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Reisebericht Iran 1. Teil


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Sa 20. November 1999 111. Tag

1. Tag Iran

Ich schlief sehr schlecht im Bus, es war sehr unbequem, da wir zu dritt im Bus schliefen. Wir machten ein gemütliches Frühstück.. Nun, ich stelle mal die Jungs vor, mit denen ich mich entschloss, bis nach Teheran zu fahren. Da ist Armin, 21 jährig, Micha, 23 jährig, Sebastian, 21 jährig und Timo, 22 jährig. Mit diesen Jungs werde ich nun die nächste Zeit mitfahren. Ein paar Kilometer nach Dogubyazit folgt die türkisch-iranische Grenze. Die Abfertigung war ganz schnell. Wir trafen drei Holländer, die mit einem 24 jährigen Mercedes unterwegs nach Indien sind. Wir entschlossen uns, bis nach Teheran zusammen zu fahren. Die erste Nacht in Iran. Ich habe bereits heute einen guten Eindruck von Iran, und ich denke, dass ich eine gute Zeit hier verbringen werde. Die Kosten im Iran sind extrem günstig für uns Europäer. Das Essen im Restaurant kostete gerade mal 1.2$. Und für 1.2$ konnten wir dann auch im Restaurant schlafen.

So 21. November 1999 112. Tag

Maku-Quare Kelisa-Alamdar-Golfa 300 Km

Als erstes ging’s zur Tankstelle. Alle waren überrascht, dass das Benzin so günstig ist. Man bezahlt für einen Liter bloss etwa 7 Rappen. Nun, wir wollten das berühmteste Kloster im ganzen Iran anschauen gehen. Jedes Jahr kommen an einem bestimmten Tag zig-tausend Armenier her, um ein religiöses Fest zu feiern. Als wir kamen, wurden wir von einem Mann, der, und das ist kein Schreibfehler, 6 Finger an jeder Hand hatte, unfreundlich empfangen. Er war sehr hartherzig. Und wir fuhren schnell weiter. Das nächste Ziel war Golfa, das an der aserbaidschanischen Grenze liegt. Der eine Weg war super, es ging über eine Schotterpiste, wo wir nur sehr langsam fahren konnten. Wir stiegen aufs Dach und das war dann ein Supererlebnis. Wieder den Wind und die Sonne zu spüren, tat gut. Wir passierten die dritte Militärkontrolle, doch wir sagten einfach das Zauberwort „Alemania" (Deutschland), und die Leute liessen uns passieren. In Golfa angekommen, versuchten wir, zur Klosteranlage zu gelangen. Das war jedoch für heute nicht mehr möglich, da es schon zu spät war. So gingen wir essen und suchten ein günstiges Hotel.

Mo 22. November 1999 113. Tag

Golfa-Tabriz 178 Km

Bei der Bäckerei gab’s herrliche Brote - wir freuten uns schon aufs Frühstück, das wir bei der Klosteranlage einnehmen wollten. So fuhren wir zum Militärposten, der jedoch wollte, dass ein Iraner mit uns geht. Wir warteten also, bis jemand kam. Der schickte uns nach Golfa zurück, wo wir angeblich die Adressen angeben sollten. Die Anlage liegt in einem Militärgebiet. Das erschwert die ganze Sache. Nach ein paar Stunden hatten wir jedoch die Erlaubnis, dorthin zu gehen. Ein Mann vom Militär musste uns durch die Kontrollen führen. Nun ging’s also endlich zum Kloster. Die Anlage war an einer traumhaften Stelle, umgeben von Bergen. Daneben hatte es eine Quelle. Was ich jedoch schade fand, war, dass in der Kirche die Wandbemalungen entfernt worden waren. So hat man das ganze Innere ausgehöhlt und somit zerstört. Es gab auch keine Ikonen mehr. So sah für mich die Kirche aus wie ein Leichenschauhaus. Das war sehr traurig. Wir machten dann unser Frühstück auf der Klosteranlage - das war herrlich. Den Guide setzten wir dann in Golfa ab, und alle waren erstaunt über die Freundlichkeit des Mannes. Er nahm kein Geld entgegen. Wir kamen wieder sehr spät in Tabriz an. Wir fanden sehr schnell ein Hotel. Und ein sehr gutes Restaurant. Ich schlief wieder im Bus, das war sehr gemütlich. Die Jungs brachten die Wäsche zur Reinigung, die damit erst morgen um 17.00 fertig sein würde. So entschlossen wir uns, einen Tag länger in Tabriz zu bleiben. Das war ganz OK, da ich nun sowieso zu früh in Teheran ankomme.

Di 23. November 1999 114. Tag

Ruhetag in Tabriz

Um 9.00 Uhr trafen wir uns alle zu einer Tasse Tee. Wir haben sehr viel Spass zusammen, und ich geniesse es sehr, mit diesen Leuten zusammen zu sein. Wir gingen alle gemeinsam zum Basar und sahen uns um. Ich fragte jemanden, wieso der ganze Basar geschmückt wird. Da er nicht gut Englisch konnte rief er seine Frau herbei. Marie sprach perfekt Englisch, besser als alle von uns zusammen. Ich machte mit ihr ab, da sie uns einladen wollte, die Stadt zu zeigen. Irgendwann trennte sich dann die Gruppe und Micha, ein iranischer Junge und ich, blieben noch zusammen. Der Junge führte uns ein wenig herum und zeigte uns auch noch die blaue Moschee, die jedoch sehr schlecht aussah, da viele blaue Mosaike heruntergefallen waren, sodass man von einer „blauen Moschee" nicht mehr reden kann. Man sollte sie vielmehr „die braune Moschee" nennen. Der Bruder von dem iranischen Jungen war Barbier. Wir suchten ihn auf, da Micha sich rasieren und die Haare schneiden wollte. Ich schloss mich an, da es ja auch schon lange her war, seit ich das letzte mal beim Barbier war. Als wir bezahlen wollten, durften wir das nicht. Wir seien seine Gäste. Das war mir schon ein paar Mal aufgefallen, dass die Iraner ausserordentlich gastfreundlich sind. Mir gefällt dieses Land, und die Leute sind unwahrscheinlich gut. Ich habe auch angefangen, wie die Einheimischen das Essen zu teilen. Und allen davon anzubieten, bevor ich selbst esse. Man kann so viel von den Leuten lernen, wenn man ein wenig aufmerksam ist! Als ich noch zu Hause war, konnten viele nicht verstehen, dass man nach Iran reisen kann. Da gibt es doch so viele andere Länder, die sind doch viel besser und einfacher mit dem Rad zu bereisen. Nun, Leute, der Iran ist ein Traum, er ist ein gutes Land, wenn man sich an die Regeln hält. Doch an Regeln muss man sich auch in der Schweiz halten. Da gebe ich ein Beispiel: Man parkt das Auto mal für 5 min. an einem falschen Ort. Prompt ist die Polizei vor Ort und man muss eine Busse bezahlen. Nun, wenn man sich an die Parkregeln hält, hat man in der Schweiz keine grossen Probleme. Und man kann die Schweiz als Land geniessen. So ähnlich ist das in Iran. Kein Alkohol - da trink ich halt Tee oder Cola. So schwer ist es nicht. Und das Gute überwiegt hier eindeutig.

Am Abend trafen wir dann Marie und zusammen fuhren wir mit zwei Autos zu einem Ausflugsziel, der Tabriz'er (ein Gebäude, das als Restaurant genutzt wird, umgeben von einem Wasserbecken und einer grossen Parkanlage). Dort tranken wir zuerst einmal Kaffe. Danach fuhren wir weiter zu einer Pizzeria. Das war nach langer Zeit wieder herrlich, eine Pizza zu essen. Marie und ihr Mann bezahlten das ganze Essen. Wir durften nicht bezahlen. Dann fuhren wir zurück ins Hotel, um Patrick abzuholen. Micha und ich blieben dann im Hotel. Wir waren einfach zu müde. Die Anderen wurden noch eingeladen ins Haus unserer Bekannten.

