handelten einen Preis aus: 25.000 Rials pro Person, was für dieses Hotel ein gerechter Preis ist. Wir gingen dann gemeinsam zum Bazar. Kerman hat einen wahrlich sehenswürdigen Bazar. Na ja, das was die Händler verkaufen, ist zum grössten Teil Schrott und Plunder in meinen Augen. Am Abend gingen wir dann zurück zum Reisebüro, wo wir Husein und Jalal trafen. Jalal konnte perfekt Deutsch und er fuhr uns alle zur Sportveranstaltung. Es war ein Moscheeartiges Gebäude. Bevor wir den Raum betraten, hörten wir Gesang und Trommelschläge. Wir zogen die Schuhe aus und betraten den achteckigen Raum. In der Mitte des Raumes war ein achteckiger Kreis tiefer gesezt, wo wir ein Dutzend Männer sahen. Die Männer standen gebückt und mit gespreizten Beinen im Kreis herum und hielten ein etwa einen Meter langes Brett in den Händen, das am Boden lag. Sie machten eine Art Liegestützen im Rhythmus der Musik. In Einer der Seitenwände war ein Hohlraum. Dort waren 2 Musiker. Die Sangen und trommelten. Der Gesang handelte von Ali, einem der 12 Propheten. Die Männer machen diese Übung, um ihre Armmuskulatur zu stärken. Später nahmen Sie je zwei Keulen, jede bis zu 30 Kg schwer und diese bewegten sie um ihren Körper herum. Diese Übung diente zur Stärkung der Muskulatur, damit die Männer im Schwertkampf härter kämpfen konnten. Am Schluss wirbelten die Männer in der Mitte des Kreises um ihre eigene Achse herum. Es gab junge Männer, die diese Übung sehr lange aushielten. Das wäre gut für die Gesundheit, erklärte man mir: Dadurch würden Giftstoffe ausgeschieden. Es war sehr interessant, diese alte, traditionelle Kampfsportart anzusehen.

Do 27. Januar 2000 179. Tag

Kerman

Am Morgen traf ich Husein. Mit ihm ging ich zur Polizeistation, wo ich das Visum verlängern lassen wollte. Es stellte sich heraus, dass mein Visum noch bis zum 7. Februar gültig ist und nicht wie ich dachte bis zum 1. Februar. Der Beamte in Shiraz schrieb undeutlich, so dass ich die 7 als 1 interpretierte. So war es noch zu früh, um das Visum zu verlängern. Ich erfuhr, dass es möglich wäre, das Visum später um 12 Tage verlängern zu lassen. So ging ich ins Hotel zurück, wo ich Daniel traf, zusammen mit Jalal und einem Freund. Sie wollten uns Kerman und Umgebung zeigen. So fuhren wir zum Bazar, gingen dort ins Teehaus, sahen den Haman (Badehaus) an und fuhren nach Mahan. Dort besuchten wir den Prinzgarten, wo wir was gemeinsam assen. Ich und Daniel luden die beiden zum Essen ein. Später ging’s zurück zum Hotel. Jalal und sein Freund wollten, dass wir sie bezahlen für ihre Führung. Das fand ich frech, da nie die Rede war von einem Auftrag als Touristguide. Wir gaben ihnen dennoch was fürs Benzin. Am Abend gingen wir dann in eine Pizzeria, da es der letzte gemeinsame Abend war. Morgen geht jeder wieder seinen eigenen Weg.

Fr. 28. Januar 2000 180. Tag

Kerman-Esfahan

Daniel und June standen schon um 6.00 Uhr auf. Sie wollten einen Bus nehmen nach Shiraz Ich schlief noch bis 10.00 Uhr aus, dann rasierte ich mich und packte meinen Rucksack. Bis zum Abend hatte ich keinen Plan. So schlenderte ich einfach herum. Ich fand einen Park in dem ich ein wenig las. Dabei lernte ich Mohamed kennen, einen arbeitslosen Iraner mit einer harten Vergangenheit: Er war gegen die Regierung, gegen die Religion und er demonstrierte gegen den Krieg. So kam es, dass er auf die Schwarze Liste gesetzt wurde. Eines Tages kam es soweit, dass Leute der Regierung sein Elternhaus stürmten und mit Pistolen in die Luft schossen. Sie legten den Lauf an seine Schläfe und drohten abzudrücken, wenn er nicht mitkäme. So wurde er entführt. Man fragte ihn aus und versuchte, ihn auf ihre Seite zu gewinnen. Er war lange Zeit gefangen, und als er wieder freigelassen wurde, konnte er nicht mehr studieren gehen. Er fand auch keinen Job, da keiner ihm Arbeit geben wollte aus Angst vor der Regierung. Ja, er machte einen scheuen Eindruck. Irgendwie kam es, dass ich mich entschied, mit ihm nach Esfahan zu fahren, wo ich einen armenischen Gottesdienst ansehen wollte. So fuhren wir gemeinsam mit dem Nachtbus nach Esfahan

