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Reisebericht Griechenland


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Mi 8.September 1999 38.Tag 

Igomenitsa-Polidroso 49.12 Km T:2546 Km 

Das erste, was ich in Griechenland tat, war Geld von einer Bank abzuheben. War ein gutes Gefühl, wieder Vermögend zu sein. Das zweite war die Uhr um eine Stunde vorstellen. Das dritte ein Internetcafe aufsuchen. Das eine hatte zwar geschlossen, doch der Besitzer war so freundlich, mich an den Computer zu lassen. So konnte ich wenigstens die Mails bearbeiten. Danach fuhr ich Richtung Ioanina. Ein paar Kilometer weiter traf ich ein 53-jährige Engländerin, die für zwei Jahre eine Weltreise unternimmt. Sie wollte nach Istanbul, doch wegen dem Erdbeben wird sie einen anderen Weg gehen. Ich glaube zwar, dass, bis ich dort bin, sich die Lage beruhigt hat. 

Die Strasse führte Richtung Berge, und schnell war klar, dass ich wieder mal feste in die Pedalen zu treten hatte. Auf dem Gipfel angekommen, machte ich ein paar Dehnübungen. Dabei sprach mich ein Grieche an und meinte, ich solle nach Ioanina fahren, denn nächsten Flug nach Hause nehmen und mit dem Motorrad zurückkehren. Ja, so sind die Griechen!!! Wenn Sie können, nehmen Sie denn Töff oder den Wagen. Ich traf viele Leute, die niemals gelernt hatten, Rad zu fahren. So wurde ich auch später vielmals kopfschüttelnd empfangen. In einer anderen Bar traf ich Maria (25) und Georgios (24). Ein Geschwister, das in Deutschland aufwuchs und nun nach Griechenland auswandern möchte. Georgios macht noch in diesem Jahr ein Jeansshop in Ioanina auf. Maria, die mit einem Spanier glücklich verheiratet ist, sucht noch einen passenden Ort zum Leben. Es wurde schon spät, und so konnte ich bei ihnen übernachten. 


Ioanina

Do 9.September 1999 39.Tag 

Polidroso-Ioanina 57.5 Km T:2603.5 

Um 09.00 Uhr ging's weiter immer der Bergkette entlang. Zuerst 8 Km runter und dann wieder hoch. Ein Lastwagen voll beladen der einen sehr unsicheren Eindruck machte überholte mich hupend. Da sah ich das "CH"- Nummernschild; er kam aus Luzern. Später traf ich die beiden Kosovoalbaner wieder. Sie brachten Hilfsgüter in ihre Heimat. 

Ich kam um 13.00 in Ioanina an im Supermark kaufte ich noch ein paar Kleinigkeiten ein und dann suchte ich ein Internetcafe auf. Ich hatte viel Erlebt und so gab es viel zu schreiben. Ich blieb bis 22.00 Uhr und war noch immer nicht am Ende der Berichterstattung. So suchte ich das Camping auf. 

Fr. 10.September 1999 40.Tag 

Ioanina-Mykro Peristeri 48.39 Km T:2651.9 Km 

Die Nacht hatte ich grosse Mühe einzuschlafen; ich war einfach zu sehr aufgeregt. Es war auch wesentlich kühler und der erste Tau sah man am Morgen. Nach dem Lauftraining ging ich duschen. Dort liess ich die Laufhose blöderweise liegen, was ich erst später feststellte. Ich hatte ein wenig Mühe, das Internetcafe wieder zu finden. Doch nach ein paar mal fragen fand ich es dann wieder. Ich schrieb die Texte fertig (bis 15.00 Uhr) und fuhr dann Richtung Meteora ab. Ich wusste, dass ich heute nicht sehr weit kommen würde, da es ersten schon spät war und da ich zweitens den Fasttag hatte. Der erste Pass war 900m hoch und ging dann wieder runter auf 500m. Danach war klar, würde es in hunderten von Kurven auf 1690m hoch gehen. In einem kleinen Ort entschied ich mich, für heute Schluss zu machen. Ich durfte bei einem Restaurant im Garten meine Hängematte aufstellen, entschied mich aber, unter dem Vordach zu schlafen, da es anfing zu blitzen 