Mi 24. November 1999 115. Tag

Tabriz-Sarab-Ardabil-Astara 296 Km

Beim Einkaufen der Brote, Marmelade, Eier und Käse, traf ich einen Iraner. Er würde in den nächsten Wochen nach Australien flüchten. Er sieht keine Zukunft mehr in diesem Land. Die genauen Gründe gab er mir nicht an. Es war nichts aus ihm herauszuholen. Auf der Fahrt nach Astara überholte Sebastian an der falschen Stelle ein Auto. Zufällig war dort ein Polizist, der zuerst 50'000 Rials wollte. Doch Sebastian stellte sich dumm. Er streckte 5'000 Rials hin, doch das war dem Polizisten eindeutig zu wenig. Schliesslich, nach einem Hin und Her einigte man sich bei 20'000 Rials, das entspricht etwa 3.-Fr. Als es dunkel war, kamen wir in Astara an. Astara liegt genau wie Golfa an der aserbaidschanischen Grenze und ist genauso halbiert wie Golfa. Ein Teil im Iran, der andere in Aserbeidschan. Natürlich nicht so schlimm wie damals in Berlin. Die Leute spazieren locker über die Grenze. Es herrscht auch ein reger Handel zwischen den beiden Teildörfern. Nach dem Essen suchten wir ein Hotel, dabei merkten wir, dass der Mercedes auf einmal nicht mehr hinter uns ist. Der Keilriemen der Lichtmaschine war gerissen. Da es ein Diesel war, konnte er dennoch weiterfahren, doch wir müssen nun nachsehen, was repariert werden muss. Nach langer Zeit und mit Hilfe der Einheimischen fanden wir dann ein Hotel. Die Hotels hier sind überbelegt, da ein Festtag ist. Im Hotel zerlegte Jeffrey die Lichtmaschine ohne grossen Erfolg. Er wird nun morgen einen Mechaniker aufsuchen. Im Hotel schauten wir uns noch das Band an von der Digitalkamera der Holländer. Das gefiel mir sehr gut. Zu Hause hatte ich mir überlegt, ob ich mir eine solche Kamera zulegen soll. Nun, ich denke, dass ich mir so eine Digitalkamera noch besorgen werde. 

Do. 25.November 1999 116. Tag

Astara-Rascht 194 Km

Am Morgen ging ich für 1 Stunde laufen, war echt toll entlang des kaspischen Meeres, dem grössten Salzsee der Welt. Jeffrey war auch schon früh unterwegs und wir wussten alle nicht, wie lange das geht und ob wir heute noch losfahren konnten. So ging ich mit Micha noch in die Stadt. Als wir zurück kamen, waren die anderen am Kochen. Sie versuchten, Schweizer Rösti zu machen. Herrlich, wieder einmal Rösti! Jeffrey kam zur rechten Zeit zurück. Er konnte durch Hilfe eines Einheimischen das Problem schnell lösen. Der Antrieb der Lichtmaschine hatte so sehr geklemmt, dass der Keilriemen riss. Nun ist das Problem behoben. Sebastian hatte sich noch eine Kamera gekauft, eine Lomo. Eine russische, die angeblich auch beim KGB, dem russischen Geheimdienst, Verwendung fand. Kann mir das gar nicht richtig vorstellen, da es ein Riesenapparat ist. Armin hatte gewaltige Zahnschmerzen, wir müssen sehen, dass er zu einem Zahnarzt kommt. Um 18.00 Uhr waren wir in Rascht. Dabei bemerkte Micha, das er seinen Waschbeutel verloren hatte. Er hatte 400 $ darin versteckt gehabt. Er war sehr schockiert. Wir suchten ganzen Bus ab, doch ohne Ergebnis. Er hatte glücklicherweise eine Adresse in Astara, wo wir zuletzt waren. Der Junge, den er dort kennen gelernt hatte, ging zum Hotel und fand den Waschbeutel dort. Micha wird nun morgen mit dem Bus nach Astara fahren. Armin und ich werden hier in Rascht den Zahnarzt aufsuchen. So folgt ein Problem dem anderen. Das ist teilweise recht spannend, kann aber auch sehr nervend sein. Nun werden wir sehen, was noch alles folgt.

Fr 26. November 1999 117. Tag

Zahnarztbesuch in Rasht

Micha war schon weg, als ich aufwachte. Armin und ich fuhren dann mit dem Taxi zur Klinik. Es war ein regnerischer Tag und für Armin vermutlich einer der schmerzhaftesten Tage seiner ganzen Reise. Der Arzt machte ein Röntgenbild und dabei stellte er fest, dass Armin an drei Zähnen eine Entzündung hat. Der Arzt versucht, die Goldplombe zu entfernen um an die Wurzel zu kommen. Vier Spritzen halfen jedoch nicht, den Schmerz zu stillen. Und Armin musste zwei Stunden lang die Schmerzen ertragen. Der Arzt machte einen guten Eindruck, doch das half nicht weiter, die Goldplombe war zu fest drauf und Armin hatte zu starke Schmerzen. Der Arzt gab ihm Tabletten mit zur Beruhigung der Schmerzen und zur Reduktion der Entzündung. Er soll die Tabletten alle sechs Stunden einnehmen und am Abend ab 17.00 Uhr nochmals beim Arzt vorbeigehen. Wir trafen die anderen im Hotel wieder. Wir entschieden, uns zu trennen. Drei fuhren schon nach Teheran, wo sie Micha treffen sollten und wir vier blieben in Rasht. Da es den ganzen Tag regnete, spielten wir Monopoly. Armin ging um 17.00 Uhr zum Arzt. Er war jedoch sehr schnell wieder im Hotel. Da die Schmerzen dank der Schmerzmittel vorbei waren, meinte der Arzt, es wäre besser, die Entzündung abklingen zu lassen, bevor die Plombe entfernt wird. So entschieden wir, in Teheran einen Arzt aufzusuchen den Armin empfohlen bekam.


Teheran

Sa 27.November 1999 118. Tag

Rasht-Teheran 400 Km

Den ganzen Tag fuhren wir. Wir verliessen Rasht bei Regen, überquerten einen verschneiten, 3000m hohen Pass und es schien die Sonne, als es wieder runterging. Die Landschaft war so herrlich, dass ich am liebsten Radfahren wollte. Am Abend kamen wir in das Verkehrschaos von Teheran und die Nerven von allen waren extrem angespannt. Wir verirrten uns ein paar Mal und es war nicht einfach, das Hotel zu finden, da es viele Einbahnstraßen gab. Doch irgendwie geht alles. So kam es dann auch, dass Micha wieder unter uns war, und er war überglücklich, dass er den Waschbeutel samt dem Geld wieder hatte. Er wurde sogar reichlich von den Leuten beschenkt. Das war bestimmt eine gute Erfahrung für ihn. So gab’s zuletzt ein Happy End. Nun müssen wir noch schauen, dass Armin mit an den Zähnen behandelt wird und dann - wer weiss was noch kommt...

So 28. November 1999 119. Tag

Ich begab mich früh zur Schweizer Botschaft - wollte sehen, ob schon ein Paket für mich angekommen war. War aber keins da. Es war trotzdem ganz nett. Im Hotel traf ich die Deutschen wieder und gemeinsam gingen wir zum Basar. Sebastian wollte sich einen Filter kaufen. Im x-ten Geschäft wurde es mir dann langsam aber sicher zu viel - ich bin mir das nicht gewöhnt, so viele Geschäfte abzuklappern. So suchten wir dann später ein Internetcafe. Die hatten zur Zeit keine Verbindung und mussten warten. Wir entschieden uns, zum Barbier zu gehen. Dort liess sich Sebastian seinen voll Bart mal zurechtschneiden. Das wurde auch höchste Zeit, da der Bart wirklich nicht mehr gut aussah. Der Barbier schnitt ihm auch noch die Haare. Timo liess sich auch noch die Haare schneiden, und wir fotografierten ihn sogar noch als Model für den Barbier. Auf der Strasse unterhielten wir uns mit den einheimischen Jungs. Ich liess mich überreden, zu Breakdancen. Dabei gab ich die Fototasche einem Jungen. Der lief mit der Tasche davon. Als ich es dann bemerkte, war es zu spät, der Junge war mit der Tasche weg. Ich verstand nicht, wieso er das machte, da die Leute ihn kannten. Ich hinterliess dem Barbier die Telefonnummer meines Hotels. Die Leute werden den Jungen zur Rede stellen und ich glaube, dass die Tasche wieder zum Vorschein kommt. Doch es ist nun eine Lehre für mich, besser auf meine Sachen zu schauen.