Sa 29. Januar- Di 1. Februar 2000 181.- 184. Tag 

Esfahan-Kerman-Bam

Ich verbrachte eine sehr gute Zeit in Esfahan. Wir, also Mohamed und ich, spazierten sehr viel herum und diskutieren über Gott und die Welt. Wir sahen den Gottesdienst an, der sehr eindrücklich war. In der Kirche sah ich jedoch nur alte Leute. Das erinnerte mich stark an zu Hause. Nun, wir schliefen in einem Hotel, das unter den Backpackern sehr bekannt ist. Und darum voll von Backpackern war. Ich traf einen Deutschen, der seit dem Mauerfall in Berlin in der Welt herumreist. Er kam gerade aus Georgien, wo er 9 Monate bei einer alten Frau gelebt hat. In Esfahan hatte ich eine sehr gute Zeit, die ich entsprechend genoss. Dennoch kam die Zeit, wo ich weiter wollte. Ich wollte mit Mohamed zu den Nomaden gehen, doch es kam anders als geplant. Das jedoch ist eine andere Geschichte und die werde ich vielleicht ein anderes mal erzählen. Mit dem Bus fuhr ich nach Kerman und dann nach Bam. Ich war nun wieder in Bam und ich hatte mich erkältet, denn in Esfahan war es sehr kalt gewesen. So quartierte ich mich in einem Guesthouse ein, wo ich mich erholte.

Mi 2.- Sa 5. Februar 2000 185.-188. Tag

Bam

Ja, Leute: Es hat mich flachgelegt, ich hatte eine Erkältung und war dadurch nicht in der Lage, viel zu machen. Ich las sehr viel und trank viel Tee. Es wurde mir nicht langweilig, da immer wieder ein paar Backpacker kamen, mit denen ich mich unterhielt.

So. 6. Februar 2000 189. Tag

Bam-Kerman

Mit Ezio, einem 39-jährigen Italiener, der zurzeit in Monaco lebt, fuhr ich nach Kerman. Ich musste nun mein Visum verlängern. Zuerst wollten wir ein Hotel im Zentrum aufsuchen, doch das nahm uns nicht auf. So gingen wir zur Polizei, wo ich innert 20 Minuten mein Visum verlängert hatte 12 Tage mehr, bis zum 18. Februar 2000. Wir fragten, ob wir eine Genehmigung bekommen, um im Guesthouse zu übernachten. Der Polizist sagte, es wäre zu gefährlich und wir müssten in einem anderem Hotel übernachten. Er würde anrufen, damit sie uns den gleichen Preis offerieren wie das Guesthouse. Nun, ich kannte das Hotel bereits. Dass es gefährlich wäre, im Guesthouse zu übernachten, nahm ich ihnen aber nicht ab. So fuhren wir zum Hotel, wo wir unser Gepäck liessen. Danach wechselten wir Geld und gingen auf den Bazar. Dort traf ich die Franzosen wieder, die mit dem Rad unterwegs nach Turkmenistan sind. Die Welt ist schon klein! Wir gingen in das Teehaus auf dem Bazar und dabei erfuhr ich, dass die Franzosen im Guesthouse einquartiert sind, wo wir weggeschickt worden waren. Wir beschlossen, uns am Abend zu treffen um gemeinsam zum Abendessen zu gehen. Zuerst gingen wir aber in den Busterminal zurück. Ezio hatte seine Jacke im Bus liegen gelassen und wir hofften, sie dort wiederzufinden. Der Bus fuhr zurück nach Bam und so werden wir morgen wieder kommen müssen. Im Guesthouse trafen wir dann die Franzosen und es wurde ein langer, gemütlicher Abend. Als wir dann gehen wollten, war die Tür verschlossen und niemand war dort, der sie öffnen konnte. So kletterten wir über das Tor.