Byzantinisches Kloster

Sa. 11.September 1999 41.Tag 

Mykro Peristeri -Metsovo-Meteora 111.7 Km T:2763.8 Km 

Mit einem flauen Hungergefühl suchte ich im nächsten Dorf was zu essen. Doch dort gab es absolut nichts. So fuhr ich die nächsten 15 Km langsam und schlaff auf 1200m nach Metsovo hoch. Dort kaufte ich ein paar Früchte und machte mir ein Müsli. Als ich gerade losfahren wollte, hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Es war Therese, die 53- jährige Weltradlerin, es war eine Freude, sie wieder zu sehen. So machten wir noch Halt in einem Café. 

Das Wetter war leider nicht so ideal, es war sehr kalt auf 1690m, und so fuhr ich eingepackt und mit Handschuhen die nächsten 15 Km den Pass hinunter. Auf dem Tacho hatte ich eine Geschwindigkeit von 61 Km/h. Danach gab es ein paar kleinere Hügelzüge. Die Landschaft war genial. Was ich dagegen sehr schlecht fand, war, dass die Leute hier allen Abfall einfach auf die Strasse werfen. So ist neben der Fahrspur ein riesiger Müllhafen, und niemand wird den jemals wegräumen. Das ist den Griechen gleichgültig. Was ich hier auch oft sah, waren abgebrannte Autowracks und sehr viele Glaskästchen mit Kerzen darin. Jedes einzelne steht für einen Menschen, der den Tod auf der Strasse fand. Diese Mahnmale schrecken jedoch die Menschen nicht ab, weiter ihre riskanten Überholmanöver zu tätigen. In einem Klettercamping, das teuer, aber mit vielen guten Dingen ausgestattet ist, blieb ich dann. Ich hoffe, dass ich hier einen Kletterpartner finden werde. 

So 12.September 1999 42. Tag 

Ruhetag 

Heute war ich sehr faul. Meine Muskeln fühlten sich schwach und ich wollte eigentlich nur sitzen und gar nichts machen. Ich suchte nach einem Kletterpartner, doch da die Saison schon zu Ende war, fand ich niemanden. Ein paar Kletterer waren noch dort, doch die waren mir nicht sympathisch. Am Abend lernte ich Daniela kennen, eine sehr hübsche Italienern. Wir sprachen die ganze Nacht und wir planten, morgen ein paar Klöster anzuschauen. 

Mo 13. September 1999 43. Tag 

Besichtigung der Meteoraklöster 

Es wurde ein herrlicher Tag - wir waren den ganzen Tag auf den Beinen. Meine Muskeln hatten sich soweit erholt. Es war gut, dass ich gestern eine Pause eingelegt hatte. Nun, wir sahen das grosse Metamorphosis und ein kleineres Kloster, das Agia Triada. Beim kleineren hatte es einen Mönch, der extrem weitsichtig war und der auch noch eine riesige Brille auf der Nase trug. Das sah ziemlich lustig aus. Auf dem Rückweg fanden wir viele Feigenbäume, also assen wir uns noch satt. Um 15.00 Uhr verabschiedete ich mich von Daniela. War schade, dass sie schon weiter musste. Später ging ich noch für eine Stunde laufen. 

Di 14. September 1999 44. Tag 

Ausser dass ich 2,5 Stunden im Internetcafe war, habe ich nicht viel gemacht. Ich war immer noch müde und schlief sehr viel. 