Mo 29. November 1999 120. Tag

Teheran

Heute machte ich nicht viel. Ich ging zum Barbier, um zu sehen ob die Kamera aufgetaucht wäre. Doch nichts. Ich solle später nochmals vorbei kommen. So sah ich mir Teheran an. Am Abend ging ich nochmals zum Barbier, doch die Tasche war nicht aufgetaucht. Ich ging zur Ablenkung mit 3 Iranern, die mir den Film übersetzten, ins Kino. Es war kein besonders guter Film, doch man sah, wie schwer es Mädchen haben, wenn sie von zu Hause weglaufen.


Smog in Teheran ein tägliches übel

Di 30. November 1999 121. Tag

Teheran

Heute war ein stressiger Tag, an dem ich viel machte und kein Bisschen weiter kam. Es war, als ob der Motor voll liefe, wenn die Handbremse gezogen ist. So war ich beim Barbier, ich rief meiner Botschaft an und ging zur Polizei. Doch schlussendlich war ich gleich weit wie vorher. Der Barbier sah nichts. Die Botschaft kümmerte sich einen Dreck um ihre eigenen Bürger; die waren so was von unhöflich! Das gab mir ein Gefühl, nun wirklich 100 % den Schweizer Boden unter den Füssen verloren zu haben. Die Polizei konnte man auch nicht dazu bewegen, einen Rapport zu schreiben. Ach, was für ein nerviger Tag. Wenigstens war der Abend besser. Ich wurde von den 3 iranischen Cousins eingeladen. So traf ich sie um 19.00 Uhr. Micha war mitgekommen. Es wurde ein spannender Abend, an dem wir erfuhren, dass jeder Iraner 2 Jahre Militärdienst leisten muss. Man kann jedoch auch einfach 1500 US $ bezahlen und ist fein raus. Die Jungs hatten auch selbst gebrannten Alkohol. was man hier in bestimmten Läden ohne Probleme bekommt. Ist nicht mal so teuer. 10 US $ pro Liter Williams. Die Jungs wollen mir bei der Polizei helfen. Ich bin darüber sehr froh.

Mi 1. Dezember 1999 122. Tag

Um 12.00 Uhr traf ich die Jungs. Ein Polizist, der beim Barbier war, sagte uns, wir müssten zur Botschaft. Nun, ich wusste, dass es keinen Sinn machte, dort was zu wollen. Doch wir fuhren trotzdem hin. Der Konsul war mir sehr unsympathisch. Ein Nervenbündel, das keinen ausreden liess und alle umherkommandierte. Statt zu helfen, erklärte er mich für verrückt, und dass ich wohl keine Ahnung hätte, in welch grosse Gefahren ich mich überhaupt begebe. Dass ich Abenteuersüchtig wäre und leichtsinnig. Es hätte Entführungen in Bam - einer Stadt nahe der Grenze - gegeben. Und das Gebiet dort wäre bekannt als Opium-Schmuggelstelle. Nun, Leute, wenn ich entführt werde, ist mir nun ganz klar, dass der Herr Schweizer Konsul keine Haftung übernimmt. So was Blödes!! Es ist doch klar, dass nur ich alleine die volle Verantwortung für mein Unternehmen haben kann. Es wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen, der Schweiz die Verantwortung zu übertragen. Nun, statt zu helfen, machte er es mir nur noch schwerer. Am Abend ging ich mit den Jungs zur Polizei. Endlich bewegte sich etwas. Wenn auch nur ein wenig. Einen Rapport habe ich immer noch nicht. Und die Chance, dass die Polizei was findet, ist gleich Null.

Do 2. Dezember 1999 123. Tag

Tehran-Esfahan 400 Km

Ich fühlte mich morgens extrem schwach. Ich hatte Durchfall und hatte in der Nacht fast nicht schlafen können. Trotzdem fuhr ich mit dem Bus nach Esfahan. Das Taxi zum Busterminal kostete 10.000 Rials - etwa 1.50 Fr. Die Fahrt mit dem Bus, etwa 400 Km, kostete 15.000 Rials = 2.25Fr. Iran ist extrem günstig. Ich kann hier mit 70 US $ im Monat leben. In Esfahan wartete ich auf Sebastian und Timo, die schon einen Tag früher hierher fuhren.

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Khajoo brücke

Fr 3. Dezember 1999 124. Tag

Esfahan

Am Morgen hatte ich starke Bauchkrämpfe und immer noch Durchfall. Ich sah mir die Stadt dennoch zusammen mit Jeffrey, dem einen Holländer, an. Esfahan ist eine phantastische Stadt. Einfach herrlich. Ein Besuch lohnt sich für jeden. Am Abend trafen wir im Studentenwohnheim Studenten, die Deutsch lernen. Wir tranken Tee mit ihnen und unterhielten uns über alles mögliche.

Sa 4. Dezember 1999 125. Tag

Esfahan

Ich blieb im Hotel, da das Durchfall noch nicht besser war. Ich las 200 Seiten von „In eisiger Höhe" von Jon Krakauer. Wurde leider nicht ganz fertig, doch es ist ein spannendes Buch. Ich spielte mit Sebastian und Timo noch Monopoly; die Jungs trieben mich in den Bakrott.

So 5. Dezember 1999 126. Tag

Esfahan-Qomseh 132.48 Km T: 6073.3 Km

Um 7.00 Uhr wurde ich unsanft, aber bestimmt aus meinen ach so süssen Träumen aufgerüttelt. Dachte, ein Orkan wecke mich. Nun, die Jungs wollten in einem nobel Hotel frühstücken gehen, denn da hat es ein Riesenbuffet, und man kann soviel essen, wie man will, für gerade 2 US $. Mir stand der Sinn aber nicht nach Essen, denn ich hatte immer noch mit Durchfall zu kämpfen. Nun, heute trennten sich unsere Wege wieder. Es war phantastisch, wieder auf der Long Lady dem Horizont entgegen zu fahren. Das Gefühl kann man nur erleben, Worte geben nichts wieder. Die Landschaft ist hier ziemlich öde, links und rechts Berge, doch die Strasse führt einfach geradeaus ins Nichts. Die Strasse, muss man jedoch sagen, ist super asphaltiert - besser als in der Türkei und in Griechenland. Am Abend verfuhr ich mich und musste 15 Km wieder zurückfahren. So machte ich in Qomseh Halt. Als ich Leute fragte, wo es ein Hotel hätte, wurde ich von Reza, einem Englisch-Studenten, eingeladen. Er geht 10 Stunden die Woche zur Schule, den Rest der Zeit beschäftigt er sich mit seiner 300 Bäumen grossen Apfelplantage.

Mo 6. Dezember 1999 127. Tag

Qomseh-Surgestan 103.2 Km T: 6176.5

Es herrschte absolut keine Samichlaus-Stimmung. Ich esse zwar fast jeden Tag 1 Kg Mandarinen und auch ziemlich viele Nüsse. Doch dass ich im T-Shirt Rad fahren kann im Dezember, ist zu Hause sehr unwahrscheinlich. Ja, ich genoss das herrliche Wetter. Zugegeben, die Landschaft übte keinen grossen Reiz auf mich aus, was klar ist, wenn man stundenlang nur geradeaus fährt. Dafür bin ich zu wenig Holländer. Die Distanzen von Ort zu Ort können bis zu 42 Km betragen. So muss man schon im Voraus planen, wo man übernachten möchte. Da ich ja kein Zelt habe und die Nacht hier ganz schön kalt ist, bin ich auf ein Dach über dem Kopf angewiesen. In einem ganz kleinen Dorf kam ich dann um 16.00 Uhr an. Die Sonne geht um 17.10 Uhr unter und das nächste Dorf ist noch 30 Km entfernt. Könnte man leicht schaffen, wenn man nicht schon 100 Km hinter sich hätte. So aber wäre ich vermutlich erst um 18.00 Uhr im nächsten Ort angekommen. Ich blieb also in diesem kleinem Dörfchen. Die Leute waren anfangs nicht so freundlich. Ich ignorierte sie ein wenig und beschäftigte mich mit der Kettenreinigung. Zunehmend wurden die Leute freundlicher, und als es dunkel wurde, führten die Dorfkinder mich zur Moschee. Dort nahm sich eine ältere Lady meiner an. Ich konnte in einem kleinem Raum neben der Moschee schlafen. Ich bekam Decken und sie stellten sogar einen kleinen Diesel-Ofen in den Raum. So wurde es ein gemütliches Zimmer. Ich kochte mir Porige und trank dazu Tee. Um 20.00 Uhr schlief ich dann ein.