 Mo 7.Februar 2000 190. Tag

Kerman

Es war ein ruhiger Tag. Ich machte nicht viel. Ging morgens ins Internetcafe, wo ich Berichte schrieb. Später traf ich Ezio und wir gingen gemeinsam essen. Ich bestellte ein vegetarisches Menü, ein undefinierbares Gemisch aus verschiedenen Gräsern mit sehr viel Öl. Ich hätte es lieber sein lassen, denn ich musste Stunden später aufs Klo rennen und mein Darm liess mir während der ganzen Nacht keine Ruhe. Ich bekam starke Blähungen und Bauchschmerzen und konnte fasst nicht schlafen.


Altstadt von Yazd

Di 8. Februar 2000 191. Tag

Kerman-Yazd 387 Km

Morgens war ich sehr müde und daher beschloss ich, im Hotel zu bleiben. Ezio machte sich auf den Weg, um ein paar Sehenswürdigkeiten, die 35 Km von Kerman entfernt liegen, anzuschauen. Um 12.00 kam er dann zurück und wir gingen gemeinsam zum Busterminal, wo wir 10 Minuten später einen Bus nach Yazd bestiegen. Um 19.00 Uhr waren wir dann in Yazd; ein Taxi wollte uns für 1$ ins Zentrum fahren. Wir nahmen jedoch den Bus für etwa 2 Cents. Im Zentrum suchten wir eine günstige Unterkunft, was gar nicht so einfach war, da die Regierung hier festgelegte Touristenpreise vorschreibt. Doch in einem Guesthouse konnten wir handeln und bekamen einen Schlafsaal für 2.3 $ pro Person. Der Raum war nicht gerade sauber, aber doch annehmbar. Wir teilten den Raum mit ein paar Afghanen. Wir sahen uns noch ein wenig im Zentrum um und kauften Brot und Käse ein. In der Nacht wurde ich mehrmals geweckt von den lauten Schnarchgeräuschen unserer Bettnachbarn.

Mi 9. Februar 2000 192. Tag

Yazd

Yazd ist eine der ältesten Städte der Welt und von UNESCO geschützt. Eine wahrlich interessante und abwechslungsreiche Stadt. Man kann sich in dem Labyrinth der Strassen in der Altstadt leicht verirren. Ich genoss es, einfach nur herumzuschlendern. Ezio versuchte, sein Visum zu verlängern. Er musste den Beamten ein wenig unter Druck setzten, da dieser einfach zu faul war, eine Verlängerung zu machen. Ich traf Ezio um 11.00 Uhr und wir versuchten unser Glück in einem Internetcafe. Ich hatte keinen Erfolg beim Versuch, die Homepage „up zu daten" da die Verbindung sehr langsam war.

Do 10. Februar 2000 193. Tag

Yazd-Bam 590 Km

Bei der Busstation trennten sich unsere Wege Ezio ging nach Italien zurück und ich fuhr nach Bam, wo mein Rad auf mich wartet. So war der Abschied sehr kurz. Ich nahm den Bus zum Busterminal, wo ich erfuhr, das der nächste Verbindung nach Bam erst in 3 Stunden war. So entschied ich, per Autostopp nach Bam zu gelangen. Ein Pickup nahm mich mit zur Hauptstrasse mit, die nach Bam führt. Von dort lief ich ein wenig weiter und versuchte dabei, einen Truck zu stoppen, was sich als nicht so leicht herausstellte. Ein Bus hielt aber schliesslich an und ich fuhr etwa 10 Km mit. Ich musste danach nicht lange warten auf eine Mitfahrgelegenheit. Ein Truck hielt an, der nach Esfahan fuhr doch ich konnte bis zur Abzweigung dorthin mitfahren. 20 Km weiter begab ich mich zu Fuss von der Abzweigung zu einer Tankstelle, die etwa 1 Km entfernt lag. Dort fragte ich ein die LKW-Fahrer, ob sie nach Bam fahren. Einer nahm mich dann mit für etwa 180 Km. Dort ging es keine zwei Minuten, bis mich der nächste Truck mitnahm, der bis nach Bam fuhr. Autostoppen ist im Iran kinderleicht, musste ich feststellen; die Truckdriver sind sehr freundlich. In Bam angekommen, machte ich mich auf den Weg zum Guesthouse. Dort traf ich zwei Österreicher, die auf dem Heimweg sind. Sie waren mit einem 20-jährigen Mercedes nach Indien gefahren und in Pakistan von der Polizei (!!) um 600 $ bestohlen worden. Doch sonst hat es ihnen dort sehr gut gefallen.