Mi 15.September 1999 45. Tag 

Kalambaka-Peskati-Kalithea 101.8 Km T:2886 Km 

Um 8.00 Uhr stand ich auf, ging danach 45 min laufen und machte noch 15 min Kraftübungen. Um 11.00 Uhr war ich dann vor dem Internetcafe, wo ich schnell die Mails checkte. Da nicht viele Meldungen vorhanden waren, befand ich mich kurz darauf auf der Strasse nach Deskati. Es ging stetig bergauf, bis auf 900m, und 10 Km davon waren auf einer Steinpiste, die bei einem nach Verwesung stinkenden Müllhaufen vorbei führte. In einem kleinen Mini-Markt traf ich eine Griechische Familie, die 15 Jahre im Triemli Spital in Zürich gearbeitet hatte. Und nun diesen Markt seit 3 Jahren führt. Die Tochter, die nun 15 ist und in Zürich aufgewachsen ist, findet es in diesem Dorf todlangweilig und möchte, sobald sie volljährig ist, in die Schweiz zurück. Die Nacht verbrachte ich dann im Garten eines Restaurants. 

Do 16.September 1999 46. Tag 

Kalithea-Katerini-Litohoro 89.37 Km T:2975.7 Km 

Der höchste Punkt, den ich heute erreichte, war auf 1080m. Danach ging es runter auf 100m, die Strecke war sehr abwechslungsreich und schön. Das einzige mühsame Stück war die Autobahn von Katerini bis nach Litohoro etwa 25 Km. Müde kam ich dann in Litohoro an. Dort setzte ich mich in eine Bar und erholte mich ein wenig. Ich muss noch ein Plätzchen für die Ausrüstung und das Rad finden, da ich morgen den Olymp besteigen will. Und so ging ich dann später zur Polizei. um 9.00 war der Beamte dann dort und es war dann doch nicht möglich mein Rad dort abzustellen. Es wäre Ihm wohl lieber, einen Diebstahlbericht zu schreiben, als dafür zu sorgen, dass nichts gestohlen würde. Also, so eine Polizei habe ich noch nie erlebt. Also, Freunde, wenn Ihr ein Problem habt, seid froh, wenn Ihr nicht die Polizei von Litohoro braucht, denn die helfen bestimmt NICHT ! Dass ich sauer auf diese Polizei war, ist klar. In einem Hotel war es auch nicht möglich, mein Rad zu deponieren: Die schickten mich zur Polizei. Nun, ich hoffte, dass die Bar, wo ich zuvor ein paar Biere getrunken hatte, mir helfen könnte. Und es stellte sich heraus dass sie einen grossen Garten und ein Haus hinter der Bar hatten, wo ich die Ausrüstung und das Rad für ein paar Tage stehen lassen konnte. Das war der Retter in der Not. Für die Nacht suchte ich zwei Bäume, an denen ich meine Hängematte befestigen konnte und wo ich ungestört schlafen konnte. So ungestört war ich dann jedoch nicht, denn es fing an zu Tropfen. Irgendwie hatte ich den Instinkt, schnell zusammenzupacken, und das war gut, denn Zeus war wütend und schleuderte Blitz und Donner und liess das Wasser in Strömen runter, dass es nicht mehr schön war. Somit rannte ich, was das Zeug hielt zum nächsten Unterschlupf, einem kleinen Café. Dort breitete ich die Isomatte und den Schlafsack aus und machte es mir am Boden bequem. Ein wilder, aber sanftmütiger Hund liess sich neben mir nieder und beschützte mich vor unliebsamen Besuchern.


Die Gipfel des Olymps

Fr 17. September 1999 47.Tag 

Besteigung des Olymps 

Am Morgen wurde ich von der Besitzerin des Cafés unliebsam aufgeweckt. Sie war sehr unfreundlich (vielleicht sah ich wirklich aus wie ein Penner). So bestellte ich zuerst einen Kaffee, dabei wurde Sie dann ein wenig freundlicher. Als ich mir dann jedoch die Zähne putzte, wurde Sie wieder zum Drachen. So floh ich dann vor Ihr. 