Di 7. Dezember 1999 128. Tag

Surgestan-Abade-Dehbid 118.25 Km T: 6294.8 Km

Das gleiche Bild wie die Tage zuvor: Unendliche Weite. Ein Gefühl von Freiheit stellte sich bei mir ein. 15 Km nach Abade traf ich dann Sasan. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alle vorbeifahrenden Touristen zu stoppen und sie einzuladen. Er besass ein beträchtliches Gästebuch. Darunter waren viele Biker, die einen davon waren schon rund um die Welt gefahren. Er erzählte mir die Story eines Franzosen, der jahrelang reiste, und als nach Hause kam, erhängte er sich. Ich hatte zuvor schon Ähnliches gehört. Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, ob ich zurecht kommen werde, wenn ich eines Tages wieder in die Schweiz kommen sollte. Schon jetzt, in nur 128 Tagen, hat sich bei mir so viel verändert! Sasan ist ein guter Mensch, er gab mir ein Papier mit auf den Weg mit allen nützlichen Sätzen auf Englisch und Farsi. Zum Beispiel „wo finde ich ein günstiges Hotel?" etc. So was ist Gold wert. Danke Sasan! Er gab mir eine Adresse von einem Ort, an dem ich die heutige Nacht verbringen könne. Und ich erfuhr endlich, wie hoch ich eigentlich bin. Ganze 1800m über Meereshöhe. Es folge noch ein Pass von 2500m, den ich noch überwinden müsse. Ich fand dann die angegebene Adresse. Es war ein Farmer, der über 4'000 Schafe hatte. Er hatte 2 Frauen, und das war das erste Mal das ich einer Person begegnete, die 2 Frauen hatte. Denn dafür braucht man viel Geld und gute Gründe. Nun, der Farmer hatte beides. Er half mir und trotzdem wurde ich nicht so richtig vertraut mit ihm.

Mi 8. Dezember 1999 129. Tag

Dehbid-Saadatabad 85.13 Km T: 6386.3 K

Ich vergass zu sagen, dass wir das Rad gestern abend auf einen Anhänger aufluden und 15 km weiter zum Farm-Haus fuhren. Dabei brach die eine Befestigungsschraube der vorderen Speiche. Der Mechaniker konnte das innert 5 min reparieren. Ich liess mir am Dynamo noch ein Relais einbauen, das den Stromstoss ändert, von AC auf DC. So stellte ich mir vor, könne ich Walkman hören mit selbst erzeugtem Strom. Nun, das Experiment ging in die Hosen, da man, wenn man zu schnell oder zu langsam fährt, ein unangenehmes Nebengeräusch hört. Bei 17 Km/h geht's am besten, doch normalerweise fahre ich gerade etwa 25-35 Km/h. Und 17 Km/h fahre ich sehr selten über lange Zeit. Ich wurde ein paar Mal von Leuten angehalten, die mir Orangen, Kiwis oder andere Lebensmittel gaben. Ja, sogar die Polizei gab mir 3 Orangen! Die Iraner sind wirklich extrem freundlich. In Saadatabad suchte ich die Moschee auf - dort verbrachte ich dann die Nacht.


Shiraaz               Persepoli           

Do 9. Dezember 1999 130. Tag

Saadatabad-Persepolis-Shiraaz 135.22 Km T: 6521.7 Km

Ich kam heute sehr schnell vorwärts. Die Gegend stellte sich als abwechslungsreicher heraus. Um 12.00 kam ich in Persepolis an. Iraner führten mich herum. Es gab mächtige Paläste. Unwahrscheinlich schön! Ich bekam Kopfschmerzen - ein Symptom für einen kleinen Sonnenstich. Ja, Leute, heute war es sehr warm. Super Wetter. Am Abend fand ich das Haus von Mohammed, einem 21-jährigen. Der hatte mich 2 Tage zuvor eingeladen, bei ihm zu bleiben, wenn ich nach Shiraaz ankomme. Mohammed und seine Freunde lieben schnelle Autos, Alkohol und Frauen. Na ja, wie wir in der Schweiz halt auch. Ich erlebte eine ganz wilde Autofahrt und wurde auf Eiscreme eingeladen. Danach gingen wir zu seinem Freund. Die Jungs tranken Alkohol, rauchten Wasserpfeife und tanzten bis spät in die Nacht. Ich sah mir das Haus seines Freundes an und war überwältigt. Ich habe noch nie zuvor eine so schöne Villa gesehen. Ein Märchenpalast.

Fr 10. Dezember 1999 131. Tag

1. Tag Ramadan in Shiraaz

Ich konnte dann bei Mohammeds Haus duschen und rasieren. Ich ging dann alleine in die Stadt und tauschte 50 US $ in einem Kleidergeschäft. Auf das Abendessen freute ich mich mächtig. Es gab Bohnenpüree, Joghurt, Reis und Brot. Am Abend fuhren wir dann in der Stadt herum und assen Eiscreme. Mit einem Freund Mohammeds fuhr ich ausserhalb der Stadt zu einem Geschäftspartner. Dort tranken wir Tee, assen Früchte und unterhielten uns. Die ältesten rauchten Opium. Was eigentlich keinen störte. Na ja, in Europa trinkt man eben ein Glas Wein und hier rauchen sie Opium. So ist das halt.

Sa 11. Dezember 1999 132. Tag

2. Tag Ramadan in Shiraaz

Um 4.45 Uhr morgens wurde ich von Mohammed geweckt. Es gab zu essen, eine grosse Portion Reis. Ein wenig zu früh, doch wenn man bedenkt, dass man jetzt den Rest des Tages nichts isst und trinkt, geht es. Na klar, nicht alle fasten. Doch sollte man sich von der Polizei nicht erwischen lassen, wenn man das Fasten bricht Ich traf einen Studenten, der gut Englisch sprach. Ich machte ab, mit ihm morgen ins Kino zu gehen. Ich möchte den Film „Die Farben des Paradieses" sehen. Der sollte unglaublich gut sein. Am Abend kam Mohammeds Freundin zu ihm nach Hause.

So 12. Dezember 1999 133. Tag

3. Tag Ramadan in Shiraaz

Um 12.00 Uhr traf ich den Studenten, er war zusammen mit einem Australier. Jeder 2 Satz des Australiers war „FUCK". War lustig, zu sehen, wie die Iraner reagieren. Der Film fing erst um 14.00 Uhr an, so besuchten wir den grossen Bazar. Der Film war wirklich sehr gut. Er handelte von einem blinden Jungen und das Verhältnis zur Familie und der Umwelt. Am Abend ging ich zusammen mit Ali, einem Iraner, der in Neuseeland lebt, zum Hotel, wo der Australier schläft. Dort waren auch noch 2 Japanerinnen, 1 Rumäne und 1 Kanadier. Zusammen gingen wir Pizza essen. Es wurde ein heiterer Abend. 

Mo 13. Dezember 1999 134. Tag

4. Tag Ramadan in Shiraaz

Um 10.00 traf ich Ali. Wir wollten zusammen ins Büro gehen, wo ich das Visa verlängern konnte. Da es aber umgezogen ist, entschieden wir, das Visa zu verlängern, wenn ich wieder nach Shiraaz komme. Dafür kaufte ich das Busticket. 17.500 Rials = 2.60 Fr. für etwa 1000 km Busfahrt. Wahnsinnige Preise. Ich ging nochmals ins Kino, doch der Film wahr schwachsinnig, sodass ich das Kino nach einer halben Stunde verliess. Am Abend machte ich nicht sehr viel. Ich quatschte mit den Jungs ein wenig und rief noch nach Hause an. Meine Eltern waren schon unterwegs nach Spanien. So kann ich bis April nicht mit meiner Mutter sprechen. Zu Hause hat sich nicht viel geändert noch alles beim Alten. Im Westen nichts Neues, fällt mir da ein.