Fr 11. Februar 2000 194. Tag Bam-Suergaz 116.14 Km T: 7434.47 Km

Endlich wieder auf dem Bike und schon nach 15 Km wollen mich die Soldaten nach Zahedan eskortieren. Es war ein Checkpoint, wo schon zwei Holländer, die mit einem 4 WD Jeep unterwegs sind, von den Soldaten gestoppt worden sind. Ich musste meinen Pass abgeben. Doch ich wollte auf keinen Fall mein Bike auf einen Wagen laden und nach Zahedan fahren. So ging ich zum Hauptgebäude, wo mein Pass lag und sprach mit den Hauptmann und sagte diesem, dass ich nach Bam zurückfahren und dann den Bus nehmen würde. So gab er mir den Pass zurück. Darauf stieg ich aufs Rad und fuhr nicht nach Bam, sondern nach Zahedan. Keine Schüsse fielen - nun, da habe ich ja nochmals Glück gehabt. Ab und zu muss man halt mal was wagen...Ich war etwa 20 Minuten unterwegs, als mich der Jeep von den Holländern stoppte. Der Soldat wollte meinen Pass, den ich ihm aber nicht aushändigen wollte. Ich sagte ihm, ich wolle keine Eskorte nach Zahedan, ich könne alleine auf mich aufpassen. Der Jeep fuhr weiter - war's das schon ? Ein paar Kilometer weiter traf ich auf der gegenüberliegenden Seite einen Japaner, der zu Fuss unterwegs war. Er zog einen Wagen, in dem sein Gepäck verstaut war, hinter sich her. Er sei schon 1 ½ Jahre unterwegs. Walking von Singapur nach Afrika, zum Kap der guten Hoffnung. Keiner wollte ihn eskortieren. Und er hatte keine Probleme. Er macht etwa 50-80 Km pro Tag. Eine wahnsinnige Leistung. Mann, ich bin wohl nicht der verrückteste Vogel auf dieser bunten Welt. Was für Typen werde ich wohl noch antreffen? Würde mich nicht wundern, wenn ich an der nächsten Ecke einen Typen träfe, der mit dem Rollbrett um die Welt kurvt. Weiter ging's; ich hatte knapp das nächste Dorf passiert, als mich der Jeep der Holländer wieder stoppte. Nein, mein Bruder, meinen Pass bekommst du bestimmt nicht. Ich fuhr weiter und der Jeep fuhr hinter mir her. Dieses Spiel ging etwa 10 Km so weiter. Dann hatte ich genug, stoppte und ging auf den Jeep zu. Ich sagte zu dem Holländer, dass ich mich schäme, sie in dieser Situation kennen gelernt zu haben und dass ich hoffe, sie wieder woanders und unter besseren Umständen anzutreffen. Zum Soldaten sagte ich laut und bestimmt, dass er verduften solle und ich ganz bestimmt keinen Babysitter brauche. Ich bedankte mich und fuhr los. Seitdem hatte ich Ruhe. Ich träumte von Reis und einem guten Restaurant - und einem warmen Platz um zu schlafen. Doch die Realität sieht ab und zu mal anders aus. Mein Domizil war ein Militärcheckpoint. Kein Restaurant, kein Dach über den Kopf. Nein, ich musste draussen übernachten. Nein, ich habe kein Zelt. Scheisse. So rollte ich meine Isomatte aus, legte den Schlafsack drauf und machte es mir unter den Bäumen bequem. Die Nacht wird bestimmt kalt. Ich kochte mir Teigwaren, die nach nichts schmeckten, da ich keine grossartigen Gewürze hatte. Wenigstens bekam ich Brot von den jungen Soldaten. Die Soldaten waren ganz OK. Als es schon dunkel war, ging ich zum Checkpoint, um Wasser zu holen. Vermutlich war ich zu leise, denn als ich keine 5 Meter entfernt war, sprang der eine Wache stehende Soldat in den Schützengraben und schrie mich laut an. Mann, hier herrscht wirklich Krieg, das ist kein Kinderspiel! Die Jungs sind sichtlich nervös. Es herrscht Krieg zwischen den Schmugglern und den Soldaten, und das spürte ich in diesem Moment so deutlich wie nie zuvor. Hätte er abgedrückt - nein, an das denke ich lieber nicht. Die Nacht war voller Geräusche. Wind blies mir Sand ins Gesicht und die Hunde oder Hyänen heulten die Nacht an und liessen mich wachsam auf meiner Matte liegen.