Es sah so aus, als würde das Wetter ein wenig besser werden. So machte ich mich für den Aufstieg bereit. Ich zog mir Neoprensocken an und das stellte sich als Glückstreffer heraus. Ich unterhielt mich noch mit drei Griechen die von einem höheren Punkt aus ins zweite Refuge hochsteigen wollen. Auch ich wollte ins zweite Refuge gehen. So startete ich um 9.00 Uhr. Ein Hund folgte mir und wich mir nicht mehr von der Seite. Da halfen Steine werfen und wegschicken überhaupt nichts. So folgte er mir eben und so wurde mein Mountainguide. Kaum dass ich mal einen Km unterwegs war, fing es wieder an zu Regnen. So lief ich drei Stunden im Regen hoch. Nach 10.5 Km, die ich in drei Stunden und 45 min lief, kam ich beim Parkplatz Prionia an. Das Tal, durch das ich lief, war ein Traum, und es würde sich lohnen, dieses Stück ein wenig langsamer zu besteigen als ich es tat. Doch ich wollte noch auf 2720m hoch, also musste ich ein wenig schneller als sonst marschieren. Als ich das erste Refuge erreichte (auf 2100m), war ich dann auch schon ein wenig müde und ruhte mich erst ein mal ein wenig aus. Der Hund, den ich Zeus taufte, ging mit anderen Leuten weiter. Das war mir recht, denn was sollte ich mit ihm anfangen, da ich nicht mal Nahrung genug für mich selbst hatte? Das letzte Stück zur zweiten Hütte war dann sehr hart - es ging über eine Eisscholle, die mir fast zum Verhängnis wurde, denn ein paar Mal rutschte ich und konnte mich nur mit Mühe retten. In diesem Moment sagte ich mir: Gott wird mir schon Helfen und das wird nicht mein Ende sein. So schaffte ich dieses harte Stück dann doch noch, ich hatte zwar einen Pulsschlag von 175. auf dem letzten Stück verirrte ich mich im Nebel und konnte den Weg erst nach einer halben Stunde wieder finden. Das Refuge war sehr gemütlich und einfach. Es gab einen Aufenthaltsraum, in dem sich 28 Polen, 4 Deutsche, 3 Griechen, 5 Albaner (die einen daran waren, einen Anbau zu errichten) und ich sich versammelten. Als erstes trank ich vier Gläser voll Tee und dann machte ich es mir gemütlich. Für den Aufstieg rechnet man 11 Stunden - ich schaffte es in 7.5 Stunden 

Sa 18 September 1999 48.Tag 

Abstieg des Olymps 

Ich schlief sehr gut in dem Aufenthaltsraum dieses Refuge. Der Olymp war noch mit Wolken und Nebelschleier bedeckt. Wir, das heisst die drei Jungs aus Thessaloniki und ich, warteten noch ein wenig und das war eigentlich ein Fehler. Denn als die Wolken weg waren, hatten wir den Aufstieg noch nicht angetreten und als wir dann beim Aufstieg waren, war der Olymp wieder Wolkenverhangen und somit war es einfach zu gefährlich, hochzuklettern. Wenigstens war ich auf 2820m Höhe. Das ist der bisher höchste Punkt auf dieser Reise. Der Abstieg war dann nicht mehr so schwer. Als wir dann beim Refuge A ankamen, traf ich wieder Ole, ein Däne, den ich vor einigen Tagen zuvor in Litohoro schon kennengelernt hatte. Von einem höher gelegenen Parkplatz fuhr ich dann mit den Jungs nach Litohoro runter. Wir machten ab, dass wir uns morgen oder übermorgen in Thessaloniki treffen werden. 

Am Abend versammelten sich dann alle noch anwesenden Backpacker: ein Israeli, drei Deutsche (zwei Wessis und ein Sachse), ein Däne und ich selbst. Die 2 Wessis machten sich an die Israelin ran (obwohl sie keine Schönheit war) und so gaben sie uns restlichen zu verstehen, dass wir unerwünscht seien. Nun, das liessen wir natürlich nicht auf uns sitzen, und als wir gegessen hatten, sassen wir dann am Nebentisch und tranken Retzina (Typischer griechischer Wein). Wir sahen schnell, dass die beiden Wessis nicht an ihr gewünschtes Ziel kommen würden und so liessen wir von den Racheplänen ab. Die Nacht verbrachte ich an der gleichen Stelle wie ein paar Nächte zuvor und es wurde wieder ein schnelles Erwachen, da es wieder anfing zu Regnen. 