 Di 14. Dezember 1999 135. Tag

5. Tag Ramadan Shiraz-Teheran 1000 Km

Am Morgen packte ich meine Sachen, als Mortezar (der Student, mit dem ich ins Kino ging) plötzlich bei Mohammeds Haus auftauchte. Er war sehr aufgeregt, da die Backpacker, die vor zwei Tagen nach Persepolis fuhren, immer noch nicht ins Hotel zurückgekommen waren. Ich sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen, da sie eine Gruppe von drei Jungs und zwei Mädchen seien. Und dass sie sich vermutlich nur ein wenig verspätet hätten. Doch ich machte ihm den Gefallen und fuhr mit ihm zum Hotel. Dort sagte ich dem Hotelier, er solle die Sachen der Backpacker noch im Zimmer lassen, da sie bestimmt am Abend oder am nächsten Tag zurückkehren würden. Dann fuhr ich zurück zu Mohammeds Haus. Unterwegs besorgte ich mir noch Proviant für die lange Busfahrt. Es gibt zwei Klassen von Bussen. Die VIP Klasse, bestehend aus neuen Volvos und die zweite Klasse, in der etwa 30 -jährige Mercedes Benz verkehren. Ich fuhr mit einem zweitklassigen, alten Vehikel. Der Motor ist zwar laut, doch es hat genug Platz und die Sitze sind sehr bequem. Der Bus fuhr mit einer dreissigminütigen Verspätung ab, um 18.30 Uhr. Der Bus war halb voll und es war sehr angenehm. Die Fahrt dauerte insgesamt 15 Stunden und der Bus wurde zweimal von der Polizei kontrolliert. Es wurde sogar das Verdeck abgeschraubt, um zu sehen, ob der Bus Drogen oder sonstige illegale Sachen schmuggle. Doch zum Glück war der Bus „clean".


Irans Präsident Mohammed Chatami

Mi 15. Dezember 1999 136. Tag

6. Tag Ramadan in Teheran

Vom Busterminal fuhr ich 20 Minuten mit dem öffentlichen Bus zum Valliaser Square. Dort suchte ich das Internetcafe auf, checkte meine Mails und schrieb Offline die neusten Berichte. Ich versuchte, ob es möglich wäre, in einer Metropole wie Teheran, wo ca. 16 Mio. Einwohner leben, in einer Moschee zu schlafen. Ich fragte einen Mann, der sein Auto auslud. Der Mann sprach perfekt englisch. Ich sagte ihm, dass ich eine Pilgerreise mache und aus diesem Grund in einem Gotteshaus schlafen möchte. Der Mann war Gentechniker. Er fuhr mich mit seinem Auto zu einer Moschee und zeigte mir die Gebetsräume. Danach lud er mich zu sich ein, um etwas zu trinken. Der Mann war seit kurzem verheiratet und hatte eine zwei Monate alte Tochter. Er selber war 30 Jahre alt und seine bezaubernde Frau 25. Das ist in Iran ganz normal, das die Frauen mehrere Jahre jünger sind. Es kann sein, dass der Mann 45 ist und seine Frau 30. Also, wenn ich 25 bin, müsste ich eine 10 jährige heiraten !?! Vielleicht nicht ganz so. Nun, der Mann war echt gut drauf er erzählte mir sehr viele interessante Dinge über den Iran und natürlich über seine Ansichten bezüglich Gentechnologie. Angesprochen auf das Verändern eins Genes meinte er, es sei besser, vielfältige verschiedenartige Gene (Arten) zu haben. Wenn eine bestimmte Art auf eine Krankheit anfällig ist und stirbt, ist die andere Art unter Umständen immun gegen dieselbe Krankheit. So wird das Leben gewahrt. Ich finde diese Einstellung für einen Gentechniker bewundernswert. Er führte mich noch zu einer gewaltigen, einfach sagenhaften Moschee, die ich bestimmt nicht ohne ihn besichtigen hätte können. Sie war gewaltig gross und im Inneren mit einem der teuersten Marmore, den es auf der Welt gibt, ausgestattet. Wunderbare Teppiche gab es da, und die Wände waren voll von Spiegeln, die in diverse Richtungen gewendet waren, so dass es ein schönes Muster ergab. Es gab einen Sarg in einem abgesonderten Raum. Die Leute warfen Geld auf das Totenbett, so dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden. Als wir aus der Moschee traten, gab es Leute, die verteilten Datteln. Das sei so, weil Ihre Wünsche in Erfüllung gegangen seien. Die Personen, die davon essen, hoffen, dass dadurch auch ihre Wünsche wahr werden. Um die Moschee herum herrschte eine hektische Stimmung; es gab einen Bazar, der nördlich des Gebäudes lag. Es gibt bei den meisten Moscheen einen Bazar. Weil die Leute es lieben, nach dem Beten Essen oder andere Sachen einzukaufen. Es war herrlich, diese Moschee zu besichtigen. Ach ja, bevor wir die Moschee besichtigten, waren wir essen in einer Pizzeria. Das ist eine Geste, die wir in Europa abgelegt und vergessen haben: Die Gastfreundschaft. Es war mir nicht erlaubt, zu bezahlen. Der Mann verdient hier als Spezialist 100 $ im Monat. In Europa würde dieselbe Arbeit mit vielleicht 20.000 $ honoriert oder sogar mit mehr. Er hat die Möglichkeit, nach Kanada auszuwandern, doch er möchte seine Familie nicht verlassen. Er hatte einen 20 -jährigen Wagen, der mit Benzin oder mit Gas fährt. Das Gas kostet hier fast nichts, und so kann er ein halbes Jahr sein Auto so viele male auftanken, wie er will, und es kostet ihn nur 10.- Fr. Er ist sehr besorgt um sein Auto. So hatte er eine Alarmanlage und dazu schloss er das Lenkrad und die Gaspedalen ab und schloss zweimal die Elektronik kurz. ein Dieb hat ein wahrlich schweres Werk zu verrichten an diesem Auto. Und das für ein 20-jähriges Auto, das bei uns im Museum zu besichtigen ist. Die Nacht schlief ich auf dem Fussboden seines Hauses.

Do 16. Dezember 1999 137. Tag

7. Tag Ramadan in Teheran

Am Morgen verabschiedete ich mich bei ihm und seiner Frau. Ich wechselte noch 150 $ und fuhr dann mit dem Bus nach Norden. Ich wollte den Hausberg besteigen. Im Bus lernte ich Mehdi, einen 19-jährigen Englisch-Studenten, kennen. Er lud mich ein zu sich nach Hause. Und da es anfing zu regnen oder vielmehr zu hageln, war meine Entscheidung, den Berg zu besteigen, klar ins Wasser gefallen. so ging ich mit ihm nach Hause. Er wohnte im armen Teil von Teheran, im Süden. Der Norden gehört den Reichen und der Süden den Armen. Er und sein Bruder gehen jeden Tag ausser den Freitag ins Bodybuilding-Training. Das Studio befindet sich in einem Kulturzentrum, das mir die Jungs zeigten. Da gab es Instrumentenbauer, Bibliotheken, Tanzschulen, Karate-Do, Bodybuilding-Studios, etc. etc. Wir besuchten ein Karate-Do. Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich ins Karate ging. Da machten wir die gleichen Übungen, es war schade dass ich dazumal aufhörte, doch es war in einer Zeit, als ich mich auf meine Ausbildung konzentrieren musste. Und das Training, das 5 Tage in der Woche in Anspruch nahm, war dazumal einfach zu viel. Die Jungs hier waren ganz gut. Mehdis Vater fuhr uns zu einer gewaltigen Moschee, die noch grösser und noch phänomenaler war als jene von gestern. Was erstaunlich war und ich noch in keiner Mosche zuvor gesehen hatte, war, dass sowohl Männer als auch Frauen zusammen im Vorraum beteten. Natürlich gab es auch getrennte Räumlichkeiten. Es war schön und doch war es makaber, dass direkt unter der Erde die toten Priester begraben waren und man über Ihre Gebeine ging oder über ihren Gebeinen betete. Ich versuchte, nicht auf die Gräber zu treten, und als die Familie das sah, machten sie es mir nach. Im Bazar sah ich ein Tuch, das ich kaufen wollte, doch die Familie liess mich nicht bezahlen, obwohl es für sie ganz bestimmt viel Geld kostete. Der Vater sagte, ich solle ihm schreiben, wenn ich in der Schweiz bei meiner Familie sei. Damit er wüsste, das ich gesund nach Hause gekommen sei. Ja, sie luden mich ein, wenn ich verheiratet bin, sie mit meiner zukünftigen zu besuchen.