Sa 12.Februar 2000 195. Tag

Suergaz-Kahuerak 47.11 Km T: 7481.58

Am morgen war es bloss zwei Grad Celsius. Ich fragte nochmals um Wasser und bekam sogar ein Frühstück. Brot und Marmelade. Ich filterte das Wasser, das nach Salz und Sand schmeckte. Die Strasse war kurvenreich, und das machte sie interessant. Ich war etwa eine Stunde unterwegs, als ich einen Laster sah, der am Strassenrand stoppte. Es waren zwei Berner (Berner sind Schweizer, die eine für ihren langsamen Dialekt bekannt sind) die unterwegs nach Indien waren. Echt super, Leute! Sie seien nun drei Wochen unterwegs. Wir unterhielten uns und sie verwöhnten mich mit Birchermüesli und Bier. Sie schenkten mir Bouillon, und was ich nicht zu träumen wagte: Sie hatten Schweizer Käse mit! Stellt Euch das vor, da bin ich in der Wüste im Iran, trinke Bier, unterhalte mich mit Bernern und esse Schweizer Alpkäse. Das ist wie Geburtstag und Weihnachten zugleich. Danke, Jungs! Ihr wisst ja gar nicht, was für ein Geschenk ihr mir da gemacht habt. Es war schon spät und so beschloss ich, im nächsten Ort zu übernachten. Ein Checkpoint, doch es gab da ein Restaurant. Ich brachte mein Tagebuch auf den neuesten Stand und las noch ein wenig.

So 13.Februar 2000 196. Tag

Kahurak-Zahedan 118.7 Km T: 7600.6 Km Früh stand ich auf; es würde ein anstrengender Tag werden. 40 Kilometer ging es schleichend Berg rauf, dann kamen 10 Kilometer, auf denen es anstrengend hoch ging. In steilen Kurven und sogar durch drei Tunnels. Ich hatte Schmerzen in den Oberschenkeln, als ich oben ankam. 10 Km weiter war des nächste Dorf. Ich filterte Wasser und fuhr dann weiter. Der nächste Ort war nur ein Militärcheckpoint mit verrückten Typen. Scheisse, noch 45 Km nach Zahedan. Entweder, ich schlafe hier bei den Verrückten. Das würde ein kalte Nacht bedeuten und ein schlechtes Essen - oder ich halte einen Pickup an, der mich nach Zahedan mitnehmen könnte. Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. So war ich früher als gedacht in Zahedan. Ich fand schnell eine günstige Unterkunft. Ein sehr kleiner Raum, doch ich brauche nicht mehr. Hier in Zahedan werde ich mich mal für ein paar Tage erholen.

Mo/Di 14/15.Februar 2000 197/198. Tag

Ruhetage in Zahedan

In Zahedan gibt es ein herrliches Gemisch aus Persern, Afghanen und Pakistani. Die meisten Pakistani, die ich hier traf, waren Pilger, die nach Maschad gehen, wo sich der Heilige Schrein von Emam Reza befindet. Ein Ort, der für viele Moslems eine Art Mekka bedeutet. Die Strassen sind voller Leute und es herrscht eine grosse Hektik. In den Tagen verbrachte ich viel Zeit mit lesen und relaxen. Ich genoss es, einmal nicht viel zu machen.

Mi 16.Februar 2000 199. Tag

Zahedan-Mirjawe-Taftan 101.32 Km T: 7701.8 Km

Die Strecke von Zahedan nach Mirjawe hatte ich schnell beradelt, und so war ich bereits um 12.00 Uhr in Mirjawe. Ich wollte eigentlich erst am nächsten Tag über die Grenze, doch in Mirjawe wurde ich nicht so herzlich empfangen, also klopfte ich den Staub von meinen Füssen und machte mich auf nach Pakistan. Ich wurde nicht kontrolliert und die Zollabfertigung ging sehr schnell. In Pakistan musste ich warten, da das Zollbüro erst um 15.30 Uhr wieder geöffnet hat. So wechselte ich Geld zu einem nicht gerade guten Kurs und ich traf noch einige andere Reisende, mit denen ich mich unterhielt. Auch hier war die Zollabfertigung eine Sache von ein paar Stempeln. Die Reisenden fuhren mit dem Bus weiter - ich entschied, erst mal was zu essen. Die Leute sind sehr freundlich hier. Das Essen war ein Traum. Ich fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit und man führte mich zu einem Haus, in dem ich mich niederlassen konnte. Die Leute waren äusserst freundlich, ich habe schon jetzt ein gutes Gefühl für Pakistan. Frauen jedoch sah ich keine einzige.

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