So 19 September 1999 49.Tag 

Litohoro-Katerini-Alexandria 88.68 Km T:3064.5 Km

In einer Bar beim Zentrum trank ich dann meine Kaffees und Tees und schrieb gemütlich Tagebuch. Danach schaute ich mich noch in Litohoro um. Als ich dann mein Rad und das Gepäck holte, fühlte ich mich wieder unruhig und ein Gefühl von Aufbruchstimmung überfiel mich. Es war dann gut, wieder on the Road zu sein. Es ging stetig hoch und runter und ich durchfuhr Olivenhaine und Baumwollplantagen. Es war das erste mal in meinem Leben, dass ich Baumwollplantagen direkt vor meinen Augen sah. Ein Nagel holte mich in die Realität zurück. So flickte ich am vorderen Pneu zwei Löcher. Vor Alexandria winkte mir ein mein vor einer Bar zu. Als ich anhielt, wurde ich herzlichst empfangen. Man machte Photos und brachte eine Fanta. In einer Tankstelle sorgte ich für Verwirrung, denn ich brauchte Benzin für meinen Kocher, und so glaubten mit die Leute zuerst gar nicht, dass es sich bei meinem Gefährt um ein Fahrrad handelt und nicht um ein Motorrad. Ein paar Km nach Alexandria suchte ich nach einer Schlafgelegenheit in einem kleinen Dorf. Die ersten Leute, die ich ansprach, waren unglaublich hilfsbereit und so konnte ich in ihrem Garten die Nacht verbringen. Danke! Das Gespräch hielt sich in Grenzen; zwar konnten die meisten Englisch, doch waren sie sehr zurückhaltend, sodass es immer Pausen gab, in denen niemand etwas sagte.

Mo 20 September 1999 50.Tag 

Alexandria-Tessaloniki 62.52 Km T:3127.1 Km 

Am Morgen wurde ich mit Äpfeln, Kuchen und Früchten überladen. Da kamen bestimmt vier Kilo Extra-Gewicht dazu. Nun werde ich mich für die nächsten Tage von Obst ernähren. Die Griechen sind zwar nicht Wortgewandt und vielmals zurückhaltend, doch es sind sehr hilfsbereite und nette, ehrlich Leute. Ich habe bisher einen sehr guten Eindruck von ihnen. Die Strasse, die ich dann nach Thessaloniki fuhr, kann ich getrost aus dem Gedächtnis streichen: 30 Km Autobahn und 10 Km Grossstadtverkehr sind kein Vergnügen! Am Mittag war ich in Thessaloniki angekommen und von dort rief ich Anestis an (der eine Grieche, den ich beim Olympos kennengelernt hatte). 20 min später traf ich Ihn dann. Er lud mich in sein Elternhaus ein, wo ich für ein paar Tage bleiben darf. Das Gute ist, dass ich dort mein eigenes Appartement (ca. 2 1/2 Zimmer mit allem nötigen) habe. Das war eine grosse Überraschung. So war ich froh, endlich und nach fast einer Woche wieder mal zu duschen. Natürlich habe ich mich jeden Tag gewaschen, doch ist eine Dusche eben schon was Schönes. Ich wusch auch gleich noch alle Kleider und den Schlafsack. Am Abend gingen wir dann in einer griechischen Taverne essen. Man bestellt etwa sieben diverse kleinere Leckereien wie Pommes Frites, Tsatsiki, griechischen Salat, Spinat, diverse. Fischgerichte, Bohnen, etc., und jeder konnte von den Tellern essen, so viel er wollte. Trotzdem kann man sicher sein, dass noch was übrigbleibt. 