Fr 17. Dezember 1999 138. Tag

8. Tag Ramadan in Teheran

Mit meinen neuen Brüdern fuhr ich nach Nordiran. Wir wollten heute in die Berge und das Wetter war auf unserer Seite. Freitag ist der Sonntag für die Arabische Welt. Jeder hat frei und so war der Berg übervoll von jungen Leuten. Es gibt in Iran 30 Millionen Junge, die zwischen 15 und 20 sind. Diese Jungs werden den Iran bestimmt komplett verändern. Es ist die Zeit dazu. Nun, auf dem Berg gibt es keine Polizei oder fanatische Priester und so hören die Jungs Hip-Hop und dancen auf dem Heiligen-Freien Berg. es waren -zig Tausend Leute dort. Es war herrlich, diese Jungs dancen zu sehen. Wo gibt es Unterschiede zwischen ihnen und den Jungs in Europa ??? Ich sah heute auf dem Berg keine. Ja, ich drücke euch jungen Iranern die Daumen; ihr habt das Zeug dazu, eurem Land mehr Freiheit zu geben. Hoffentlich macht ihr was Gutes daraus. Moscha, der Bruder von Mehdi und nun auch meiner, liebt es, mit den Mädchen zu flirten. Und heute waren so schöne Mädchen hier, dass auch ich es wagte. Ich gab Moscha den Tipp, dass er die Telefon-Nummern austauschen sollte. Was er dann auch tat. Als wir über die Schneegrenze kamen, bekam es Mehdi mit der Angst zu tun und wollte bei jedem Schritt zurück. Ich gab nach dem hundertsten Schritt nach. Doch wir machten noch eine gewaltige Schneeballschlacht. War Stark.


Dizin Iranisches Ski Paradies für reiche Teheraner 

Sa 18. Dezember 1999 139. Tag

9. Tag Ramadan Teheran-Dizin 125 Km

Ich verabschiedete mich mit schwerem Herzen von der neugewonnenen Familie. Mit dem Taxi fuhr ich zum West-Busterminal. Dort nahm ich den Bus nach Karaj. In Karaj stieg ich in den Minibus um, der mich in kurviger Fahrt hoch in die Berge fuhr, nach Dizin. Im Dorf fragte ich nach, ob sie Räumlichkeiten neben der Moschee hätten, wo ich übernachten könne. Nun, das war nicht möglich. Doch ein Einheimischer fuhr mich mit dem Motorrad nach Dizin. Er ging ins Hotel und ein anderer Mann, der englisch sprach, sagte mir, dass Ausländer in diesem Hotel mit Dollars bezahlen müssten. 1 Nacht 45 $. Nicht so günstig. Und unmöglich bei meinem Budget. So fuhr mich der Mann vom Hotel ins Dorf, wo ich ein Apartment für 30.000 Rials fand = 3.5 $. Das Apartment war sehr gross, etwa 75 m2 und hatte alles, was man braucht. Sogar eine grosse Küche, und der Besitzer brachte noch Töpfe, und alles, was dazu gehört. Super. Man sagte mir, dass in 2 Tagen die Ski-Bahnen eröffnen. Die meisten Leute arbeiten für das Skigebiet. Und viele kamen und sagten, sie wollten mein Ski- oder Snowboardlehrer sein. Na ja, mal sehen, wer wen unterrichtet... Mehdi aus Teheran verstand nicht, dass ich für 2 Wochen Skilaufen gehen will, doch ich liebe diesen Sport zu sehr, als dass ich nur einen Tag bleiben würde. Ich bin zur Zeit der erste Tourist, und es kommen auch nicht viele Touristen nach Dizin. Das Dorf beherbergt etwa 1000 Leute. Sehr klein. Es gibt nicht viel, was man machen könnte. Kein Restaurant, keine Bar, absolut tote Hose. Das einzige, was man machen kann, ist lesen am Abend. Die Leute sind zwar sehr freundlich, doch viel verschlossener als in Teheran und die ganze Zeit, die ich hier war, hatte ich nicht sehr grossen Kontakt mit den Einheimischen.

So 19. Dezember 1999 140.Tag

10. Tag Ramadan in Dizin

Am Morgen kochte ich Spaghetti. Ich lief die 5 Km zum Skigebiet um das Ganze mal zu betrachten. Das Gebiet hat 10 Lifte und ist nicht sehr gross. Es hat nicht sehr viel Schnee. Schade. Ich betrachtete die Skis und die Snowboards. Die Skis sind sehr alt und schlecht gewartet, doch man kann fahren mit ihnen. Die Snowboards sind uralt, zwischen 15 und 5 Jahre. Ich sah ein Brett, auf dem ich vor 6 Jahren angefangen hatte zu „snöben". Das Chilli-Willi von Reto Lamm von der Firma Crazy Banana. Ein gutes Brett, doch dieses hier war total verkratzt und hatte sehr schlechte Kanten. Die Bindung war jedoch zum lachen. Na und das Beste: Für Carver gibt's keine speziellen Snowboardschuhe! Nein, das kennt man hier nicht, man fährt mit den Skischuhen. Ich werde mich da doch lieber den Skiern zuwenden. Nun, ich muss mir bewusst werden, dass ich den Schweizer Standard hier nicht erwarten darf. Sondern es ist eben alles viel urchiger. Als ich dann zum Dorf zurücklaufen wollte, nahm mich ein Auto mit. Im Apartment kochte ich eine Rösti. Es war beinahe Vollmond, und so lief ich noch neben einem Bächlein das Tal hoch. Das war das heutige Highlight.

Mo 20. Dezember 1999 141.Tag

11. Tag Ramadan in Dizin

Am Morgen stieg ich den Berg hoch, den ich gestern abend schon zu einem kleinen Teil bestiegen hatte. Na ja, nicht ganz zur Spitze. Ich fühlte mich noch müde. Mein Körper muss sich noch an die Höhe gewöhnen. Die eine Seite war herrlich schneebedeckt die andere Seite war kahl. Ach ich verstehe nicht wieso sie nicht schon heute die Piste eröffneten. Im Dorf erfuhr ich, dass sie die Piste nicht morgen, sondern erst in zwei Tagen eröffnen wollen. Ich rief nach Shiraaz an wo ich mit Ali sprach. Ich sagte, es würden vermutlich 3 Wochen, bis ich wieder nach Shiraaz komme. Ali meinte, dass Dizin erst am Freitag öffnet und das mich die Leute eventuell hinhalten wollten, wenn sie sagten in 2 Tagen. Am Abend unterhielt ich mich mit dem Vermieter. Er ist sehr nett und hat mir heute zu Essen gebracht. Morgen habe ich mit einem Jungen abgemacht, in die Berge zu steigen.

Di 21. Dezember 1999 142. Tag

12. Tag Ramadan Dizin-Mashad 1150 Km

Um 9.00 traf ich den Jungen und wir gingen gemeinsam bergan. Er konnte nicht gut englisch und es war schwer, sich zu verständigen. 10 min später schloss sich uns noch sein Freund an. Der war Jäger und ein hatte Fernglas bei sich. An der gleichen Stelle, wo ich gestern umkehrte, machten wir eine Kaffeepause. Wir traversierten den Berg hoch. Ich hasse traversieren und wollte hoch steigen. Ich war etwa 100m höher als die Jungs, und ich denke, es fehlten noch etwa 300 Höhenmeter bis zum Gipfel, als die Jungs anfingen zu schreien: Achtung, Tiger!! Chriss come back... Scheisse, so nah und doch unerreichbar. Ich weiss, dass es hier im Nordiran Tiger - und was noch gefährlicher ist - Bären gibt. Da der eine Jäger ist, war die Entscheidung, umzukehren, richtig. Denn ich möchte nicht als Hauptmahlzeit eines Tigers enden. Als wir zum Dorf zurückkamen, hiess es wieder 2 Tage. Ich entschied, meine Sachen zu packen und nach Mashad, dem religiösen Zentrum Irans, zu fahren. So fuhr ich mit dem Minibus nach Karaj und von dort nach Mashad. Die Fahrt dauerte 17 1/2 Stunden. Der Bus hatte eine Reifenpanne. Die Männer arbeiteten daran etwa 2 Stunden. Na ja, mit dem Bus im Iran zu fahren ist immer ein Abenteuer. Wir mussten dann umsteigen. Und als der zweite Bus Passagiere aufnehmen wollte, versagte der Motor. So mussten etliche Passagiere den Bus anschieben.


Mashad Heilige Mosche wo der Schrein des Sufis liegt

Mi 22. Dezember 1999 143. Tag

13. Tag Ramadan in Mashad

Ich wollte das Visum verlängern, doch da es noch bis zum 19.Januar 2000 gültig ist, liess sich das nicht machen. Ich fuhr mit dem Bus zur Moschee, doch ich durfte diese Moschee nicht betreten. Eigentlich schade, da sie eine sehr grosse Bedeutung hat. Jährlich pilgern 30 Mio. Menschen nach Mashad. Die junge Bevölkerung, die gegen die Regierung und die fanatischen Anhänger ist, hasst Mashad. In Mashad sah ich viele Photogeschäfte, so dass ich mir Passphotos machen liess. 20 Stück für 2.3 $. Bei einem Photographen. Unser Photograph in der Schweiz wollte 130.-Fr.!! Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit fuhr ich in den Osten der Stadt mit dem Bus. Ich fragte ein paar Leute, wo es eine Moschee hat und fand eine sehr kleine, gemütliche. Es half mir ein Englisch-Student beim übersetzen, als ich mit dem Verwalter der Moschee sprach. Er sagte, ich dürfe hier bleiben, doch ich müsse warten bis 22.00, da es noch die Zeit zum Beten wäre. So lud mich Rezashar ein, bei ihm zu warten. Im Reisepass der Iraner steht, dass es strengsten verboten ist, nach Israel einzureisen. Die Mehrheit der Iraner hasst Israel, was auch davon kommt, dass die Zeitungen und Fernsehstationen ziemlich einseitig berichten. Er ist davon überzeugt, dass es möglich sein müsste, das alle Menschen in Frieden miteinander leben können. Ich bin seiner Meinung. Ich konnte ein wenig mit seiner Frau sprechen, wie sie ihre Rolle im Iran findet. Und sie bestätigte, was ich auch vielerorts sah, dass diese Frauen ein glückliches und ein behütetes Leben führen. Was vielmals besser funktioniert als in Europa.

Do 23. Dezember 1999 144. Tag

14. Tag Ramadan Mashad-Dizin 1150 Km

Ich wollte mit der Eisenbahn nach Teheran fahren. So organisierte ich das Ticket. Mein Zug fährt um 18.00 Uhr. So habe ich genügend Zeit um, noch ein wenig die Stadt anzuschauen und um meine Passbilder abzuholen. So sah ich den Bazar und kaufte auch noch eine neue Kamera. Die nicht viel günstiger ist als in der Schweiz. Der Bahnhof erinnert an einen Flughafen. So wird das Gepäck geröntgt und ein Securitas macht Personenkontrolle. Es wird haarscharf kontrolliert. Nur Ausländer müssen sich nicht kontrollieren lassen. Wenn man zu den Geleisen möchte, muss man durch einen Check im Schalter hindurch. Dort wird das Ticket kontrolliert. Die Züge sind sehr modern, nicht viel anders als unsere 6er Abteile. In meinem Abteil waren eine junge Mutter mit ihrem Baby und ihre Mutter und drei Männer. Die Frauen waren sehr nett und servierten uns Kaffee und Nüsse. Es gab einen Philosophie-Student, der interessiert war an den Erlebnissen, die ich auf meinen Reisen machte. So wurde es sehr lustig. Doch so ganz versteht er das nicht, dass in Europa jeder mit jedem machen kann, was er will. Dass es sogar gleichgeschlechtliche Ehen gibt. Das ist hier eine grosse Sünde und unvorstellbar. Nun, ich gebe ihm Recht; so sauber finde ich das auch nicht. Doch ist so was schon normal und ich kümmere mich nicht mehr darum. Ich finde die Fahrt mit dem Zug ungemütlicher als mit dem Bus. Auch hatte ich kein so sicheres Gefühl. Ich schlief mit einem Auge das andere wachte. Als die Kontrolleure kamen, wurden die 2 Frauen in ein anderes Abteil versetzt. Was ich eigentlich schade fand, da es sehr freundliche Frauen waren.

Fr 24. Dezember 1999 145. Tag

15. Tag Ramadan in Dizin

Um 9.00 Uhr kam ich in Teheran an. Ich fuhr gleich weiter mit dem Bus zum Westbahnhof. Ein Iraner, der auch nach Karaj fuhr, führte mich. Als ich im Westbahnhof ankam und den Bus bezahlen wollte, hatte der Mann, den ich zuvor nicht kannte, das Ticket bezahlt. Mit einem anderen Bus fuhren wir zusammen nach Karaj. Der Mann konnte kein Englisch, so genoss ich die Aussicht. In Karaj angekommen, durfte ich den Bus wieder nicht bezahlen, obwohl ich mit diesem Mann fast nichts gesprochen hatte und ihn auch noch nie zuvor gesehen. Nun, die Reise ging weiter, mit dem Taxi zum Zentrum und von dort begab ich zum Nord-Busterminal. Dann nahm ich den Minibus nach Dizin, wo ich um 12.00 Uhr mittags ankam. Im Dorf ging ich zum Apartment, wo ich mich erst einmal schlafen legte. Als ich aufwachte, war es bereits dunkel und die Post hatte schon geschlossen, so das ich meinem Bruder nicht zum 40. Geburtstag gratulieren konnte. In einem der vielen Krämerläden kaufte ich Kerzen. Ich ging runter zum Dorfbach und schmückte ein Bäumchen damit. Dann zündete ich die Kerzen an und lief um das Bäumchen und sang (weder gut noch richtig) ein paar kitschige Weihnachtslieder. Ich bekam Heimweh und überlegte mir, was ich eigentlich hier mache und dachte auch daran, was ich in der Heimat gemacht hatte und was ich jetzt machen könnte. Und als ich so nachdachte, war das Heimweh plötzlich verschwunden und ich war sehr froh hier zu sein. Ich las dann noch in der Bibel und ging dann bald schlafen.

Sa 25. Dezember 1999 146. Tag

16. Tag Ramadan in Dizin

Früh ging ich los ins Skigebiet. Ein Bus nahm mich mit. Ich erkundigte mich nach den Preisen. Ski kosten normal 50.000 Rials und Snowboards 150.000 Rials. Ich bekam die Skis für 30.000 Rials, das Skiticket kostet gleich viel. Mit einer antiken Kabine fuhr ich auf 3800 m Höhe. Heute war es die Gondelbahn und ein kleiner Tellerlift, der fuhr. Insgesamt etwa 12 Km. Sehr klein und antik - alles wurde erbaut zu den Zeiten des Schahs und es funktioniert noch alles wie damals. Doch ich hatte die ersten paar Tage ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, als ich mit diesen Dingern dem Gipfel entgegen fuhr. In Dizin findet sich die High Society wieder. Die Millionäre, Yuppies und Neureichen. Doch nein, man sieht keine Snobs oder Eingebildete, nein es sind Menschen, mit denen du ganz normal reden kannst. Sie sind froh, dass ein Tourist in den Iran kommt. Sie freuten sich, als ich sagte es gefalle mir ausgezeichnet. Man sieht keine Frauen in Pelz, die mit Stöckelschuhen umherspazieren. Den ersten Tag fuhr ich noch sehr vorsichtig. Ich war schon 7 Jahre nicht mehr auf Skiern gestanden, doch dafür sah das, was ich noch konnte - so denke ich - ganz gut aus. Ich unterhielt mich mit Mehdi und wir fuhren zusammen Ski. Er gab mir seine Adresse und ich solle mich bei ihm melden, wenn ich nach Teheran komme. Ich traf Herrn Kalhor, der vor 20 Jahren Olympiamedallien gewann beim Skifahren und der hier für Dizin verantwortlich ist. Ein sehr sympathischer Mann. Am Abend hatte ich Muskelkater und da ich sowieso hier nichts machen kann, ging ich früh schlafen.