Di 21 September 1999 51.Tag 

Tessaloniki 

Am Morgen ging ich noch für 45min laufen, was eigentlich keine schöne Angelegenheit ist in einer so grossen Stadt, wo es fast keine Parkanlagen gibt. Anestis rief anschliessend beim Ministerium für Nordgriechenland an, die zuständig sind für die Aufenthaltsbewilligung von Athos. Es gab die Möglichkeit, einen Platz zu bekommen für den Sonntag den 26 September 1999, was mir natürlich zusagte, da es normalerweise sehr schwer ist, überhaupt nach Athos zu kommen. Wir suchten dann später das Büro auf und dort bekam ich dann tatsächlich das Permit. Mann, ich war wirklich froh! Ich hatte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde. Später suchten wir die Universität auf, wo ich das Internet benutzen konnte. 

MI 22. September 1999 52. Tag 

Den ganzen Nachmittag war ich an der Uni wo ich im Internet Infos über Athos, der Türkei und die Standpunkte der dortigen Internetcafes ausdruckte. Am Abend traf auch dann Anestis in einer Bar. Wir gingen Billard spielen und später in ein Pub wo eine Griechische Band spielte das war ziemlich rockig. Das wurde ein grossartiger Abend, der erst um 3.00 Uhr morgens endete. 

Do.23. September 1999 53. Tag 

Thessaloniki-Nea Madytos 66.2 KM T: 3193 Km 

Am Morgen ging ich als erstes eine Stunde laufen und machte anschliessend Kraftübungen. Um 15.00 Uhr fuhr ich dann los. Anestis begleitete mach noch 10 Km bis ausserhalb der Stadt. Als er mir die nächsten Orte auf der Karte zeigen wollte, bemerkten wir, dass ich die Karte unterwegs verloren hatte. Anestis suchte vergebens die Strasse nochmals ab. Nun, das war schade, da ich auch ein paar Adressen, die in der Folie der Karte waren, verlor. Eine neue Karte fand ich aber immerhin sofort bei der nächsten Tankstelle. Zwar nicht so gut, doch immerhin brauchbar. 

Am Abend sah ich eine kleine Schafsfarm. Der Besitzer war sehr freundlich; er lud mich zum Essen ein. Darauf schlief ich, nicht beim Hof, sondern ein paar Km weiter entfernt in seinem Garten. Er organisierte ein paar Biere und Maria kochte Pommes Frites, Reis und machte dazu noch ebnen griechischen Salat. Es war herrlich und wieder fühlte ich mich wie ein König. Später kam dann die Nachbarin und entführte mich in ihr Haus. Ihr Mann war Künstler und ein verrückter Typ. Es gab dann einen Familienkrach, weil der Künstler immer recht haben wollte und die Meinung der anderen nicht tolerierte. Doch ich muss sagen, er hatte eine süsse Tochter. Wäre ich länger geblieben...wer weiss.

Fr 24. September 1999 54. Tag 

Nea Madytos-Ouranopolis 99.7 Km T:3293.1 Km

Es gab zwei Varianten, nach Ouranopolis. Die Berge oder das Meer. Nun klar, ich entschied mich für die Berge. Somit ging's zuerst 500 m höher auf 620m. Ich hätte es doch lieber gelassen, da es heute bestimmt 35 Grad warm war und ich enorm schwitzte. Nach 35 Km hatte ich dann die Küste erreicht, die aber auch nicht flach war. Doch die Steigungen hielten sich in Grenzen. Es war eine herrliche Strasse, ein schöner Vorgeschmack auf Athos. Am Abend kam ich dann in Ouranopolis an. Das ist ein hässliches Touristenkaff, und der Campingbesitzer war ein A...(Tirattata) hoch zwei: Er wollte mich Abzocken. Nun zur Information: Es war kein Mensch mehr auf dem Camping, das Warmwasser war abgestellt und es sah nicht ordentlich aus und da wollte er doch glatt 2000 Drachmen !!! Nun in Meteora, wo es ein grosses Camp war, bezahlte ich 1400 und hatte gratis Gas zum Kochen. So versuchte ich es bei den Lokalen und fragte, ob ich im Garten schlafen dürfe. Auch das stellte sich als unmöglich heraus und so blieb nur das wild campen übrig. Der Ort war mir nun absolut unsympathisch !!! 