So 26.-Mi.29. Dezember 1999 147.-150. Tag

Skifahren in Dizin

Ich hatte dieser Tage grossen Fun und ich traf viele Leute, unter anderem die beste Basketballspielerin im Iran und viele Jungs mit Snowboards. Ich war überrascht, zu hören, dass ein komplettes Snowboard hier viel teurer ist als in der Schweiz. So bezahlt man 1000 $ für ein neueres Brett ohne Bindung und Schuhe. Die Bindung kostet nochmals 300 $ und die Schuhe 250 $. Natürlich gibt es auch Secondhand-Bretter, doch die befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Die Regierung lässt keinen Import zu, man darf nur einzelne Stücke einführen. Allgemein sind die Importtaxen sehr hoch, bis 200%, das macht das Ganze sehr schwer und teuer. Die Tage in Dizin waren ein Genuss, doch es gab in dieser Zeit nicht viel Schnee, so dass es jeden Tag mehr Steine hatte und ich mich dann entschloss, nach Teheran zurückzukehren. Nun, ich denke, das Skigebiet ist ganz OK, doch man sollte die hohen Ansprüche, die man sich von der Schweiz her gewöhnt ist, abschreiben. Dafür ist es ein grosses Abenteuer und mit viel Fun und neuen Begegnungen verbunden. Manager, die Buissness im Iran machen wollen, lernen hier in Dizin Geschäftspartner kennen. Und auch ich kam auf Ideen, die ich vorerst noch nicht realisieren werde, die mich jedoch sehr reich machen könnten. Denn im Iran hat man Möglichkeiten, sehr schnell reich zu werden. Doch in erster Linie steht die Reise um die Welt per Liegerad im Vordergrund. Und ich möchte wirklich nicht so schnell wieder in den Alltagstrott zurückkehren; dazu habe ich hier zuviel Fun, den ich vermissen würde.

Do 30.Dezemeber 1999 151. Tag

21. Tag Ramadan Dizin-Tehran

Es folgen drei Feiertage, an denen alle Geschäfte geschlossen haben. Heute ist ein Märtyrer-Tag, der Ali, einem grossen Propheten, gewidmet ist. Man sieht überall schwarze Trauerfahnen und sogar das Skigebiet ist geschlossen. Ich machte Autostop und drei Brüder aus Teheran, die Skifahren wollten, nahmen mich mit nach Teheran. Doch zuerst besuchten wir ein Höhle, die wir jedoch nicht besichtigen konnten, da wir keine Lampen hatten. In Teheran angekommen, ging ich in den Melat Park - den Volkspark. Es gab einen kleinen See, auf dem Boote fahren. Es war sehr ruhig und es gab nicht viele Leute dort. Ich unterhielt mich mit ein paar Leuten. Als es dunkel wurde, lief ich in den Norden von Teheran, wo ich in einer Pizzeria Tagebuch schrieb und mir die Leute ansah. Dort lernte ich Sami kennen, der mit seiner Freundin, ihrem Bruder und seiner Mutter dort war. Er dachte, ich käme von Palästina, da ich ein Halstuch trug, wie es die Palästinenser haben. Das habe ich schon oft gemerkt, dass mich die Leute für einen Palästinenser hielten. Und mir passt das ganz gut. So sprechen mich die Leute nicht an, weil sei glauben, ich wäre reich, sondern weil sie wissen wollen, was das für ein Mensch ist. Ich versuche mich der Umgebung anzupassen, so gut es geht. Sami ist 27-jährig und seine Freundin Panir ist 20. Sie wollen demnächst heiraten. So fuhren wir gemeinsam zu seiner Freundin, wo wir uns näher kennen lernten. Ich durfte Ihren Computer benutzen, um Berichte zu schreiben. Ich habe mir dafür in Schiraaz extra eine Diskette gekauft. Sami lebt zusammen mit Toni. Die beiden sind Söhne reicher Eltern. Beide sind Einzelkinder. Sie leben in einem Kellergeschoss, das etwa 10 m2 gross ist, in ganz einfachen Verhältnissen. Sie bekommen nichts von ihren Vätern. Samis Vater trinkt Alkohol. Und Tonis Vater, der 52 ist, nahm sich ein Weib, das 27-jährig und damit gerade einmal 3 Jahre älter als Toni ist. Das Weib wollte nicht, dass Toni im Haus lebt, so schmiss sein Vater ihn raus. Sami sah seinen Vater vor 7 Monaten das letzte mal für ein paar Sekunden und Toni seinen Vater vor 7 Jahren.

Fr 31. Dezember 1999 152. Tag

22. Tag Ramadan in Teheran

Silvester

Ich schliefen bis 10.00 Uhr. Da heute ein religiöser Feiertag ist, ist es für junge Leute, die lange Haare haben, gefährlich, auf die Strasse zu gehen. Wenn einer von der Regierung heute einen dieser Jungs schnappt, wird ihm das Haar geschnitten und er bekommt Schläge mit der Peitsche. Sami und Toni haben lange Haare, und sie sind gegen die Regierung, wie 30 Mio. anderer Jugendlicher. So blieben wir die meiste Zeit des Tages im Keller. Wir spielten Tischtennis und „Ciao Sepp". Nun, war ganz OK. Wir gingen nur kurz raus, da ich nach Hause telephonieren wollte. Ich gratulierte meinem Bruder zum Geburtstag - ein wenig spät. Ich ass heute nichts und war sehr froh, als die Sonne unterging und wir Pommes-Frites zubereiteten, die herrlich schmeckten. Wenn man lange Zeit nichts gegessen hat, ist man sehr froh über das Essen und man geniest es um so mehr. Nach dem Essen gingen wir nach Nord-Teheran, zum Darband Berg. Er ist einer der Hausberge Teherans. Alle Restaurants hatten geschlossen (blöder Feiertag!!). Wir fanden dennoch eine Teestube, die offen hatte. Man liegt auf Betten, die mit Teppichen ausgelegt sind. Wenn man will, kann man Wasserpfeife mit diversen Tabaken geniessen. Es war schon recht dunkel als wir weiter gingen. Ich entschloss, Kerzen zu kaufen. Mit Hilfe einer 1.5 Liter Pet-Flasche bastelten wir einen Windschutz, so hatten wir ein sehr gutes Licht. Und so stiegen wir 1 Stunde den Berg hoch. Das war echter Fun. Wir lachten und sangen. Im Berghotel machten wir Rast. Dort lernte ich einen etwa 60 -jährigen Iraner kennen, der schon das Matterhorn bestiegen hatte und den höchsten Berg Irans, der mehr als 5600m hoch ist. Wir sprachen mit den Leuten bis 23.30 Uhr, dann brachen wir wieder auf mit unserem selbstgebastelten Licht. Kurz vor Mitternacht machten wir Halt. Wir dankten Gott und sangen und tanzten uns ins neue Jahrtausend. Nun, irgendwie komisch, da bin ich in einem Land, das eine total andere Zeitrechnung hat. Wo keiner Silvester feiert. Nur wir drei verrückten Jungs. 1.Januar 2000; ein neues Jahrtausend hat angefangen. Und ich bin hier im Land, das heute den 10.Oktober 1378 schreibt. Nun, statt Feuerwerk hatten wir die Lichter einer 16 Mio. Einwohner grossen Stadt vor Augen: Teheran. Und es war einer meiner besten Silvester, die ich je feierte. Wir waren sehr lange auf dem Berg und kamen erst um 4.00 unter die Decke.

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