Sa 25. September 1999 55. Tag 

Die Nacht schlief ich sehr schlecht. Zuerst schlief ich in einem Olivenhain, erwachte jedoch um 1.00 Uhr morgens, und da ich nicht mehr schlafen konnte, ging ich zum Hafen. Dort ass ich was und suchte mir dann ein anderes Plätzchen zum schlafen. Um 13.00 Uhr hatte ich dann das Permit für Athos. Es kostete 8000 Drachmen, das sind 40.-Fr. Den Rest des Tages unterhielt ich mich mit diversen Leuten. Am Abend brachte ich das Rad zur Polizei, die diesmal sehr hilfsbereit war - nicht wie die Polizei in Litohoro. Spät am Abend traf ich zwei Tessiner, die per Motorrad eine Tour machten. Wir tranken noch ein paar Biere zusammen und schlugen das Nachtlager am Strand auf. Die 2 Tessiner waren keine guten Camper Sie brachten es nicht fertig, das Zelt aufzustellen. Nun, da es nicht regnete, war das auch nicht nötig.

Karte von Athos

(Bild Anklicken um zur offiziellen Homepage von Athos zu gelangen)

So 26. September bis Di 5. Oktober 1999

Chruesi bei den Athos Mönchen

56. -65. Tag 

Die nächsten 10 Tage handeln von Athos. Zuerst wollte ich alle Klöster besichtigen und den Berg Athos (2033m) besteigen. Daraus wurde dann mehr. Ich unterhielt mich sehr lange und intensiv mit den Mönchen, die eine sehr offene und klare Meinung zum Weltgeschehen haben. Ich sah und hörte von Wundern und von Iconen, die noch heute Leute heilen. Hörte Geschichten von Einsiedlern, die durch Gebete und Fasten in die Zukunft sehen etc., etc. Es ist wahrlich eine mystische Umgebung und für mich war es ein kleines Paradies, das aber auch schon an gewissen Ecken am veröden ist. Dennoch hatte ich eine meiner bisher schönsten oder besten Zeiten auf Athos verbracht und ich wurde sehr gastfreundlich von den Mönchen aufgenommen. Man lud mich ein, länger zu bleiben, so lange ich wollte. Doch ich wusste, wenn ich länger dort bleiben würde, könnte es sehr gut möglich sein, dass ich ein Mönch würde. 

Nein, ich wusste, ich muss die Reise fortsetzen, und so ging ich dann weiter. Nach 10 herrlichen Tagen war es an der Zeit, mich zu verabschieden. Erst aber zu dem, was ich erlebt habe: Ich möchte hier gar nicht alle meine Erlebnisse berichten die ich auf Athos hatte - es wären zu viele (ich schrieb in dieser Zeit 25 Seiten voll). Ich denke, jeder sollte bezüglich Religion seine eigenen, persönlichen Erfahrungen machen. Ich kann dazu nur sagen, ich bin mir nun 100% sicher, dass Gott existiert, denn was ich erlebte, stärkte meinen Glauben dermassen.

Was mich ein wenig nachdenklich gemacht hatte, war, dass die Pilgerwege zunehmend verschwinden. Man baute Strassen, die alten Pilgerwege kreuzten oder überschritten. Dadurch sind ganze Wege verschwunden. Man hat nun die Möglichkeit, vom Hafen aus den Minibus zu nehmen, der zu allen Klöstern fährt. Immer weniger Menschen wandern noch auf den Pilgerwegen, die so überwuchern und mit der Zeit unbenutzbar werden. Es kommen mehr Leute, die Alkohol oder andere schlechte Dinge auf Athos mitnehmen, da sie das Zeug nicht mehr mit eigener Muskelkraft zu schleppen brauchen. So hörte ich, dass ein Abendessen abgebrochen wurde, weil zwei Alkoholiker völlig betrunken waren und einen riesigen Lärm machten während der Predigt.

Nun, ich hörte von drei Dingen, welche die Mönche veranlassen könnten,. Athos zu verlassen.

1: Wenn Frauen die Insel betreten.

2: Auf der Insel sieht man Zypressen, die nur bei den Klöstern oder bei Kirchen wachsen. Wenn die eines Tages gebeugt sind, wäre das ein Zeichen Athos zu verlassen.

3: Wenn eine ganz bestimmte Icone, die sich in Iviron befindet, eines Tages nicht mehr dort wäre.

MI 6. Oktober 1999 66. Tag 

Ouranopolis-Kariave 98 Km T: 3397.4 Km 

Am Morgen stand ich früh auf und ging in ein Café, wo ich die Erlebnisse von Athos niederschrieb. Athos würde mich nicht so schnell loslassen, und so fuhr ich - mit den Gedanken in Athos - los. Ich fuhr und fuhr und dachte viel nach, und als es dann schon dunkel wurde, fand ich ein Plätzchen im Garten eines freundlichen Griechen. 

Fr 8. Oktober 1999 68. Tag 

Xanthi-Komotini-Velkio 87.52 Km T: 3609 Km

Auch diese Nacht war es wieder sehr kühl so musste ich mich morgens wieder dick einhüllen. Ich ging mich noch schnell verabschieden beim Barbier und fuhr dann der Sonne entgegen. Später fand ich ein Restaurant, wo ich das Rad stehen lassen konnte während dem Lauftraining. In Komotini schrieb ich noch mein Tagebuch und traf dabei auf einen Franzosen, der als Austauschstudent hier ist. Als ich dann weiter fahren wollte, kam die hiesige Presse und wollte noch ein Interview. Als es Abend wurde, fand ich in einem Dorf eine Möglichkeit, meine Hängematte aufzustellen. Die Kinder umzingelten mich und ich war froh, dass einige englisch und deutsch sprachen. Ich bin es mir noch nicht gewöhnt, mit einer Schar Kinder umzugehen, doch ich glaube, diesmal habe ich das recht gut gemeistert. 

Sa 9. Oktober 1999 69. Tag 

Velkio-Alexandroupolis-Ipsala 89.84 Km T: 3698.8 Km 

Auch dieser Morgen war kalt und wieder war ich dick umhüllt. Um 7.00 Uhr war ich dann auf der Strasse Richtung türkischer Grenze. Aber zuvor kochte ich mir noch was Kleines in Alexandroupolis bei einer Kirche. Beim Krämer hörte ich, dass er vor kurzer Zeit eine ältere englische Radfahrerin gesehen hatte. Vielleicht die aus Igomenitsa ? 30 Km vor der Grenze traf ich einen Kanadier, der auch mit dem Rad unterwegs war, jedoch bald seine Tour beendet. Er war 2000 Km unterwegs in Griechenland und der Türkei. Bei der Grenze hatte ich keinerlei Probleme: Schnell ein Stempel, und das war es dann auch schon. In einem kleinem Dorf konnte ich dann bei einer Bauernfamilie übernachten. Auch hier umringten mich viele Kinder. Die konnten jedoch nur Bulgarisch oder Türkisch und beides sprach ich nicht. Doch mit Humor und spielen ging das ganz gut. So hatten Sie einen Gamecomputer, der am Fernsehen angeschlossen war. Ich mit dem Anführer der Kleinen Bande spielen. Natürlich gewann er immer. Die Kinder haben hier nicht so viel wie in Westeuropa, doch was ich sah, war, dass die hier alles haben, was Sie brauchen, um Glücklich zu sein. Am Abend gingen war in die Dorfkneipe, dort gab es Leute, die Englisch sprachen. Ein Lehrer brachte mir Tavla (Backgammon) bei, ein sehr interessantes Brettspiel. Später war ein Fussballmatch Deutschland-Türkei. Es war interessant zu sehen, wie etwa 60 Männer mitfiebern.

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